Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Die Heilige Schrift, gelesen im Lichte des Bundes

Gebote im Gnadenbund statt Evangelium und Gesetz

Unter dem „Verstehensmuster“ des einen Bundes Gottes als des „Gnadenbundes“, der im Alten und Neuen Testament bezeugt wird, liest sich die Bibel anders als unter dem von Luther herausgearbeitetem Gegensatz von „Gesetz und Evangelium“.

Im Lichte des Bundeswillen Gottes betrachtet wird die Einheit und Gleichrangigkeit der beiden Testamente betont. Das "Evangelium" wird auch im Alten Testament bezeugt. Ebenso wird die Einheit Gottes hervorgehoben: Der "Vater Jesu Christi", der Gott der Liebe ist kein anderer als der erwählende, der eifersüchtig, zornig und leidenschaftlich liebende Gott Israels.

Bund und Heiligung
Als "Bundespartner" Gottes lebt der Mensch nach den Weisungen Gottes, ohne dass sein Tun unter den Verdacht der "Werkgerechtigkeit" fällt. Der Bund zwischen Gott und Mensch besteht in der Liebe, Treue und Barmherzigkeit Gottes, nicht durch die Leistungen, die Werke, die Größe der menschlichen Bundespartner: "Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat" (5.Mose 7,7f.). Das Gebot ergeht am Sinai nach der Befreiungstat Gottes, nach der Rettung aus der Sklaverei in Ägypten. Dogmatisch gesprochen: Die Heiligung gehört zur Rechtfertigung.

Christliche Bundestheologie und jüdisches Selbstverständnis
Die reformierte "Bundestheologie" kann offen sein für jüdisches Selbstverständnis. Im Sinaibund begegnet Gott seinem Volk jeden Tag aufs Neue mit Barmherzigkeit und gibt ihm seine Gebote als Weisung zum Leben. Diesem Bund bleibt Gott treu – egal, was kommen mag. Diese Erkenntnis ist grundlegend für das jüdisch-christliche Gespräch.


Barbara Schenck
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