Der Blick zur Quelle schärft den Blick für die Welt – Predigt über Kirche und Staat

Präses Manfred Rekowski spricht zu Beginn des Jahres ''Reformation und Politik''

Gemarker Kirche in Wuppertal; Foto: Atamari / Wikipedia Commons.

Ein zentraler, ökumenischer Gottesdienst in Wuppertal hat im Rheinland das Themenjahr „Reformation und Politik“ der Reformationsdekade bis 2017 eröffnet. Für das Themenjahr ist unter anderem eine Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung in Vorbereitung, die im Mai 1934 in der Gemarker Kirche im Zentrum Wuppertal-Barmens verabschiedet wurde.

Predigt von Präses Rekowski.pdf

Auf die Barmer Theologische Erklärung bezog sich denn auch Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, in seiner Predigt, genau genommen auf die V. These. Sie führt in reformatorischer Tradition zurück zur Quelle, denn ihr ist das Bibelwort „Fürchtet Gott, ehrt den König“ (1. Petrus 2, 17) vorangestellt, das bereits eine Distanz zwischen Gottesfurcht und der Anerkennung staatlicher Autorität klar macht. „Der christliche Glaube segnet nicht ab, was staatliche Ordnungen vorgeben oder die jeweilige politische Führung in ihrer Richtlinienkompetenz festlegt“, sagt Präses Rekowski, „der Blick geht zuerst zu Gott.“ Gemeint sei der Gott des Neuen Testamentes, der Partei nimmt für die Schwachen und Abgeschriebenen. Im Verhältnis zum Staat andererseits habe es in der Kirchengeschichte und auch in der reformatorischen Tradition Irrtümer und Versagen gegeben.
Die V. These der Barmer Theologischen Erklärung beschreibt die Funktion des Staates, der für Recht und Frieden in der noch nicht erlösten Welt zu sorgen hat. Doch auch der Kirche werden Grenzen gesetzt: Sie hat zu erinnern an Gottes Reich, Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Ein Gottesstaat sei unvorstellbar, sagt Rekowski: „Die Kirche dominiert nicht, sondern sie bringt sich erinnernd in den öffentlichen Diskurs ein.“
Dabei vertraue die Kirche der Kraft des Wortes Gottes, dessen Anspruch für alle Bereiche des Lebens, eben auch in Weltverantwortung und Politik gelte. Unter dieser Prämisse dürfe Flüchtlingspolitik sich nicht auf nationale Interessen zurückziehen, dürfe Klimapolitik sich nicht an der Steigerung unseres Wohlstandes orientieren.
Der Blick zur Quelle des Wortes, so Rekowski, schärfe den Blick für die Welt, sie zeige uns, was in der Nachfolge Christi zu tun sei - vielleicht auch Widerspruch, auf jeden Fall aber konfessionsübergreifendes Zeugnis und Dienst in der Welt.

 


Quelle: Pressemeldung der EKiR, 31. Oktober 2013

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