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Barmherzigkeit üben, Gerechtigkeit suchen

Weihnachtsbotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider

Flüchtlinge vor Lampedusa; Foto: Sara Prestianni/noborder network

Siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten
(Matthäus 2, 13.14)

Ein Kind ist auf der Flucht. Ein wütender Gewaltherrscher möchte es umbringen. Gottes Engel warnt die Eltern; sie fliehen, und das Kind entrinnt dem Morden. Wir wissen nicht, wie und bei wem Maria, Josef und das Jesuskind in Ägypten damals Aufnahme fanden. Aber sie wurden errettet, und das Kind „wuchs und wurde stark, voller Weisheit und Gottes Gnade war bei ihm“ (Lukas 2,40).

Die Fluchtgeschichte der Heiligen Familie weist uns auf die vielen Fluchtgeschichten unserer Tage: Allein der furchtbare Bürgerkrieg in Syrien hat Millionen entwurzelt und aus dem Land getrieben. Die meisten Geflohenen leben in oft menschenunwürdigen Verhältnissen in den Nachbarstaaten. Immer wieder versuchen Menschen mittels untauglicher Schiffe über das Mittelmeer nach Europa zu kommen, um der Unfreiheit, der Perspektivlosigkeit und der Not in ihrer Heimat zu entfliehen. Spätestens das furchtbare Unglück vor Lampedusa Anfang Oktober hat uns die Augen dafür geöffnet, dass Europa seine Seele zu verlieren droht, wenn wir dieser Situation tatenlos oder in bloßer Abwehrhaltung zusehen.

Der Beschluss der Innenministerkonferenz Anfang Dezember, weiteren 5000 Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland Aufnahme zu gewähren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch angesichts des großen Elends gerade jetzt im Winter kann das nur ein Anfang sein. Als eines der reichsten Länder der Erde müssen wir unsere Anstrengungen im neuen Jahr deutlich verstärken. Auch wir als Kirchen dürfen nicht nachlassen, neue Wege zu suchen, um das Elend der Flüchtlinge zu lindern. Dabei ist Fantasie und Kreativität gefragt, denn die Not schreit zum Himmel!

Barmherzigkeit üben, Gerechtigkeit suchen – das ist eine stete Aufgabe von Christinnen und Christen. Dazu macht Weihnachten Mut. Denn in Jesus Christus ist ein neues, unauslöschliches Licht in die Welt gekommen, das Hoffnungslosen neue Hoffnung und Verzweifelten neue Zuversicht schenkt. Das Licht der Geburt Christi bringt einen neuen Schein. Es leuchtet in den Nächten unserer Welt und es schenkt uns immer neue Kraft, Boten des Lichts in der Dunkelheit zu sein. Frohe und gesegnete Weihnachten!

Hannover, 23. Dezember 2013
Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

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