Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Das Wochenlied zu Silvester: EG 64

von Sylvia Bukowski

Foto: Neil Bradford/sxc.hu

„Die Jahre... veralten wie Gewänder“

Der Jahreswechsel ist die Zeit der Rück-und Ausblicke und macht mir bewusst, wie schnell die Zeit vergeht. „Was, die Papstwahl ist schon wieder 9 Monate her?“ Oder: „Wie hat Peer Steinbrück im Wahlkampf alle Gemüter bewegt und jetzt - total weg vom Fenster!“ Manchmal denke ich auch an die Jahrtausendwende zurück: wie groß war die Aufregung damals, wie viele Ängste wurden beschworen und jetzt gehen wir mittlerweile in das Jahr 2014! Wo ist bloß die Zeit geblieben? Im Flug sind die Jahre vergangen und Manches, was einmal eine große Last war, hat sich tatsächlich in Segen gewandelt (Strophe 1). Bei mir war es die Ablehnung der Bewerbung auf eine ersehnte Pfarrstelle, der durch Sparmaßnahmen erzwungene Umzug der Gemeinde in eine andere Kirche, und auch die tiefgreifende Veränderung, die ein Streit in der Verwandtschaft ausgelöst hat. Es kann hilfreich sein, sich gegenseitig einmal solche Geschichten zu erzählen, allerdings ohne anderen die belastende Gegenwart vorschnell umzudeuten!

Trotz aller dankbaren Rückblicke bleibe ich aber nicht immun gegen die Melancholie des Jahreswechsels, der mich an die Vergänglichkeit aller Zeit, auch meiner Lebenszeit erinnert. „Die Jahre... veralten wie Gewänder“ (Strophe 2); als würden wir im „Winde treiben,“ (Strophe 3) torkeln wir manchmal ziellos durchs Leben, und wie schnell „zerrinnen“ unsere großen Glücksmomente und unser Erfolge, und wie unwiderruflich bleibt, „was wir versäumt, was wir gefehlt“ (Strophe 5).

Jochen Klepper benutzt eine starke Sprache, um uns an unsere Hinfälligkeit zu erinnern. Aber ebenso stark setzt er ihr den biblischen Trost entgegen: Unsere Zeit steht in den Händen dessen, dessen Güte ewig währt, und der uns „Anfang, Ziel und Mitte weist im Fluge unserer Zeiten.“ „Bleib du uns gnädig zugewandt...!“(Strophe 6): in diese Bitte mündet das Lied und ich verbinde damit: Lass uns eigene und fremde Begrenztheiten annehmen, führe uns zu Entscheidungen, die uns und anderen guttun, und bewahre uns davor, in unserer schnelllebigen Zeit das jeweilige Heute zu vergessen. „Kehre jeden Tag zu dir“ und lass uns entdecken, dass deine Güte jeden Morgen neu ist.


Sylvia Bukowski, zu Silvester 2013
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