Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Gott liebt diese Welt - EG 409

Lied der Woche vom Sonntag Septuagesimä, 3. Sonntag vor der Passionszeit

Ein Impuls zur neuen Woche von Sylvia Bukowski, zur Zeit in Ruanda.

Gott liebt diese Welt …

Öfter als von dieser Welt wird hier in Ruanda von der himmlischen Welt geredet. Schon bei der Taufe wird den Kindern vor allem das ewige Leben versprochen, und die Armen werden mit einem guten Leben nach dem Tod getröstet. Das bringen auch viele der schönen Lieder der Chöre hier zum Ausdruck, die Korruption, Armut, Gewalt sehr konkret beklagen, dann aber auf die wunderbare Zukunft im Himmel verweisen. Eine Theologie der Befreiung, der Veränderung des Diesseits scheint wenig verbreitet. Man schickt sich, man ist vor allem „patient“, geduldig, und wird in Predigten oft ausdrücklich dazu ermahnt. Selbst die Kurzandachten über die kanaanäische Frau, die nun wahrhaftig nicht einfach geduldig, im Sinne von schicksalsergeben war, hatten diese Botschaft in unserem Kurs.

Gott liebt diese Welt, auch und gerade diese geplagte, diese verwundete Welt in Ruanda. Anders als im Gottesdienst nehmen viele Gemeinden im Alltag doch die großen Aufgaben wahr, die sich hier stellen: Bildung, Projekte zur Unterstützung der vielen Genozid Witwen und Waisen, Förderung der Jugendlichen…, alles, was das Leben hier besser macht.

Wenn ich mich zwischen „richtiger“ Theologie und „richtiger“ Praxis entscheiden müsste, würde ich deshalb doch dem ruandischen Weg zuneigen. Gottlob muss dieser Gegensatz nicht sein und er darf auch nicht bestehen bleiben.

Sylvia Bukowski, 14. Februar 2014 in Ruanda

Das Wochenlied eg 409 zum Hören

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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