Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Herr, für dein Wort sei hoch gepreist

EG 196 - Wochenlied zum Sonntag Sexagesimä

Memorial Church - Karongi (Kibuye) - Western Rwanda; CCFoto (Detail): Adam Jones, Ph.D. / flickr.com

Ein Impuls von Sylvia Bukowski aus Ruanda

In den Morgenandachten an unserer ruandischen Universität werden z.Zt. alle Kapitel des 5. Buchs Moses ausgelegt. Heute war das 20. Kapitel dran mit den Versen 17f, in denen es heißt: „Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der Herr zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat…“ Wie immer wurde die Lesung mit den Worten beendet: „This is the word of God“ „Praise be to God.“

Der predigende Student nahm keinen Anstoß, sondern forderte – wie die meisten seiner Kommilitonen an den anderen Tagen dazu auf, Gott immer zu gehorchen, diesmal mit dem Versprechen: „dann werden wir siegen wie Israel.“

In unserem Seminar gingen jedoch die Wogen hoch: „Das ist nicht das Wort Gottes“ schrie Philemin erregt. „Das ist doch eine Aufforderung zum Genozid, wie kann die Gott gegeben haben?“

Erinnerungen wurden wach an Pfarrer, die den Massenmord hier in Ruanda vor 20 Jahren damit gerechtfertigt haben, die Tutsis seien Amalek, und müssten nach Gottes Gebot wie Amalek radikal vernichtet werden. Manche Pfarrer haben sogar Dankgottesdienste gefeiert, wenn die „Arbeit“, sprich das Töten „erfolgreich“ war.

Umso eindringlicher stellt sich hier die Frage: Sind auch solche biblischen Vernichtungsbefehle Gottes Wort, für das er „hochgepreist“ sein muss?

Bei uns war es eine harte Diskussion unter Studenten (die meisten sind erfahrene Pfarrer), weil sie einerseits die Autorität der Bibel, bewusst auch die des AT, als Gottes Wort nicht entwerten wollen, andererseits aber gerade auf dem Hintergrund ihrer schmerzlichen Erfahrungen, Gott nicht auf der Seite der Mörder im Genozid sehen wollen.

Was antworten unsere Gemeinden?

Sylvia Bukowski, 20. Februar 2014

Murambi Genocide Memorial Centre - Wikipedia

Fotos aus Gedenkstätten in Ruanda von Adam Jones auf flickr.com


Foto aus der Gedenkstätte Murambi von Sylvia Bukowski

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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