Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Du großer Schmerzensmann...

Impuls zum Wochenlied am Sonntag Palmarum: EG 87

von Sylvia Bukowski

Bei diesem Lied steht mir der Gekreuzigte vor Augen, wie Matthias Grünewald ihn auf seinem Isenheimer Altarbild dargestellt hat. Das Gesicht des Sterbenden ist blutüberströmt von der Dornenkrone, die tief in die Stirn schneidet, der Körper übersät mit den Wunden der Geißelung: man sieht noch einige der Stachel darin; die Hände mit den langen Fingern scheinen sich verkrampft in den Himmel zu bohren. Man hört förmlich den Schrei: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.

Ein Bild der Kunst, das mir die Qual des Gekreuzigten so drastisch vor Augen hält, dass ich es kaum aushalte. Ähnlich, wie ich die realen Bilder Gefolterter kaum ertrage.

Brauchen wir diese Bilder menschlicher Grausamkeit und fremden Leidens? Was richten sie aus? Etwas anderes als Erschrecken, Mitleid, oder vielleicht ein sadistisches Prickeln? Gewöhnen wir uns womöglich auch durch die Darstellungen des Gekreuzigten an die Anblicke, die zeigen, wozu Menschen fähig sind? Stumpfen wir vielleicht sogar ab, wenn sie in unserer Kirche hängen und wir sie Sonntag für Sonntag sehen?

Oder transportieren die Kreuzigungsbilder durch die Augen ins Herz, was unser Verstand kaum zu fassen vermag: „Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben, in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben?“ (Vers 3) Leiten sie an zu der (Für)Bitte: „Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen, durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen?“ (Vers 5) Oder ist es hilfreicher, das biblische Bilderverbot zu beachten?

Sylvia Bukowski, 13. April

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

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