Termine

Reformationsdekade 2012: Reformation und Musik
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps


Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.

Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik


Portrait über Kathrin Oxen
NDR-Info am Sonntag, dem 5. Februar um 6.05 Uhr und um 17.05 Uhr
''Verstecken ist unmöglich. Pastorin Kathrin Oxen – mehr als ein Predigttalent''

''Schuften bis zum Umfallen''
Richterinnen aus Kamerun im Einsatz für Frauenrechte

8. Februar 2012, 15 Uhr: Filmnachmittag im Gemeindehaus der Kilianskirche, Am Kirchplatz in Schötmar

WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.

Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.

''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück


''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012

''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein ­lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.

Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012


Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)

Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion

Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.

Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)

Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden

Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.

Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.

Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.

''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf

Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)


''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012

Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.

6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012


Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.

Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz


GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.

Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf

Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.


Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant


''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentags­präsidium in Erfurt beschlossen.

450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013


Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn


Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.



1. Mose 4, 1-16

Kain und Abel

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Sonntags morgens Kirche und am abends "Tatort". Für viele Menschen sind beides Rituale. Heute sind schon im Gottesdienst Mord und Totschlag Thema. In einer Predigt von Katrin Oxen.

Liebe Gemeinde,

ein Raub mit schwerer Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung und dann noch ein vorsätzlicher Mord. Was uns heute im Gottesdienst präsentiert wird, kann sich mit dem „Tatort“ heute Abend durchaus messen. Für viele Menschen, auch für die, die mit Ritualen sonst nicht viel anfangen können, ist der „Tatort“ am Sonntagabend ein regelrechtes Ritual geworden. Morgens Kirche, abends Krimi – es muss Sonntag sein.

Ich vermute, für die meisten Menschen sind die Zuständigkeiten ziemlich klar verteilt. Kirche – Krimi: In der Kirche, im Gottesdienst kann man hören, wie der Mensch eigentlich sein sollte. Dort wird einem von einer besseren Welt erzählt. Und als Kontrastprogramm kann man sich dann abends den Krimi ansehen, der einem die schlechtere Welt der Kriminalität vor Augen führt. Etwas zynisch könnte man sagen: Der Tatort am Sonntagabend stimmt einen schon wieder auf die Realität des Alltags ein, der zwar in den meisten Fällen nicht von Mord und Totschlag bestimmt ist, aber doch von der harten Wirklichkeit der Welt, in der wir leben.

Und nun stehen wir auch noch heute Nachmittag, in unserem Gottesdienst, an verschiedenen Tatorten. Die Straße von Jerusalem nach Jericho, die zum zweifachen Tatort wird. Ein brutaler Überfall und, beinahe schlimmer noch, die Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit der Vorübergehenden. Das freie Feld, auf dem der erste Mord geschieht. Keine Spur von der besseren Welt und die Kinder sind noch nicht mal im Bett. Der „Tatort“ wird heute vorgezogen und die erste Einsicht, die ich daraus gewinne, ist die, dass sich wohl nicht trennen lässt, was wir oft gern trennen würden. Auch hier, in der Kirche, im Gottesdienst, lässt sich nicht vor der Tür halten, was wir manchmal gerne ausblenden würden. Hier läuft das gleiche Programm wie draußen und wir sind gezwungen, hinzusehen.

Mit der Handlung eines beliebigen „Tatorts“ kann die Geschichte von Kain und Abel mühelos konkurrieren. Lassen Sie uns die Geschichte doch einmal so betrachten, wie wir uns heute Abend auch den Krimi ansehen würden. Zum Einstieg werden erst einmal die handelnden Personen vorgestellt. Anders als in vielen Krimis sind die Familienverhältnisse ja noch nicht besonders kompliziert, von Dreiecksgeschichten ganz zu schweigen.

Aber schon die Kleinfamilie bietet genug Stoff für Konflikte, eine Erfahrung, die wir teilen. Auch wenn es nicht um Kapitalverbrechen geht: Nirgendwo sind die Verletzungen und Konflikte so tief und prägend wie in der Familie, aus der man kommt. Die Konkurrenz zwischen Geschwistern kann mörderisch sein, auch wenn niemand körperlich zu Schaden kommt.

Kain wird geboren. Der erste Mensch, der zu Welt kommt, wie wir zur Welt gekommen sind, geboren unter Schmerzen von einer Frau, als Wunder jubelnd begrüßt. Jenseits von Eden, außerhalb des Paradieses geht das Leben weiter. Vater, Mutter und Kind, die erste Familie. Keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Grund zur Dankbarkeit gegenüber Gott, ein Dank, den Eva ausspricht. Mit Gottes Hilfe hat sie einen Sohn geboren und noch weiß sie nicht, dass sie mit diesem Menschenkind den ersten Mörder zur Welt gebracht hat.

Ihr zweiter Sohn, Abel, bleibt gegenüber dieser ersten, überschwänglichen Freude, ein wenig blass, das ewige Schicksal der Zweitgeborenen. Seine Geburt ist nicht mehr das ganz große und einmalige Wunder, sondern er kommt bereits in eine Familie hinein. Sein Name, Abel, bedeutet auf Hebräisch „Windhauch“ und viel mehr wird von ihm nicht bleiben in seinem kurzen Leben. Die handelnden Personen sind damit auf die Bühne des Lebens getreten. Zwei Brüder, Täter und Opfer, die kurze Formel für alles, was Menschen einander anzutun in der Lage sind.

Nun beginnt, wie im „Tatort“, die Suche nach dem Motiv. Abel wird ein Schäfer, ein Hirte, Kain ein Ackerbauer. Daraus könnte man Konflikte ableiten, die Konkurrenz und Land und Wasser, das die Brüder in gleicher Weise benötigen. Aber diese Spur endet in einer Sackgasse. Beide Brüder scheinen erfolgreich zu sein, Abel als Schäfer, Kain als Ackerbauer. Beide können Gott ein Opfer darbringen. Gott sieht Abel und sein Opfer gnädig an, Kain und sein Opfer sieht er nicht gnädig an. Punkt. Mehr wird nicht gesagt.

Vielleicht hatten Sie, wie ich, eine Kinderbibel mit Bildern. In meiner war zu sehen, wie der Rauch von Abels Opfer kerzengerade in den Himmel stieg, während der Rauch von Kains Opfer am Boden blieb. Im Text wurde unterstellt, dass Abel freudig und gerne, Kain dagegen lustlos und aus reinem Pflichtbewusstsein geopfert habe. Ein Versuch, das unerklärliche Handeln Gottes zu rechtfertigen, nicht nur bei Kindern von nachhaltiger Wirkung. Aber Gott braucht niemanden, der ihn rechtfertigt.

In der Geschichte von Kain und Abel kommt auch die grenzenlose Souveränität Gottes zum Ausdruck, die Freiheit, mit der er sich uns Menschen zuwendet. Anders als beim „Tatort“ gibt es angesichts der für uns unbegreiflichen Entscheidung Gottes mit all ihren Folgen kein Motiv, das wir nachvollziehen könnten.

Das Geheimnis der bösen Tat, das Motiv, das zum Mord führt, die Frage, woher das Böse in der Welt kommt – all das bleibt für uns nicht zu fassen. Das Geheimnis und die Frage bleiben bei Gott. Es gibt keine einfachen Antworten und eine Kinderbibel, die mir solche Antworten in Wort und Bild einreden will, malt ein falsches Bild von Gott.

Festzuhalten bleibt, dass es wie so oft, der jüngere, weniger beachtete, unscheinbarere von zwei Brüdern ist, dem Gott sich in besonderer Weise zuwendet. Unseren Maßstäben entspricht das nicht. Vielleicht beginnt die Geschichte, die in die Katastrophe führt, deshalb mit der besonderen Sichtweise Gottes, die uns immer wieder begegnet und uns immer wieder herausfordert. Gott „mit einer Schwäche für die Schwachen“ (Nico ter Linden), mit einer Schwäche für Abel, den Windhauch. Eine Schwäche Gottes, die unter den Menschen zur Katastrophe führen kann.

Festzuhalten bleibt auch, dass Kain, wie jeder Täter, in der Lage gewesen wäre, anders zu handeln. Aber Kain versucht kein zweites Mal, Gott von Angesicht zu begegnen. Und er ist ganz unfähig, von sich und seinem Verhältnis zu Gott abzusehen, mit Gott auf seinen jüngeren Bruder zu sehen. Er bleibt bei sich und als er erfährt, dass sich Gott nicht ihn zuerst zuwendet, bricht er jede Beziehung ab, zu Gott und zu seinem Bruder. Er senkt finster seinen Blick. Es gibt keinen Blickkontakt, keine Beziehung mehr. Er kann nicht annehmen, dass Gott sich nun auch ihm zuwendet, ihn anspricht. Diese Unversöhnlichkeit, dieses Beharren bei sich selbst und der einmal erfahrenen Kränkung gehört zu einem Täterprofil dazu.

Was nun passiert, geschieht im „Tatort“ selten. Es ist der perfekte Mord. Es gibt keine Zeugen. Auch Gott sieht nicht alles. Er muss nachfragen. „Kain, wo ist dein Bruder?“

Es ist die zweite Frage, die Gott in der Bibel an den Menschen richtet. Die erste lautet „Adam, wo bist du?“. Gott stellt sie noch im Paradies, als Adam und Eva sich ängstlich vor ihm versteckten, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. „Wo bist du, Mensch? Warum versteckst du dich vor mir? Wie ist unser Verhältnis?“ Und „Wo ist dein Bruder?“. Diese beiden Fragen stellt Gott uns bis heute. Er fragt uns nach dem Sündenfall, jenseits von Eden, ob wir die Summe aller Gebote halten können: Ihn, Gott, zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und unseren Nächsten wie uns selbst.

Gott hat den ersten Mord nicht gesehen. Schon ist das vergossene Blut im Boden versickert. Im Blut ist nach biblischer Vorstellung das Leben. Gott hat es gegeben und er lässt es nicht irgendwo verrinnen. Das unschuldig vergossene Blut schreit zu ihm, die Stimme der Schwachen, der Ohnmächtigen, derer, von denen nichts bleibt in der Spur der Gewalt und des Todes bis heute. Gott hört die Opfer.

Gott hört die Opfer und, auch das unfassbar für uns, er bleibt bei den Tätern. Der Mörder Kain verdankt Gott sein Leben. Was Eva in der glücklichen Stunde der Geburt jubelnd ausgerufen hatte, trägt durch in den tiefsten Abgrund, in den Kain geraten ist. Gott klagt ihn an, er beschönigt nichts - und er steht ein für den Täter.

Uns ist, nicht nur im „Tatort“, mehr nach gerechter Strafe zumute. Wie Sie wissen, arbeitet mein Mann in Bützow als Gefängnisseelsorger. Oft, wenn das Gespräch darauf kommt, mache ich eine sehr erschreckende Erfahrung. Menschen, mit denen man sich vorher gut unterhalten hat, werden plötzlich zu erklärten Verfechtern der Todesstrafe. „Das kostet doch nur unser Geld“, „Kopf ab und dann ist Ruhe“, so oder so ähnlich habe ich das schon oft gehört. Mildere Formen davon gibt es auch, z.B. Vorstellungen von der Haft als einer Art Luxushotel, nur eben ohne Ausgang, „Die haben doch da alles, die haben sogar…“

Gleichzeitig geht vom Gefängnis eine besondere Faszination aus, viele Menschen würden gerne einmal mit in den Knast hinein. Eine gewisse Sensationslust spielt da mit, „einmal einen echten Mörder sehen“ oder so ähnlich. Die Zeit der öffentlichen Hinrichtungen ist vorbei, aber das Bedürfnis danach, einmal jemanden, der zum Täter geworden ist zu sehen, ist nicht kleiner geworden.

Überrascht und verwirrt sind die meisten, die Gelegenheit haben, Tätern zu begegnen. Die sind ja ganz normal, keine finsteren Gestalten und die im Gefängnis am martialischsten aussehen, sind oft die mit den kleinsten Delikten.

Es ist schwer, beides zusammenhalten: den Menschen, der mir begegnet und mit dem ich ganz normal sprechen kann und seine Tat, die mich mit Abscheu und Entsetzen erfüllt. Beides ist nicht voneinander zu trennen, ich kann nicht nur den Menschen sehen und die Tat vergessen, aber genauso wenig nur die Tat sehen und den Menschen vergessen.

Gott steht ein für den Täter. Er klagt Kain an, er begegnet Kains zynischer Ausrede „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ mit dem Schweigen dessen, der weiß, dass der Täter die Antwort kennt. Ja, du sollst deines Bruders Hüter sein, daran bist du gescheitert, Kain, an deiner Unfähigkeit, von dir selbst abzusehen. Woher diese Unfähigkeit kommt, die Menschen zu Tätern werden lässt, bleibt uns verborgen, wie auch in besseren Krimis ein Rest Unerklärbares bleibt.

Gott steht für den Täter ein. Er trennt zwischen der Tat und dem Menschen, der sie begangen hat. Das Schicksal Kains, als Flüchtiger auf der Erde herumzuirren, als jemand, der niemals mehr Ruhe finden wird bis an das Ende seiner Tage ist ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod. Herr über Leben und Tod, auch über Leben und Tod des Täters bleibt Gott. Sein Zeichen auf Kains Stirn ist beides: fortwährende, sichtbare Anklage und Schutz zugleich.

Mir kommt es manchmal vor, als sei auch das Gefängnis in Bützow, dem offenbar niemand emotionslos begegnen kann, beides zugleich: fortwährende, sichtbare Anklage der Täter und damit auch den Abgründen unserer menschlichen Möglichkeiten und Schutzraum für die, die keine Ruhe mehr finden unter den Menschen.

Die „Tatorte“ in diesem Gottesdienst bringen zusammen, was sich nicht trennen lässt. Sie zeigen, wo es gelingt, dass wir einander zu Nächsten werden, zu Brüdern und Schwestern, zu Kindern Gottes. Sie zeigen, wo wir hinsehen sollen, zu Gott, der jede und jeden von uns geschaffen hat und liebt und zu den Menschen an unserer Seite, für die das Gleiche gilt. Sie zeigen auch, wo wir scheitern durch unsere Gleichgültigkeit und unseren Egoismus, unsere Unfähigkeit, von uns abzusehen, unseren Blick nicht nur auf den Boden vor unseren Füßen zu richten.

Jenseits von Eden leben wir, als Täter und Opfer, als Opfer und Täter. Die Geschichte von Kain und Abel erinnert uns daran, dass wir in Gottes Augen andere sind und bleiben: Geschwister. Amen.

(gehalten am 10.09.2006)


Katrin Oxen
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