Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Euer Leben ihr bessern müsst

Lied zum Johannistag am 24. Juni: Wir wollen singn ein' Lobgesang (EG 141)

Ein Impuls von Sylvia Bukowski

Am nächsten Dienstag ist der 24. Juni. Verbinden Sie etwas mit diesem Datum?

Die Genießer unter Ihnen sicher das Ende der Spargelzeit. Andere denken mit einem gewissen Schrecken daran, dass dann genau in 6 Monaten schon wieder Weihnachten ist – also fast schon Zeit, das Krippenspiel auszuwählen! Im lutherischen Festkalender, auf den zu achten auch für Reformierte manchmal anregend sein kann, ist dieser Tag der Johannistag. Das Datum ist bewusst gewählt, um die Ansage des Johannes zu verdeutlichen „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Joh3,30.

Das Lied für den Johannestag erinnert im Spiegel aller vier Evangelien an die Predigt des Täufers. Die Version des Johannesevangelium kommt in der 4. Strophe vor. Sie erwähnt auch den Zeigefinger des Johannes, dem Matthias Grünewald auf seinem Altarbild ein berühmtes Denkmal gesetzt hat.

In der 6. Strophe heißt es: „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, des Vorläufer Johannes ist; hilf, dass wir folgen seiner Lehr, so tun wir dir die rechte Lehr.“

Aber brauchen wir den Vorläufer Jesu noch, nachdem Jesus gekommen ist, und wir uns zu ihm bekennen? Brauchen wir seine Predigt, die das Lied - sehr entschärft – zusammenfasst: „Euer Leben ihr bessern müsst,... tut rechte Buß` ohn Heuchelei!“ (Strophe 2)?

Gibt es nicht genug Stimmen, die uns auffordern, uns zu „optimieren:“ unser Aussehen, unsere kommunikativen Fähigkeiten, unsere Arbeit, unseren Sex? Die uns ein schlechtes Gewissen machen, wenn wir nicht an uns arbeiten! Und haben wir nicht die Predigt des Johannes insofern längst schon verinnerlicht, als wir sehr gut wissen, dass Glaube und Tun zusammengehören? Wir sind doch sozial engagiert, manchmal bis über unsere Grenzen hinaus! Wir kümmern uns um die Rechte anderer, so gut wir können! Und wir stellen uns oft genug die Frage, ob wir nicht eigentlich viel mehr tun müssten. Brauchen wir noch jemanden wie Johannes, mit seinem Schimpfen und Drohen?

Was ist die Funktion des Täufers in unserer Gegenwart? Für uns persönlich und für unsere Kirche?

Sylvia Bukowski, 20. Juni 2014

 

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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