Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Die Barmer Theologische Erklärung wirkt seit 1934 in aller Welt

Neue Dauerausstellung in Wuppertal eröffnet

©Foto: Holger Pyka

In der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen ist am Montag Abend (30.6.) eine neue Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung eröffnet worden.

Vor 80 Jahren – Ende Mai 1934 – war dort von der Bekenntnissynode diese biblisch begründete Absage an den Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten verabschiedet worden. Die Barmer Theologische Erklärung gilt als zentrales Dokument des Kirchenkampfes in der NS-Zeit und gehört heute zu den wegweisenden Glaubenszeugnissen der Kirche im 20. Jahrhundert. Auf die Erklärung berufen sich  auch heute noch Kirchen weltweit. In die von Bundes- und NRW-Landesregierung geförderte Dauerausstellung wurden rund 350.000 Euro investiert.

„Auch wenn sich die Zeiten gewandelt haben, ist die Erklärung in ihrer Ausrichtung heute so aktuell wie 1934“, unterstrich Präses Manfred Rekowski: „Heute wie damals gilt: Der christliche Glaube segnet nicht ab, was staatliche Ordnungen vorgeben oder die jeweilige politische Führung in ihrer Richtlinienkompetenz festlegt. Der Blick geht zuerst zu Gott, der Partei nimmt für die Schwachen und Abgeschriebenen. Die Barmer Theologische Erklärung ruft der Kirche das immer wieder ins Gedächtnis.“

„Menschen, die um ihre Schwachheit wussten.“

Im Beisein von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und Dr. Fidon Mwombeki, der den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertrat, würdigte die Wuppertaler Superintendentin Ilka Federschmidt den Mut der Synodalen, die 1934 klar Position bezogen: „Ich entdecke hinter dem Bekenntnis Menschen, die um ihre Schwachheit wussten. Menschen verstellen sich selbst den Weg in die totale Anpassung und Gleichschaltung, sie kommen aus ihrem Glauben heraus ihrer eigenen Schwachheit zuvor. Sie riskieren, dass sie mit ihrem Bekenntnis von den anderen ernster genommen werden, als sie es selber durchhalten und garantieren können“, sagte sie in ihrer Andacht.

Die Barmer Theologische Erklärung von 1934 habe eine bemerkenswerte Wirkungsgeschichte mit einem großen Einfluss in vielen Teilen der Welt, machte Professor Dr. Dirkie Smit von der Universität Stellenbosch in Südafrika in seinem Festvortrag deutlich. Aus diesem Grund sei es „ein wunderbares Projekt“, eine Ausstellung ins Leben zu rufen, die das ursprüngliche historische Ereignis darstelle, aber auch den Bogen bis in die Gegenwart unserer ökumenischen und globalen Geschichte spanne. Als Beispiel der Wirkungsgeschichte nannte er den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika: „,Barmen’ wurde zu einem allgemein gebräuchlichen Begriff in der Zeit des so genannten Kirchenkampfes in Südafrika. Ein Kirchenkampf der Kirche gegen das System sowie ein Kampf für die Kirche, für ihre Integrität und ihre Glaubwürdigkeit.“

„Die Idee einer Ausstellung an diesem Ort hat zum Ziel, die Gemarker Kirche zu einem authentischen Lern- und Begegnungsort zu machen, in der Geschichte und Theologie erleb- und erfahrbar wird“, erläuterte Projektleiter Martin Engels. Die Ausstellung stelle das 80-jährige Jubiläum der Barmer Erklärung bewusst in den Kontext von 500 Jahren Reformation. Denn es solle deutlich werden: „In Barmen ist der reformatorische Geist im 20. Jahrhundert lebendig geworden und prägt – als Bekenntnis oder Erklärung verstanden – die Gestalt von vielen evangelischen Kirchen heute. Die Synodalen, so zeigt es sich an zahlreichen Stellen, haben sich über ihre innerevangelischen konfessionellen Grenzen hinweg in der reformatorischen Tradition Wittenbergs und Genfs gesehen.“

„Wie kann ein solcher Text erlebbar und erfahrbar werden?“

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es sich bei dem zentralen Ausstellungsstück – der Barmer Theologischen Erklärung selbst – um drei eng maschinenschriftlich beschriebene Seiten mit dichtem theologischen Inhalt handelt, sei das Ziel gewagt formuliert gewesen, so Engels: „Denn die Frage stellt sich: Wie kann ein solcher Text erleb- und erfahrbar werden?“ Dass dies in einem knapp zweijährigen Entwicklungs- und Umsetzungsprozess gelungen ist, davon konnten sich die Gäste der Eröffnung anschließend beim Rundgang durch die Ausstellung mit ihren 140 Klappen, 200 Text- und Bildtafeln sowie an den zwölf interaktiven Medienstationen selbst überzeugen.

Festvortrags von Professor Dr. Dirkie Smit

Manuskript der Andacht von Superintendentin Ilka Federschmidt (Wuppertal)

Umfangreiches Themenpaket zur Barmer Theologischen Erklärung finden Sie hier zum Download:
http://www.ekir.de/www/downloads/Themenpaket-BTE.pdf


Pressemeldung der EKiR, 30. Juni 2014
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