Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Wende Hass und Feindessinn - EG 428 (und 495)

Das Wochenlied zum 4. Sonntag nach Trinitatis. Ein Impuls von Sylvia Bukowski

Grenzzaun zwischen Israel und Libanon (Foto: Rieger)

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Israel/Palästina und den jahrelangen, verheerenden Kriegswirren in Syrien/Irak ist die Bitte besonders dringlich: „Lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin!“

Wie so oft, sind auch für diesen Sonntag 2 Wochenlieder vorgeschlagen. Beide sollten einen Platz im Gottesdienst finden, weil beide, auf je eigene Weise, sehr aktuelle Probleme ansprechen. Ich möchte an dieser Stelle jedoch nur etwas zur 1. Strophe von eG 428 sagen.

Yohanna Katanacho, ein palästinensisch-israelischer Pfarrer und Dozent aus Nazareth, schrieb in dieser Woche: „Wir beide, Palästinenser und Israelis müssen uns wieder auf eine Sprache besinnen, die in Nächstenliebe und nicht in Hass wurzelt, in Mut und nicht in Verzweiflung, in der Anerkennung des anderen, nicht in seiner Dämonisierung, in Vergebung, nicht in Rache. Wir müssen einander die Grausamkeiten vergeben, die wir uns angetan haben. Wir müssen Gebete der Vergebung und der Liebe in unseren Kirchen und Synagogen verbreiten. Vielleicht werden wir dann wieder in der Lage sein, auf eine bessere Zukunft zuzugehen. Vielleicht können wir dann wieder davon träumen, dass sich Palästinenser und Israelis einmal gegenseitig stärken.“

Solche Stimmen gibt es auch auf jüdisch-israelischer Seite. Die Mutter des ermordeten David Frenkel war entsetzt, als sie die Racheforderungen der Politiker hörte: „Niemand darf irgendjemanden im Namen meines Kindes töten. Arabisches und jüdisches Blut unterscheiden sich nicht!“ Diese Stimmen dürfen wir nicht vergessen, wenn wir uns eine Meinung zum Nahost Konflikt bilden wollen. Die offizielle Politik lässt ihn gerade jetzt wieder einmal völlig aussichtlos scheinen. Aber so lange es an der Basis Menschen gibt, die sich weigern, zu hassen, dürfen wir die Hoffnung für den Nahen Osten nicht aufgeben. Wir dürfen auch nicht einseitig Partei nehmen. Gerade weil wir nicht unmittelbar betroffen sind, ist es wichtig, die Ängste und das Leid auf beiden Seiten wahrzunehmen, sich über Initiativen zur Versöhnung auf beiden Seiten zu informieren und sie, so weit wie möglich, zu unterstützen, und in der Fürbitte nicht müde zu werden. „Komm in unsere stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe werben...“

Sylvia Bukowski, 11. Juli 2014

 

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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