Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Gott segnen: O gläubig Herz, gebenedei

Impuls zum Wochenlied EG 318 - 8. Sonntag nach Trinitatis

Jakob segnet die Söhne des Joseph (Ausschnitt); Rembrandt 1656

von Sylvia Bukowski

„O gläubig Herz gebenedei und gib Lob deinem Herren...“ Das Wochenlied erinnert mit dieser Aufforderung an einen biblischen Vorgang, den viele Christen nicht kennen. Denn in unsere heutige Sprache übersetzt heißt gebenedeien segnen. Unser Herz soll also Gott segnen! Das erscheint manchen sicher vermessen. Gottes Segen empfangen, ja. Aber ihn unsererseits segnen? Heißt das nicht, sich über Gott, oder auf Augenhöhe mit ihm stellen? Den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf missachten?

Magdalene Frettlöh weist in ihrem Buch „Theologie des Segens“ darauf hin, dass Gott segnen in der Bibel häufig vorkommt, aber immer mit Gott loben übersetzt wird. „Lobe den Herrn, meine Seele“ heißt wörtlich übersetzt: „segne den Herrn, meine Seele.“ Gottes Segen kommt erst zu seinem Ziel, wenn er zu Gott zurückströmt als eine Form des Lobes, das anerkennt, dass alles, was uns zum Leben dient, von Gott stammt: „..dieweil du keine Stund ohn ihn mit aller Sorg in deinem Sinn dein Leben kannst ernähren.“ (Strophe 1). Gleichzeitig ermächtigt uns Gott mit seinem Segen, als seine Mitarbeiter an der Welt zu bauen und ihm gegenüber verantwortlich mit der Schöpfung umzugehen. Segen muss zwischen Gott und Mensch hin und her fließen.

Im Judentum ist das Gott segnen seit jeher eine Pflicht, und es gibt unzählige Segenssprüche für alle möglichen Situationen. Warum? „Nur in der Vergewisserung der Gemeinschaft mit Gott können Menschen wagen, nach Gottes Eigentum zu greifen, ohne sich an ihm zu vergreifen ...Wenn Menschen über den zum Verzehr bestimmten Geschöpfen Gott segnen, ist das Ausdruck von Selbstbescheidung, ihrer Ehrfurcht vor dem Schöpfer und ihres Wissens um das Geheimnis des Lebens.“ (R. Stuhlmann, zitiert bei Frettlöh, S. 390) Ähnliches gilt für den Umgang mit allem, was einem im Leben begegnet: „Segne den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat...“

In diesem Sinn erhält das Wochenlied eine besondere Pointe mit der Aufforderung: „O gläubig Herz gebenedei und sag Lob deinem Herren...“

 

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Biblische und Dogmatische Wahrnehmungen

Das Buch zum Segen - die Dissertation von Magdalene L. Frettlöh (1997/98), gedruckt in 4. Auflage, Gütersloh 2002 - jetzt online auf reformiert-info; im PDF Stichwortsuche leicht gemacht
Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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