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Aus tiefer Not

Das Wochenlied zum 11. Sonntag nach Trinitatis: EG 299

Keiner von uns kann sich herausreden, gar nichts damit zu tun zu haben. Vielleicht gerade, weil wir gar nichts tun. - Ein Impuls von Sylvia Bukowski

„Aus tiefer Not schrei ich zu dir.....“ Worunter leiden wir denn? Was ist unsere Not? In dem Wochenlied ist es die Last der begangenen Sünden und des Unrechts. Aber trifft das auch das, was uns umtreibt?

Ich denke, in gewisser Weise ja. Gerade in diesen Wochen hören wir täglich von entsetzlichen Gräueln, verübt unter dem Vorwand von Sicherheit, Verteidigung der nationalen Interessen oder – und das ist das schlimmste: im Namen Gottes. Auch wenn wir nicht mehr gern von Sünde reden: an vielen Orten unserer Welt versündigen sich Menschen an Menschen, geschieht vor unseren Augen oder im Verborgenen großes Unrecht.

Die Medien machen uns zu Zeugen. Zu hilflos empörten Zeugen. Und kritische Journalisten ersparen uns nicht, die Verwicklung unseres Staates und unserer Wirtschaft in die Konflikte zu erkennen. Keiner von uns kann sich herausreden, gar nichts damit zu tun zu haben. Vielleicht gerade, weil wir gar nichts tun.

Ich glaube, das ist unsere größte Not: Wir wissen nicht mehr ganz genau, was richtig und was falsch ist. Ob sich aus allem heraushalten besser ist als aktiv einzugreifen. Was zum Verhindern von Gewalt taugt. Was wir hier bei uns tun können.

Eine große Gefahr ist, sich anstecken zu lassen von dem Hass, der die Konflikte befeuert. Ähnlich groß ist die Gefahr, abzustumpfen, zynisch zu werden, sich nur noch mit sich selbst zu beschäftigen.

„Aus großer Not schrei ich zu dir!“ Aus Empörung und Verwirrung, aus Angst und eigener Verstrickung. „Herr Gott erhör mein Rufen!“ Das Rufen nach mehr Klarheit und wirksamen Handlungsmöglichkeiten für uns. Das Rufen nach einem gerechten Frieden überall dort, wo Sünde und Unrecht Menschenleben zerstören.

 


Georg Rieger
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