Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Rechtfertigung mit Augenzwinkern nahe gebracht

Das Wochenlied zum 13. Sonntag nach Trinitatis: EG 343 - ''Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ''

Foto: Andras Kovacs/freeimages.com

Ein Impuls von Georg Rieger

Reformatorische Theologie ist ja durch die Bank relativ humorlos. Ganz besonders die Lehre von der Rechtfertigung der Glaubenden ist eine ernste und komplizierte Sache. Umso schöner ist, was Johann Agricola (eigentlich Schnitter), ein Freund Luthers aus Wittenberger Zeiten und späterer Hofprediger zu Berlin, da in EG 343 zusammengedichtet hat.

Ja, das Dichten hat dem Schnitter wohl schon einigen Spaß gemacht, denn er wählt ein Versmaß, das außergewöhnlich schwierig aber effektvoll ist und schon für sich genommen Laune macht.

Da hinein bastelt der humanistisch gebildete und seinerzeit noch junge Dozent Aussagen, Bilder und Fragen, die es theologisch in sich haben. Mit Wortwitz und sprachlich gewandt bringt er uns nahe, wie Gottes Gnade funktioniert – als Geschenk. Das Lied ist dabei als Gebet angelegt, wie ja schon der Anfang „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ …“ verrät.

Bereits im Fortgang  der ersten Strophe erfährt diese Ansprache eine Wendung. Der angebliche Klageruf (einleitender Satz) wird dann eher freundschaftlich locker und herausfordernd im Ton:

Den rechten Glauben, Herr,
ich mein, den wollest du mir geben,
dir zu leben
meim nächsten Nütz zu sein,
dein Wort zu halten eben.

Da ist ganz richtig erkannt und unversehens singend begriffen, dass es auf das Geschenk des Glaubens entscheidend ankommt und dass dieses am ehesten unverkrampft erbeten werden muss. Denn sonst wird der Glaube gleich selber wieder zur Leistung.

Und ist da nicht auch ein gutes Stück Prädestinationslehre impliziert, wenn es in der vierten Strophe heißt:

… du hast’s allein in Händen;                
und wem du’s gibst,
der hat’s umsonst,
es mag niemand erwerben
noch ererben
durch Werke deine Gunst,
die uns errett‘ vom Sterben.

Zwar ersetzt dieses Lied nicht die Lektüre tiefschürfender theologischer Abhandlungen und auch nicht die erklärende und weiterführende Predigt, doch ist es mit seiner Leichtigkeit ein erfrischender Begleiter der gottesdienstlichen Verkündigung – und vielleicht sogar auch ein Vorbild darin, dass mit einer gewissen Lockerheit manches Schwere leichter (verständlich) wird.

Georg Rieger, 14. September 2014

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