Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Klage über das Los der Opfer - zum internationalen Tag des Flüchtlings

Psalm 10 singen statt EG 345 (15. Sonntag nach Trinitatis)

Halfar-refugee-camp-hangar; Foto: CC BY-SA 3.0 / Myriam Thyes

''In der reformierten Tradition ist man glücklicherweise nicht an Wochenlieder gebunden.'' - Sylvia Bukowski

Am 26.9. ist der internationale Tag des Flüchtlings. Die meisten Leute wissen das wahrscheinlich nicht oder kümmern sich nicht um die endlose Reihe von Tagen mit irgendwelchen Bestimmungen. Und selbst wenn dieser Tag zur Kenntnis genommen wird: Reicht denn ein einzelner Tag des Gedenkens angesichts des weltweit wachsenden Flüchtlingselends? Müssten wir uns nicht alle Tage damit beschäftigen?

Ich lese den Text des Wochenliedes und frage mich: Woran soll ich denken, wenn da von „meiner Angst und Not“ (1) die Rede ist? Da muss ich schon sehr suchen, denn mir geht es, wie hoffentlich vielen anderen in der Gemeinde, nicht schlecht. Und ehrlicherweise kann ich nicht behaupten, dass „mich mein Sünd anficht“ (2). Noch weniger: „Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn“ (3). Mir sträubt sich Vieles gegen dieses Lied.

Natürlich weiß ich, dass Authentizität nicht das höchste Kriterium ist im Blick auf die tradierten Gesangbuchlieder. Und manchmal gelingt es mir, beim Singen an die zu denken, die solche frommen Sätze tatsächlich nachsprechen konnten und noch können, also „fürbittend“ zu singen. Aber weder bei diesem, noch bei dem alternativ vorgeschlagenen Wochenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ ist mir das in Gedanken an die dramatische Lage unzähliger Flüchtlinge möglich, auch wenn vielleicht unter ihnen eine solche Gottergebenheit verbreitet ist.
In der reformierten Tradition ist man glücklicherweise nicht an Wochenlieder gebunden. Da gibt es den Schatz des vollständig abgedruckten Psalters, in dem auch die Empörung über die Macht der Gewalttäter und die Klage über das Los der Opfer zum Ausdruck kommt, und Gott gedrängt wird, endlich einzugreifen! Ich würde am Sonntag gern Ps 10 singen!

Sylvia Bukowski, 26. September 2014

 

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