Gewalt mit Gewalt bekämpfen kann keine Lösung sein

Friedensbeauftragter Brahms zur Ökumenischen FriedensDekade

Die Ökumenische Friedensdekade bietet nach Ansicht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, eine gute Gelegenheit, sich als Christen angesichts der vielfältigen Krisen und Konflikte in der Welt zu Wort zu melden und deutlich Stellung zu beziehen.

„Befreit zum Widerstehen ist ein ermutigendes Motto, dass zeigt, dass Christen immer wieder gefordert sind, ihre Stimme zu erheben und auch zu widersprechen, wo es Not tut“, so Renke Brahms, der auch der leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche ist. 2014 sei ein Jahr des Gedenkens und des Erinnerns, betonte der EKDFriedensbeauftragte.

„Vor 25 Jahren zeigten die Menschen in der DDR, darunter auch viele Christen, in einer friedlichen Revolution, dass Widerstehen erfolgreich sein kann“, macht Brahms deutlich. So seien Mauern gefallen und Blöcke zerbrochen, und der Kalte Krieg habe sein Ende gefunden. „Nicht mit Waffen und Gewalt, sondern mit Gebeten und Kerzen“, so der Theologe. Dies könne Beispiel für viele Konflikte sein.

Daneben werde in diesem Jahr an den Beginn zweier Weltkriege erinnert, die beispielloses Leid in die Welt gebracht hätten, sagte Renke Brahms. „Der Weltenbrand, der vor 100 Jahren begann, hat tiefe Spuren hinterlassen. Und der Zweite Weltkrieg, der von deutschem Boden aus vor 75 Jahren ausging, brachte Zerstörung und Grausamkeiten. Beide Kriege sind bleibende Mahnung an uns, nachdrücklich für den Frieden in der Welt einzutreten“, betont der EKD-Friedensbeauftragte.

Dies gelte gerade angesichts der aktuellen Konflikte im Nahen Osten, in Osteuropa oder in Afrika. Brahms: „Die Hoffnungen vor 25 Jahren auf eine friedliche Welt, als die Mauer fiel, sind längst der Ernüchterung gewichen. Kriege und Gewalt bestimmen wieder das Bild. Da dürfen wir Christen nicht schweigen, sondern müssen laut und deutlich unsere Stimme erheben.“

Der EKD-Friedensbeauftragte warnte davor, sich angesichts der schrecklichen Bilder aus Syrien und dem Irak, angesichts der nach wie vor herrschenden Kriegsgefahr in der östlichen Ukraine oder angesichts anderer Konflikte in der Welt nur von einer militärischen Logik treiben und leiten zu lassen. „Militärische Gewalt schafft keinen Frieden und löst keine Probleme, sondern schafft nur neue Konflikte“, ist Renke Brahms überzeugt. Vielmehr sei es wichtig, die zivilen und gewaltfreien Instrumente einer Konfliktbearbeitung nicht aus den Augen zu verlieren und sie zu fördern.

„Die Bilder aus dem Nahen Osten, die unbeschreibliche Gewalt der ISTerroristen und das Leid der Zivilbevölkerung machen ohnmächtig und sprachlos, ja auch wütend“, so Renke Brahms. Dennoch ist er überzeugt, dass Militärschläge oder Waffenlieferungen nicht die einzige Lösung sein könnten. „Es fehlt ein Mandat der Vereinten Nationen, es fehlt eine Strategie, es fehlt aber auch eine Zielkonzeption“, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Luftschläge oder die Ausweitung der Gewalt durch Waffenlieferungen an Konfliktparteien hätten seiner Einschätzung nach bisher nicht zu Lösungen geführt, sondern vielmehr nur das Konfliktpotenzial noch weiter verstärkt. „Auch hier müssen wir als Christen widerstehen, wenn der vermeintlich alternativlose Ruf nach militärischen Lösungen aufkommt“, macht Renke Brahms deutlich, und er betont: „Gewalt mit Gewalt bekämpfen kann jedenfalls nicht die Lösung solcher Konflikte sein.“ Wichtig sei aber auch eine wirksame Flüchtlingshilfe für die Zivilbevölkerung aus diesen Regionen.

Er wisse, dass es derzeit nicht einfach sei, sich für eine friedliche Konfliktlösung im Nahen Osten einzusetzen. „Es ist schade, aber auch bedenklich, dass diejenigen, die trotz aller unsäglichen Gewalt weiterhin auf eine friedliche Lösung setzen, belächelt oder sogar beschimpft werden“, bedauert Renke Brahms. Aber das Eintreten für Gewaltlosigkeit sei nicht naiv, sondern sei deutlicher Ausdruck der Friedensbotschaft Jesu Christi. „Befreit zum Widerstehen, dies ist auch eine Glaubensfrage für uns Christen. Und wir sollten dort widerstehen, wo Widerstand nötig ist: gegen Ungerechtigkeit, gegen Gewalt und gegen die Gefährdung der Schöpfung“, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Pressemitteilung der Ökumenischen Friedensdekade, 3. November 2014

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