Wie redet man als Christ?

Beckers Neuland. Irgendwas mit Medien - Bernd Becker

Screenshot des Videos mit freundlicher Genehmigung von Blimey Cow

Meistens kann ich mich nicht erinnern, wie ich auf dieses oder jenes im Internet gestoßen bin. Nicht zu Unrecht bezeichnet man darum das Herumirren im weltweiten Web wohl als surfen.

Nur noch selten steuere ich bestimmte Homepages gezielt an. Meist stoße ich über soziale Netzwerke oder Suchmaschinen auf bestimmte digitale Inhalte. Manchmal zeigt mir jemand auch ein Bild oder ein Video - oder erzählt davon. Im richtigen Leben. Auch das kommt vor.

Wie ich auf „Blimey Cow“ gestoßen bin, weiß ich auch nicht mehr. Unter diesem Namen veröffentlichen die Brüder Jordan und Josh Taylor aus den USA seit etwa zehn Jahren humorvolle Internet-Videos. In der Show „Messy Mondays“ (Chaotische Montage) nehmen sie dabei auch kirchliche Themen auf die Schippe. Das erste Video aus dieser Reihe, auf das ich gestoßen bin, trägt den Titel: „Wie man in fünf Minuten oder kürzer einen Worship-Song schreibt“. Sehr amüsant. Ich kann mir das auf YouTube immer wieder ansehen. Im Fokus der Taylor-Brüder aus Tennessee stehen dabei insbesondere die Eigenarten konservativer Kirchen - was den beiden, die sich selbst als Christen bezeichnen, regelmäßig Kritik einbringt.

Vor einem Jahr veröffentlichten sie das knapp fünfminütige Video „Wie redet man als Christ?“, das bereits 500.000 mal angeklickt wurde. Nach seiner Bekehrung müsse man natürlich auf die Sprache achten, so heißt es darin augenzwinkernd.

Und damit seien nicht nur Kraftausdrücke gemeint. Im Grunde sei es so, meint Jordan Taylor, man würde das gleiche sagen wie vorher - bloß anders ausgedrückt.

Schließlich können man nicht nicht mehr sagen, der Gottesdienst sei zu ausufernd oder langweilig gewesen. Das hieße jetzt: „Der Geist war wirklich bewegend heute morgen.“ Auch offensichtliches Lästern stünde Christen nicht gut an. Dies wären nun schlicht Gebetsanliegen: „Wir sollten für John beten, der spricht hinter deren Rücken über andere Leute.“

Praktisch, so Taylor, sei es als Christ, wenn man etwas nicht tun wolle. Dann kann man zumindest sagen: „Ich werde dafür beten.“ Spielt jemand hervorragend sein Instrument, ist er nicht einfach gut, sondern ist „von Gott befähigt“. Und wenn man das Verhalten eines anderen nicht gut heißen kann, formuliert man eben: „Das ist eine Sache zwischen Dir und Gott.“

Bei Betrachten des Videos drängen sich Parallelen zur Sprache Kanaans auf, die hierzulande gern auf die Schippe genommen wird. Was ich mich frage: Gibt es auch einen besonderen Jargon in reformierten Kirchen und Gemeinden? Dann freue ich mich über weitere Anregungen. Ich werde sie sammeln, schützen und erhalten.

Der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=vFAax4qjTzY

Bernd Becker, 1. Juli 2015

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