Angst vor dem Fremden überwinden

UCC-Forum der Evangelischen Kirche von Westfalen tagte in Haus Villigst

Von links: Professor Traugott Jähnichen, Pfarrer Richard Mangnall, Christa Kronshage und Dr. Ulrich Möller. Foto: EKvW

WESTFALEN - Bei der Überwindung von Fremdenangst in der Gesellschaft spielt die evangelische Kirche eine wichtige Rolle. Das hat Dr. Traugott Jähnichen am Freitag (11.9.) in Schwerte unterstrichen. Die Angst vor dem Fremden lasse sich überwinden, wenn sie nicht verdrängt oder kleingeredet, sondern wahrgenommen und mit Fakten konfrontiert werde.

Viele Menschen fühlten sich von einem sozialen Abstieg bedroht. Daher kommt nach Überzeugung des Theologen vielfach eine diffuse Angst vor dem Andersartigen. Der Zustrom von Flüchtlingen bedeute mit Blick auf dringend gebrauchte Arbeitskräfte in einer älter werdenden Gesellschaft aber  »eine große sozialökonomische Chance«.

»Über die Ablehnung der Todesstrafe kann nicht verhandelt werden.«

Als klare Voraussetzung des Zusammenlebens nannte Jähnichen die Anerkennung des Grundgesetzes. »Über die Ablehnung der Todesstrafe, über die Gleichberechtigung aller Menschen oder die Meinungs- und Religionsfreiheit kann nicht verhandelt werden.« Auf dieser Grundlage müsse man sich dann über die Regeln der sozialen Ordnung einigen. Die evangelische Kirche trete ein für einen stärkeren sozialen Zusammenhalt.

Jähnichen ist an der Ruhr-Universität Bochum Professor für Christliche Gesellschaftslehre und außerdem Mitglied der westfälischen Kirchenleitung. Er beschrieb die biblischen Grundlagen des Engagements für Zuwanderer: »Die Bibel ist zutiefst geprägt von dem Wissen darum, dass Fremde in besonderer Weise gefährdet sind und daher des Schutzes bedürfen.“ Jähnichen forderte die Anerkennung des anderen als „gesellschaftliches Leitbild« im Sinne einer Haltung des Respekts und der Achtung auch in seinem Fremdsein.

Den Anderen in seinem Anderssein akzeptieren

Das sei mehr als Toleranz: Der andere werde nicht bloß geduldet oder hingenommen, sondern gerade auch in seinem Anders- und Fremdsein akzeptiert, auch in seinen Sitten und seiner Religion. Denn nach jüdisch-christlicher Überzeugung „ist der Fremde letztlich wie ich selbst, ist ein Teil dessen, was auch meine Menschlichkeit ausmacht“. Von daher sei jede Fremdheit nur vorläufig und relativ.

Die Angst vor Fremdem war Thema des UCC-Forums, zu dem die Evangelische Kirche von Westfalen in das Haus Villigst in Schwerte eingeladen hatte. Der Rahmen der deutsch-amerikanischen Begegnungstagung ist die Kirchengemeinschaft zwischen Westfalen und der United Church of Christ (UCC).

»Nach wie vor sind wir misstrauisch«

Pfarrer Richard Mangnall aus Dyer/Indianapolis beschrieb die Ängste vor dem Islam, die seit den Terrorangriffen des 11. September 2001 die US-amerikanische Gesellschaft zutiefst prägten. »Nach wie vor sind wir misstrauisch, wenn wir Menschen begegnen, die Arabisch sprechen, vor allem, wenn sie ein Kopftuch tragen.«

Auch gegen Einwanderer aus Lateinamerika richte sich eine pauschale Abwehrhaltung nach dem Muster: »Ich finde keine Arbeit – ich höre, wie ein Beschäftigter Spanisch spricht – er hat mir meinen Arbeitsplatz weggenommen - Latinos sind für meine Arbeitslosigkeit verantwortlich – wir müssen sie daran hindern, in unser Land zu kommen.«

Wenn das Unvertraute vertraut wird

Solche Angst lasse sich abbauen, wenn sie das Gegenüber einer konkreten Person erfahre. »Wenn das Unvertraute vertraut wird, löst sich die Angst vor dem Fremden auf.« Mehr noch: Wenn die Unterschiede bekannt und geachtet würden, »werden sie zur Quelle einer neuen gemeinsamen Stärke, die das zuvor für unmöglich Gehaltene möglich macht«.

Pressemeldung der EKvW, 14. September 2015

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