Ist Gott ein DJ?

Beckers Neuland. Irgendwas mit Medien - Bernd Becker

Foto: Fabricio Scaff / freeimages.com

… dass kein Haar von meinem Haupt kann fallen.

Der junge Mann landet am helllichten Tag mitten in einer Kleinstadt. Wie aus dem Nichts fällt er auf das Pflaster, rappelt sich auf und geht mit seinem schweren Metallkoffer los. Nur einen Moment später passiert das Unglück: Ein Fahrradfahrer landet auf der Motorhaube eines heranfahrenden Autos und verunglückt schwer.
Der Mann packt seinen Koffer aus. Darin befindet sich das Equipment eines Diskjockeys. Er baut alles auf, schaltet es ein - und verändert damit die Geschichte. Durch das Zurückdrehen des Plattentellers wird auch der Unfall rückgängig gemacht und der Radfahrer tritt wieder - unversehrt - in die Pedale.
Der junge Mann packt alles wieder zusammen und will gehen, da nimmt das nächste Unglück seinen Lauf. Diesmal erwischt das Auto einen Rollstuhlfahrer. Erneut dreht der Unbekannte mithilfe seiner Technik die Zeit zurück. Doch dann taucht ein Drogendealer auf, zudem droht eine Schlägerei, und einem kleinen Mädchen fällt die Lieblingspuppe runter und zerbricht. Hektisch versucht der Mann all diese Ereignisse zu beeinflussen und zurecht zu rücken. Doch er kommt kaum nach.

Es lohnt sich unbedingt, das siebenminütige Video mit seinen überraschenden Wendungen bis zum Ende anzuschauen. Der Titel des Videos bei Youtube („God is a DJ“) legt nahe, dass der Mann mit den Schallplatten Gott symbolisieren soll. Und er steht damit für einen Gott, der ganz konkret in die Geschicke der Menschen eingreift. Manche stellen sich Gott genau so vor oder wünschen ihn sich zumindest so: Dass er nämlich das Unglück und Elend der Menschen sieht, dass er handelt und alles zum Guten wendet. Für andere wiederum wäre das mit ihrem Gottesbild nicht vereinbar. Für sie mag es einen Gott geben - aber dass er so handfest hilft, das können sie nicht glauben.

Der Philosoph Hans Jonas spricht in seiner Schrift "Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ davon, dass Gott auf seine Allmacht verzichtet habe. Die Welt sei zwar aus Liebe erschaffen worden, aber Gott sei seit dieser Schöpfung nicht mehr allmächtig und greife nicht mehr in das irdische Geschehen ein. Im Heidelberger Katechismus von 1563 klingt das anders, wenn es in Frage 1 heißt: „Jesus Christus bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.“ Und der Theologe Dietrich Bonhoeffer formulierte in seinem persönlichen Glaubensbekenntnis 1943 Folgendes: „Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Hat Gott sich also aus dieser Welt zurück gezogen oder greift er ein, erhört Gebete und hilft im Alltag? Das kleine Video mit dem großen Unbekannten gibt einen wunderbaren Anstoß, um sich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Hier der Youtube-Link:
https://www.youtube.com/watch?v=F7XGIKUY7Fg

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