Zum Buß- und Bettag

Gebet und Ruf zum Gebet

Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher, Leer

Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat für den Buß- und Bettag zu Gebeten für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde aufgerufen. „Gebet und Fürbitte sind der erste Beitrag, den wir als Christen geben können“, schreibt Heimbucher in einem Brief an alle evangelisch-reformierten Kirchengemeinden. Im Gebet wurzele die Kraft, zu widerstehen und zu handeln, wie es recht und notwendig sei.

In dem Brief bezeichnet Heimbucher die Terroranschläge von Paris nicht nur als einen Angriff auf die europäische Kultur und Lebensart, sondern auch auf die Menschlichkeit. Danach sei der Wunsch nach Vergeltung für die Mörder und ihre Hintermänner verständlich. Wut und Ängste seien aber schlechte Ratgeber. Heimbucher sagte, die Bibel lehre, dass das Böse nicht nur bei den anderen, sondern auch in einem selbst keime: „Bei dem Versuch das Böse 'auszuradieren', stacheln wir unvermeidlich Böses an.“ Die vergeblichen Anläufe im Irak oder in Afghanistan, Terrorismus mit militärischen Mitteln zu besiegen, hätten keinen Frieden geschaffen. Dagegen seien Hass und Krieg aufgelodert.

Der Islamismus sei eine Herausforderung für die Demokratie, sagte der Kirchenpräsident. Es müsse gefragt werden, wie es dazu kommen konnte, dass „junge Männer und Frauen, die in Mitteleuropa aufgewachsen sind, die unser Fürsorgesystem, unsere Schulen, vielleicht auch unseren Konfirmandenunterricht, viele leider auch unsere Gefängnisse durchlaufen haben, am Ende zu skrupellosen Mördern werden“.

„Die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes ist eine der Grundlagen der westlichen Zivilisation“, so der Kirchenpräsident. Bemerkbar sei dies auch am unübersehbaren „Willkommen!“, das die Flüchtlinge empfange. Aber auch für Muslime sei das Bekenntnis zum barmherzigen Gott  das A und O des Glaubens. Diese Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes müsse gerade in Tagen weiter gegeben werden.
 

 

Du Gott des Lebens und des Friedens,
Entsetzen füllt unser Herz.
In unserem Erschrecken wenden wir uns an Dich.
Bilder der Gewalt und des Terrors gehen uns nach.
Wieder wurden barbarische Anschläge auf unbeteiligte Menschen verübt - in Paris und in Beirut.

Gott, höre unsere Klage,
und sieh auf das Leid unserer Mitmensche
in Frankreich, im Libanon - auch in Syrien, im Irak, und in der Türkei.

Gott, verbirg Dich nicht
und komm mit Deiner Hilfe zu allen Menschen,
denen der Boden unter den Füßen wegbrach. 

Gott, sieh auf unsere Trauer
und schweige nicht zu diesem Morden. 
Nimm unter Deinen Schutz die, 
die wir nicht schützen konnten: 
die Jungen, die in ihrer Lebenslust sangen und tanzten, 
die Paare, die sich zur Geselligkeit trafen, 
die Menschen, die zufällig auf der Straße waren.

Gott, schenke uns Kraft
für die kommenden Aufgaben, 
behüte die Verletzten, 
richte die Davongekommenen auf, 
umhülle die unter Schock Stehenden, 
bedecke die Trauernden. 
Lass uns nicht an der Gewalt verzweifeln.
Wehre der Versuchung, schnell die üblichen Schuldigen zu finden.
Gib uns die notwendige Besonnenheit.
Lass nicht zu, dass dumpfe Parolen Profit schlagen aus der Angst.
Komm mit Deinem Trost und mit Deinem Leben. 

Du Gott des Lebens und des Friedens,
im Namen Jesu Christi bitten wir Dich: 
Breite Deinen Frieden aus über alle Länder.
Bleibe in unserer Mitte. 
Amen.


17. November 2015, Ulf Preuß, Pressesprecher
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