Healing of Memories: Heilung mit Gottes Hilfe möglich

Father Michael Lapsley zu Gast in der reformierten Gemeinde Lage

Christina Hilkemeier, Pfarrerin der ev.-ref. Kirchengemeinde Lage, und Kornelia Schauf, Landespfarrerin für Ökumene und Mission, begrüßten Father Michael Lapsley und Verlegerin Barbara Budrich (von links).

Lage. „Die Heilung traumatischer Erfahrungen ist möglich, wenn man die Erinnerungen nicht verdrängt, sondern sie bearbeitet.“ Für den anglikanischen Pater Michael Lapsley ist die Auseinandersetzung mit erlittenem Unrecht unabdingbar, wenn man nicht zum „Gefangenen seiner eigenen Erinnerungen“ werden will. Der frühere Anti-Apartheids-Aktivist Michael Lapsley sprach im Rahmen der ökumenischen Friedenstage im Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Martin-Luther-Kirche in Lage.

Lapsley berichtete aus seinem Leben und stellte seine Biographie vor: „Mit den Narben der Apartheid - Vom Kampf für die Freiheit zum Heilen traumatischer Erinnerungen“.

Michael Lapsley ist gebürtiger Neuseeländer. Nach seiner Priesterausbildung in Australien wurde er von seinem Orden 1973 als Missionar in das südafrikanische Durban versetzt. 1976 wurde er des Landes verwiesen. Im Exil in Simbabwe wurde er 1990 schwer verletzt durch einen Briefbombenanschlag, bei dem er beide Unterarme und die Sehkraft auf einem Auge verlor. Nach seiner Genesung kehrte er nach Südafrika zurück. Aufbauend auf seinen persönlichen Erfahrungen während des körperlichen wie psychischen Heilungsprozesses nach dem Attentat gründete Lapsley in Kapstadt das „Institut zur Heilung von Erinnerungen“. In diesem geschützten Raum können Menschen in einer Atmosphäre des intensiven Zuhörens und der gegenseitigen Achtung über sich berichten. Father Michael Lapsley in Lage: „Wenn Schmerz und Leid offen angesprochen werden, fühlen sich die Menschen anerkannt und gestärkt für ihren Weg zur Heilung.“

Mit ihm, dessen Verletzungen so sichtbar seien, würden die Menschen sprechen, deren seelische Erschütterungen, von außen betrachtet, unsichtbar seien. In seinen Erinnerungsheilung-Workshops in Südafrika und vielen anderen Ländern, in denen Krieg und Unterdrückung menschliches Leid verursacht haben, habe er stets ähnliche Erfahrungen gesammelt: Die Opfer von Unrecht und Konflikten trügen Hass, Bitterkeit und den Wunsch nach Rache in sich. Diese Gefühle seien zwar verständlich, so Father Lapsley, doch könnten sie die Menschen, die Unrecht erlitten hätten, letztlich vollends zerstören: „Wenn die Opfer ihre Erinnerungen nicht heilen, geben sie diese an die nächste Generation weiter.“

In dieser Hinsicht ähnelten sich Deutschland und Südafrika, in deren jüngerer, leidvoller Geschichte es Opfer, Täter und solche Menschen gegeben habe, die durch Wegschauen etwas zugelassen hätten. Unheilvolle Erinnerungen beträfen einzelne Menschen, größere Gruppen und ganze Nationen. Deutschland und Südafrika sei es gemeinsam, dass sie mit ihrer in Teilen „furchtbaren Vergangenheit“ ringen würden. In beiden Ländern ähnele sich der Umgang mit Schuld und Scham, aber beide Staaten würden sich ernsthaft mit ihrer Vergangenheit beschäftigen und sie nicht verdrängen. Sein Buch „Mit den Narben der Apartheid“ verstehe er als Beschreibung sowohl seiner individuellen als auch einer über das Einzelschicksal hinausweisenden Heilungsgeschichte, sagte Father Michael Lapsley: „Heilung ist harte Arbeit, aber mit Gottes Hilfe ist sie möglich.“

 


Pressemeldungen der LL, 24. November 2015, verantwortlich: Birgit Brokmeier
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