Essen und Fasten

Regeln in Judentum, Christentum und Islam

v.l.: Sabine Hartmann, Imam Abdelkarim Elbazi, Peter Benyamin Wendt, Dr. Katharina Kleine Vennekate.

Detmold. „Essen und Fasten - ein religiöses Thema?!“ Im Haus Münsterberg befasste sich jetzt ein erster Abend in der Veranstaltungsreihe des Bildungsreferats der Lippischen Landeskirche, der Evangelischen Studierendengemeinde Detmold/Lemgo und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V. mit dieser Frage.

Abdelkarim Elbazi, Imam in Bielefeld, Peter Benyamin Wendt von der Jüdischen Kultusgemeinde in Hameln und Sabine Hartmann, Referentin für ökumenisches Lernen der Lippischen Landeskirche, sprachen unter der Moderation von Pfarrerin Dr. Katharina Kleine Vennekate über „Halal, Koscher oder fair gehandelter Kaffee?“

Speise- und Fastenvorschriften reichen von strengsten Vorschriften im orthodoxen jüdischen Glauben über die des Islam, die das Fasten als eine der fünf Säulen des Islam in den Vordergrund stellen, bis hin zum Christentum, in dem es „strenge Speisevorschriften nicht mehr gibt“, wie Sabine Hartmann feststellte. Der Schwerpunkt liege hier, auch mit Blick auf die „teils schwierige Missionstradition und dem sich daraus entwickelten ganzheitlich ökumenischen Verständnis“ auf den ethischen Aspekten der Lebensmittelproduktion, Stichwort 'Fairtrade‘.

Die Referenten stellten übereinstimmend fest, dass man Essens- und Fastenvorschriften hinterfragen muss, wenn das Umfeld, die Gesellschaft in der man lebt, sich geändert hat. Vieles andere sei mehr Tradition als religiöse Regel, so Imam Abdelkarim Elbazi.

Wer 5000 Jahre alte Speisevorschriften so konsequent umsetze wie die orthodoxen Juden, für den sei es „fast unmöglich, mit anderen Menschen zusammenzukommen“, meinte Wendt und kommentierte: „Ich bin überzeugt: Gott denkt nicht so kleinkariert“. In unserer säkularen Lebenswirklichkeit sei Religion etwas „sehr Privates, das nicht die Gesellschaft beeinflussen darf“, so Peter Benyamin Wendt. 

Imam Abdelkarim Elbazi definierte Religion als „Privatsache, als Beziehung zwischen Mensch und Gott“. Das gemeinsame ethische Bewusstsein stellte Sabine Hartmann als Bindeglied in den Mittelpunkt. Christen müssten sich klarmachen, was ihr Konsum für Folgen habe und unter welchen Bedingungen Lebensmittelproduktion stattfinde.

Pressemeldungen der LL, 8. Februar 2016, verantwortlich: Birgit Brokmeier

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