Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Was ist an Psalmen reformiert?

Eine Antwort von Alfred Rauhaus

Die Orgel der evang.-ref. Kirche in Westerhusen

„Kurz gesagt: dass man sie in Reime gefasst hat und singt. Der Reformator Johannes Calvin hat die Idee, den Psalter in dieser Weise umzusetzen, im 16. Jahrhundert aus Straßburg mitgebracht und damit dem Psalmsingen zur Geltung verholfen."

Auf die Frage der Zeitschrift "reformiert", was an Psalmen reformiert sei, antwortet Dr. Alfred Rauhaus:

„Kurz gesagt: dass man sie in Reime gefasst hat und singt. Der Reformator Johannes Calvin hat die Idee, den Psalter in dieser Weise umzusetzen, im 16. Jahrhundert aus Straßburg mitgebracht und damit dem Psalmsingen zur Geltung verholfen. In der Folge gab es immer wieder Neubereimungen. Im 19. Jahrhundert etwa hat der Coetus ein ganzes Gesangbuch mit Psalmen herausgegeben. Neubereimungen sind aber auch in unserer Zeit immer wieder unternommen worden. Das war ein schwieriges Unternehmen. Melodie und Reimschema liegen ja fest, und man muss Reim und Inhalt in Abstimmung bringen, zudem den Text so komprimieren, dass die Gemeinde nicht endlose Strophen singen muss.

Schwierigkeiten entstehen auch, weil man zudem Wort und Melodie in ihrem Ausdruckswert in Übereinstimmung bringen muss. So werden „tiefe“ Vokale auch mit tiefen Tönen ausgestattet und umgekehrt „hohe“ Vokale mit hohen Tönen. Viele Melodien sind auch auf französische Texte komponiert, da müssen die Übersetzungen ins Deutsche sehr sensibel angepasst werden. All das und noch einiges mehr muss wohl bedacht werden, wenn ein Psalm neu bereimt wird.

Übrigens ist die Orgel der kleinen Kirche von Westerhusen bei Hinte die erste Orgel, die speziell zur Begleitung des Psalmengesangs gebaut wurde. Vorher gab es keine, denn da wurde a capella gesungen.“

Für den Psalter des Gesangbuchs der Evangelisch-reformierten Kirche hat Dr. Alfred Rauhaus selbst einige Psalmen bereimt.

Chormusik zum Genfer Psalter

Die Berliner Domkantorei hat unter ihrem Leiter Herbert Hildebrandt eine Doppel-CD „Chormusik zum Genfer Psalter“ aufgenommen. Diese CD stellt einen Überblick über das wichtigste Liedgut der Evangelisch-reformierten Kirche dar, die neu gedichteten und vertonten Psalmen. Insgesamt sind 94 Chorsätze zu 44 Psalmen von 31 Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts aufgenommen.
Die CD wird über den Kunstdienst im Berliner Dom verkauft: Tel.: 030 – 20269 – 114.

Quelle (bearb.): reformiert 4/2005


Barbara Schenck
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