Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Das Evangelium - die sprudelnde Quelle diakonischen Lebens

Gedanken zur Diakonie der Kirche – auf den Seiten des Diakonischen Werks der Evangelisch-reformierten Kirche

Das Diakonische Werk der Evangelisch-reformierten Kirche schreibt wie folgt über die Diakonie:

"Wer sich mit der Diakonie seiner Kirche in Geschichte und Gegenwart beschäftigt, der wird staunen, welch eine Fülle, Vielfalt und Weite an diakonischem Wesen und Leben sich ihm eröffnet. Dieses Staunen wird noch größer, wenn deutlich wird, dass der Eindruck der Fülle, Vielfalt und Weite sich schon aufdrängt aufgrund einer durchaus lückenhaften Kenntnis eines kleinen Teils dessen, das im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist und heute noch geschieht. Nicht aufgrund von Satzungen und Vorschriften, sondern als Frucht der Verkündigung und eines Lebens, das die Verheißungen der Bibel gehört und bedacht hat und von daher tätig geworden ist und tätig wird und tut, was angesichts der Not und Unvollkommenheit getan werden muss und dabei immer doch auch teilhat an aller Unvollkommenheit und Vorläufigkeit unseres Lebens. Die Botschaft der Bibel, das Evangelium, erweist sich als eine sprudelnde Quelle der Kraft, des Mutes, der Freude und der Lust eines diakonischen Lebens.

Dem staunenden Betrachter dieses diakonischen Wesens und Lebens in seiner ganzen Fülle, Vielfalt und Weite drängt sich die Erinnerung an die Verheißungen des Alten Testaments auf, die nicht nur von einem neuen Himmel sprechen, sondern auch von einer neuen Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt, wo die Tränen getrocknet werden, die Not ein Ende hat, die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet worden sind, so dass man miteinander leben kann, in einer heilenden Gemeinschaft sich des Lebens freuen kann und füreinander da ist.

So wie es im Neuen Testament dann in der Urgemeinde in Jerusalem geschehen ist, so dass von den Mitgliedern der Gemeinde gesagt werden konnte: "... sie hielten alle Dinge gemeinsam." Man kann nur mit Ehrfurcht und Sehnsucht an diese Gemeinschaft denken und Verlangen danach haben. Und hat doch vor Augen, dass christliche Gemeinden in unserer Zeit diesen Lebensstil nicht einfach übernehmen und kopieren können.

Auch damals hat er sich schon bald als nicht haltbar herausgestellt. Die anderen Gemeinden, von Paulus gegründet, müssen in ganz Kleinasien für "die Heiligen in Jerusalem" Geld sammeln, um sie nicht verderben zu lassen. Und auch Franz von Assisi und seine Minderbrüder (Bettelmönche), die sich der Armut und Besitzlosigkeit verschrieben hatten, um wie Jesus zu leben, können nur überleben, weil "der Herr Jesus sie versorgt", d.h. weil andere tatkräftig werden und sie mit dem Nötigsten versorgen.

Insgesamt vermag die Erinnerung an die Verheißungen des Alten Testaments zusammen mit den Erinnerungen an das Miteinander in der Jerusalemer Urgemeinde sowie an Franz von Assisi und seine Minderbrüder die Vision zu erwecken von einer Gesellschaft, einem Miteinander von Menschen, in der ein jeder das Wohlergehen der anderen sich angelegen sein lässt. Der Egoismus ist überwunden und vergessen. An seine Stelle ist die Freude getreten an einem Leben in der Dankbarkeit und Zuversicht, in der dann auch der andere seine wohlwollende Aufmerksamkeit findet, in der er nicht zu kurz kommt, in der er Liebe und Barmherzigkeit erfährt.

Der Anfang in Jerusalem - eine Erfüllung voller Verheißungen

So verstanden ist das Leben in der Jerusalemer Urgemeinde und die Fürsorge der kleinasiatischen Christengemeinden für die "Heiligen in Jerusalem" als Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen gleichsam die Initialzündung, fast möchte man sagen: der "Urknall" der Nächstenliebe und der Verantwortung füreinander. Es ist ein Beginn gesetzt, der über die Verkündigung der christlichen Botschaft, über die Kirche, über die Diakonie in der ganzen Menschheit wirksam wird, immer wieder aufs Neue. Die immer neue Not wird auch immer wieder in ihre Schranken verwiesen. "Größer als der Helfer ist die Not ja nicht ..." (Aus dem Lied: "Harre meine Seele ..."): Die Not mag groß sein, groß sind auch die Liebe, die Barmherzigkeit und die Verantwortung füreinander.

Die Geschichte der Kirche ist von Anfang an voller verheißungsvoller Erfüllungen dessen, wie sehr gerade die Not immer wieder die Barmherzigkeit weckt. Hier sei nur erinnert an die Worte des Quintus Septimius Florens Tertullian. Er lebte von 150 bis 225 nach Christi Geburt in Rom und war dort als Rechtsanwalt tätig. Im Jahre 195 wurde er Christ und trat als Schriftsteller für die damals im ganzen römischen Imperium entstehende christliche Kirche ein. Von ihm ist bekannt, dass er die Worte überliefert hat, mit denen man damals bewundernd und staunend von den Christen sprach und die Lust machten, doch auch einer von ihnen zu sein: "Seht, wie haben sie einander so lieb!" Liebe und Barmherzigkeit, Gnade also, zu erfahren und dann auch zu üben, das macht den Menschen erst zum Menschen.

Das machte die Christen auffällig. Das war neu und nicht zu übersehen. Das war voller Hoffnung und Zukunft und fand auch entsprechende Beachtung und Anerkennung. Selbst der Kaiser in Rom sah schließlich darin die Rettung für sein Reich, das in seinem Kern an Menschenmangel zugrunde zu gehen drohte. Man war bequem geworden, lebte dem Vergnügen, scheute die Mühe der Kindererziehung und wollte die Last der Familie nicht mehr tragen. Die Christen boten ein anderes Bild: Man hatte einander lieb, gerade auch die Schwächsten, die Kinder, und förderte das Leben. Der Kaiser wollte dieses Verhalten der Christen für sein Imperium nutzen und es so retten.

Es hat ihm und seinem Imperium nicht mehr geholfen. Aber die Christenheit eröffnete den Menschen Zukunft und Leben. Die Zahl der Christen wuchs und wuchs. Der christliche Glaube gab den Menschen Würde und Ziel und nahm ihnen ihre Hoffnungslosigkeit. Die Hoffnung war so stark, dass man auch die Verstorbenen nicht verloren gab, sondern ihre Würde wahrte und sie mit einem christlichen Begräbnis aufbewahrte zum ewigen Leben.

Nicht ohne Grund ist den sechs Werken der christlichen Barmherzigkeit als siebente Barmherzigkeit hinzugefügt worden: Tote bestatten. Die Friedhöfe der Christen sind so verstanden Einrichtungen der Diakonie von Anfang an, die deutlich machen, dass die Barmherzigkeit auch vor dem Tode nicht aufgibt, sondern auch da noch das Leben zum Ziel hat, wie Gott allein es geben kann. Welche Kraft ist doch dieser Barmherzigkeit eigen, dass sie selbst angesichts des Todes und seiner Unentrinnbarkeit und seinen Unabänderlichkeiten nicht verzagt!"

Quelle: Homepage der Evangelisch-reformierten Kirche

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