Der Kirchentag 2017 weist in die Zukunft

Mittwochs-Kolumne - Paul Oppenheim

Kirchenpräsident Heimbucher (ErK) und Landessuperintendent Arends (LL) tanzend im Gottesdienst...

Der Kirchentag 2017 sollte etwas Besonderes sein. Die EKD und der Deutsche Evangelische Kirchentag haben sich zusammengetan, um anlässlich der Feier des Reformationsjubiläums etwas Spektakuläres zu veranstalten. In vielerlei Hinsicht ist der Kirchentag hinter den Erwartungen zurückgeblieben, aber in einer Hinsicht war er zukunftsweisend.

Wäre da nicht Barak Obama gewesen, hätten die Medien diesen Kirchentag schlicht ignoriert. Das Plauderstündchen des beliebten Ex-Präsidenten mit der Bundeskanzlerin und dem Ratsvorsitzenden vor dem Brandenburger Tor war die Sensation eines an Höhepunkten armen Kirchentages.

Der Abschlussgottesdienst in Wittenberg wird nicht in die Geschichte eingehen. Da haben sich die Veranstalter, die von 300.000 Besuchern träumten, die Anziehungskraft der Lutherstadt schlicht überschätzt.

Auf dem Kirchentag selbst war von einem Jubel über die Reformation wenig zu spüren. Floskelhaft wurde daran erinnert, dass vor 500 Jahren etwas geschehen ist, aber die Begeisterung blieb aus. Wo sind die protestantische Reformfreudigkeit und Neugier geblieben? Wo gibt es theologische Aufbrüche und neue Stimmen?

Die deutsche Theologie verstummt allmählich. Die großen kirchlichen Lehrer und Lehrerinnen, zu deren Bibelarbeiten und Vorträgen die Massen strömten, die gehören der Vergangenheit an. Wären da nicht Fulbert Steffensky und Margot Käßmann, wüsste man kaum noch Namen zu nennen. Und dass es die Bibelarbeiten von Regierungsmitgliedern sind, die neuerdings die Messehallen füllen, ist eher peinlich als tröstlich.

Und dennoch passiert etwas auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, was ihn auch 2017 zum Vorboten macht. Er ist internationaler geworden und bunter, ökumenischer, mehrsprachiger und sogar multireligiöser.

Die Anzahl der englischsprachigen Veranstaltungen nimmt zu, immer mehr Stimmen aus Afrika und Asien sind zu hören. Die Reformierten feiern im Französischen Dom einen internationalen Gottesdienst in englischer Sprache. In vielen Veranstaltungen werden globale Themen diskutiert, wo es um Klimawandel, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit im Weltmaßstab geht. Im „Centre Reformation and Transformation“ schlägt das Herz dieses Kirchentages und auf dem Markt der Möglichkeiten ist die Weltkirche in ihrer ganzen großen Vielfalt versammelt.

Der Erzbischof von Canterbury spricht im Eröffnungsgottesdienst ein Grußwort und beim Abschlussgottesdienst predigt der Erzbischof von Kapstadt Thabo Makgoba. Das sind Zeichen, die uns Mut machen, uns als Teil einer internationalen Bewegung zu begreifen. Mit großer Selbstverständlichkeit gehört die Internationalität immer mehr zum Kirchentag und im Vorwort zum Kirchentags-Liederheft „frei Töne“ heißt es darum: „Wir haben großen Wert darauf gelegt, …viele mehrsprachige Lieder aus der internationalen Ökumene hineinzunehmen“.

Unser kirchliches Leben hat mit der heutigen gesellschaftlichen Realität  nicht viel zu tun, solange wir unter uns bleiben. Als Volkskirche müssen wir etwas von der kulturellen Vielfalt  wiederspiegeln, die unsere Gesellschaft inzwischen prägt. Um uns herum sind zahlreiche Gemeinden anderer Sprache entstanden, die zur selben Weltkirche gehören wie wir. Ein paar Tage lang hat uns der Kirchentag erleben lassen, dass wir zusammen Kirche sein können mit Menschen aus anderen Ländern, Kontinenten und Konfessionen, und dass Kirche in ihrem Wesen international, mehrsprachig und ökumenisch ist. In dieser Hinsicht war der Kirchentag 2017 zukunftsweisend.

Paul Oppenheim, Hannover, 14. Juni 2017

Videos aus dem internationalen reformierten Gottesdienst in der Friedrichstadtkirche, Berlin auf YouTube:

https://youtu.be/Video 1

https://youtu.be/Video 2

https://youtu.be/Video 3

https://youtu.be/Video 4


Paul Oppenheim, Hannover, 14. Juni 2017

Tanzende reformierte Kirchenleitende... Video

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