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Rekowski: Kirche muss die relevanten Fragen einer Gesellschaft stellen

Rheinischer Präses erstattet der Landessynode seinen Bericht

Präses Manfred Rekowski: „Die Aufgabe, dem Antisemitismus entgegenzutreten, ist Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit." © Evangelische Kirche im Rheinland

Rekowski betonte, dass Seelsorge einer der wichtigsten kirchlichen Arbeitsbereiche ist.

Zu den Aufgaben der Kirche gehört es, „die relevanten Fragen zu stellen: Wie kann es sein – oder: wohin soll das führen, wenn in einer Gesellschaft die einen kaum leben können von ihren Löhnen, während bei anderen Einkommen und Vermögenswerte nahezu unbegrenzt anwachsen?“ Das hat Präses Manfred Rekowski am Vormittag in seinem Bericht auf der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland betont: „Wollen wir in einem Land leben, in dem Menschen, auch wenn sie über 40 Jahre lang gearbeitet haben, von ihrer Rente nicht existieren können und nur als sogenannte ,Aufstocker‘, also mit staatlichen Transferzahlungen, der Altersarmut entkommen können?“

Kirche sei auch gefragt, für Jüdinnen und Juden in Deutschland die Stimme zu erheben, stellte der 59-jährige Theologe klar: „Die Aufgabe, dem Antisemitismus entgegenzutreten, ist nicht delegierbar an die Jüdischen Gemeinden, sondern das ist Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. Wo immer Jüdinnen und Juden zu Opfern werden, nimmt auch unsere Gesellschaft Schaden.“

Seelsorge ist einer der wichtigsten Arbeitsbereiche

Deutlich markierte der oberste Repräsentant der rheinischen Kirche, dass Seelsorge einer der wichtigsten kirchlichen Arbeitsbereiche ist: „Hier setzen wir uns für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen ein. Ob in der Phase der Familiengründung, während des Studiums, in gemeindlicher Alltagsseelsorge, in einer Lebenskrise, bei einem Sterbefall, nach einem Unfall, im Krankenhaus, in der Forensik, der JVA, bei der Polizei, Bundeswehr, in der Schule oder dem Hospiz usw., Menschen werden lebensnah, ganzheitlich begleitet. Diese Arbeit geschieht durchgängig nicht öffentlich. Deswegen wird dieses Tätigkeitsfeld seltener wahrgenommen als andere.“

Der Sonntag ist ein entlastendes Kulturgut

„Es wirkt für mich befremdlich, wenn die Landesregierung Nordrhein-Westfalens ausgerechnet unter dem Etikett ,Entfesselungspaket I – Gesetz zum Abbau unnötiger und belastender Vorschriften im Land Nordrhein-Westfalen‘ – eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auch an Sonntagen ermöglichen will. Es wirkt so, als sollte hier kurzerhand aus einem entlastenden Kulturgut wie dem Sonntag durch Umetikettierung eine zu beseitigende Belastung gemacht werden“, machte Präses Rekowski deutlich, dass die Pläne der nordrhein-westfälischen CDU/FDP-Landesregierung auf den Widerspruch auch der Evangelischen Kirche im Rheinland treffen.

Dass es beim Sonntagsschutz nicht um ein kirchliches Partikularinteresse gehe, sondern es sich um eine gesamtgesellschaftliche Errungenschaft handele, drücke sich in der grundgesetzlichen Regelung klar und deutlich aus. „Diese Regelung entlastet Menschen von dem Zwang rund um die Uhr leisten und funktionieren zu müssen. Und was auch immer individuell unter ,seelischer Erhebung‘ verstanden werden mag, für praktizierende Christinnen und Christen verbindet sich das sicherlich mit dem Besuch eines Gottesdienstes. Für andere bietet sich die Chance einer Auszeit und die Möglichkeit, aus dem Hamsterrad des Alltagsbetriebes auszusteigen“, machte Präses Manfred Rekowski deutlich.

#unserSonntag ist uns #heilig

Begleitet wird die Kritik an den Plänen der NRW-Regierungskoalition von einer Aktion der Evangelischen Kirche im Rheinland in den sozialen Medien: #unserSonntag ist uns #heilig. Der Sonntag ist geschenkte Zeit. Zeit für andere, Zeit mit anderen. Wie Christinnen und Christen diese Zeit des Miteinanders, diese Zeit fürs Wir gestalten, erzählen sie in den sozialen Medien. Sie zeigen Gesicht und sagen, warum ihnen der Sonntag #heilig ist. Wie man als Einzelner und als Gruppe mitmachen kann, steht auf der Seite unsersonntag.ekir.de.

Schließlich wandte sich Rekowski in seinem Bericht auch einem der Schwerpunktthemen der diesjährigen Tagung zu – der theologischen Positionsbestimmung für die Begegnung mit Musliminnen und Muslimen. „Wohl wissend, dass missionsgeschichtlich nicht nur von Segensgeschichten zu berichten ist, sondern auch von Schuldgeschichten, trete ich dennoch für eine positive Aufnahme und Interpretation des Begriffs Mission ein. Dazu helfen klare Positionierungen zu der Art und Weise, wie Mission gelebt und welche Formen von Mission unabhängig von Zielgruppen abzulehnen sind. (…) Eine Kirche, die sich an der Leitvorstellung ,missionarisch Volkskirche sein‘ orientiert, braucht eine klare Haltung zur Mission. Mit einem ganzheitlichen Verständnis von Mission bekommen wir gerade die Menschen in den Blick, die viel zu oft aus den Augen verloren werden“, so der Theologe.


Quelle: Evangelische Kirche im Rheinland
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