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Bei Protestanten ist die Zahl noch höher


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Zahl auf traurigem Rekord


Religiöse Bildung und Pluralismus
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"Auch ein gesellschaftlicher Feiertag"
Bremens Bürgermeister für Reformationstag als Feiertag


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'Der Reformationstag macht Sinn'

Warum jede Religion und jede Weltanschauung Erneuerung und Selbstkritik braucht

Martin Heimbucher: "Den Erneuerungsimpuls der Reformation aufnehmen und in die Gesellschaft tragen" © Jens Schulze

Diskussionen verschiedener Bundesländer um die Einführung eines Feiertages am 31.10. sorgen derzeit für hitzige Debatten. Warum der Reformationstag eine Chance sein könnte zur Erneuerung und kritischen Auseinandersetzung über konfessionelle Grenzen hinaus - dazu Kirchenpräsident Martin Heimbucher in unserem aktuellen Debattenbeitrag:

Ich würde mich darüber freuen, wenn in Norddeutschland künftig jährlich der Reformationstag ein allgemeiner Feiertag wäre. Auch unsere Evangelisch-reformierte Kirche tritt dafür ein.

1. Dieser Feiertag ist eine hervorragende Gelegenheit zur Besinnung auf „Reformation“ als eine Aufgabe für Kirche und Gesellschaft.

Ich möchte, dass wir als Kirchen auch künftig den Reformationstag als Gelegenheit wahrnehmen, den Erneuerungsimpuls der Reformation aufzunehmen, ihn in die Gesellschaft hineinzutragen und im Gespräch auch mit Menschen anderen Glaubens zu entfalten. Denn nicht allein die evangelische Kirche, sondern jede Religion und jede Weltanschauung braucht Reformation und die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten.

2. Der Tag ist nur im ökumenischen Miteinander sinnvoll.

An vielen Orten haben evangelische Christen im Jahr 2017 die Gemeinschaft mit römisch-katholischen, freikirchlichen und orthodoxen Christen noch intensiver erlebt als bisher. Diese ökumenische Verbundenheit im Anliegen einer Reformation von Kirche und Gesellschaft wollen wir nicht wieder preisgeben.

3. Die Anliegen der Reformation, Kirche und auch Gesellschaft zu verändern, werden durch den Antijudaismus vieler Reformatoren nicht entwertet.

Der für die Reformationszeit typische Antijudaismus, verbunden mit der zuweilen maßlosen Hetze Luthers, ist von der evangelischen Kirche als theologischer, politischer und menschlicher Irrweg mit schrecklichen Folgen erkannt und deutlich benannt.

Ich respektiere es, dass in den Ohren vieler jüdischer Mitbürger eine Feier, die sich auch auf Luthers Anstöße zur Reformation bezieht, nur schwer erträglich ist. Aber die Auseinandersetzung vieler christlicher Konfessionen mit dem Antijudaismus und Antisemitismus in ihrer eigenen Geschichte zeigt: Reformation tut not und kann zu Veränderungen in den Einstellungen beitragen.

4. Der Reformationstag darf kein Kult um Luther sein.

Martin Luthers mutiges Auftreten insbesondere auf dem Reichstag in Worms bleibt in vieler Hinsicht beispielhaft. Dennoch darf der Reformationstag kein Kult um Luther sein. Wir haben den Reformationstag 2017 als evangelische Kirche nicht in Erinnerung an eine Person gefeiert und können das auch in Zukunft nicht tun.


Dr. Martin Heimbucher, Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche
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