Termine
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps
Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.
Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik
Portrait über Kathrin Oxen
NDR-Info am Sonntag, dem 5. Februar um 6.05 Uhr und um 17.05 Uhr
''Verstecken ist unmöglich. Pastorin Kathrin Oxen – mehr als ein Predigttalent''
''Schuften bis zum Umfallen''
Richterinnen aus Kamerun im Einsatz für Frauenrechte
8. Februar 2012, 15 Uhr: Filmnachmittag im Gemeindehaus der Kilianskirche, Am Kirchplatz in Schötmar
WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.
Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.
''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück
''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012
''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.
Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012
Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)
Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion
Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.
Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)
Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden
Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.
Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.
Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.
''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf
Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)
''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012
Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.
6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012
Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.
Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz
GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.
Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf
Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.
Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant
''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentagspräsidium in Erfurt beschlossen.
450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013
Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn
Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.
"Wir müssen das Gebot zurückholen, um unsretwillen, um der Fülle des Lebens, um unserer Hoffnung auf Unverbrüchlichkeit willen. Wir müssen es zurückholen als Grenze gegen die Einbrüche, Ausbrüche und Abbrüche." - von Ilka Werner
Ganz kurz ist heute der Predigttext: „Du sollst nicht ehebrechen!“, oder, in der Übersetzung, die wir zum Eingang gehört haben, „Nicht wirst du eine Ehe brechen!“, das zweite Wort der zweiten Tafel, das siebte Gebot nach jüdischer und reformierter Zählung.
Liebe Gemeinde,
es gilt nicht viel heute in der Welt, dieses Wort, fassen wir es als Verheißung der Treue oder als Gebot der Beschränkung. Es gilt nicht viel, zu alltäglich ist das Zerbrechen von Beziehungen und zu bedrängend die Sehnsucht nach Liebe, zu laut wird das Recht auf Glück proklamiert, zu gewöhnlich und oft gehört der Rat, durch Seitensprünge einer müde gewordenen Beziehung wieder auf die Sprünge zu helfen.
Zu ernüchternd ist die Doppelmoral der Wohlanständigkeit und zu durchsichtig sind die patriarchalen Machtinteressen, die mit diesem Wort durchgesetzt wurden.
Es gilt nicht viel, dieses Wort, und es ist nicht einmal ausgemacht, inwiefern ihm Geltung verliehen werden soll, denn es ist nicht einmal ausgemacht, worum es eigentlich geht, auch, wenn es so einfach zu verstehen scheint.
Ich möchte mich darum mit Ihnen auf den Weg durch die Zeiten machen, um zu verstehen, was gemeint ist, was heute gemeint sein kann und wie diesem Wort heute Geltung zu verschaffen ist.
I.
Lesen wir die fünf Worte, die fünf Gebote der zweiten Tafel im Zusammenhang, - im hebräischen Text der Fassung aus dem fünften Buch Mose sind sie auch alle mit „und“ verbunden -. Dann wird deutlich, dass sie alle dem Schutz des Lebens, des Zusammenlebens dienen, als hätten sie eine gemeinsame Überschrift, die Bitte oder das Gebot: Zerstört das Leben nicht!
Zerstört das Leben nicht, das sollen wir hören, wenn es heißt: „Nicht wirst du töten
und nicht wirst du eine Ehe brechen
und nicht wirst du stehlen
und nicht wirst du aussagen gegen deinen Nächsten durch Lügenzeugnis
und nicht wirst du aus sein auf das Haus deiner Nächsten
und nicht wirst du aus sein auf die Frau deines Nächsten, weder auf deren Sklaven oder Sklavin, ihr Rind oder ihren Esel, noch auf irgendetwas, das deinen Nächsten gehört.“
Zerstört das Leben nicht – Respekt wird verheißen und gefordert, Respekt vor der Lebenssphäre des und der anderen, Grenzüberschreitungen, Übergriffe, Einmischungen in den persönlichen Bereich werden verboten, Abstand wird angemahnt. Wer die persönliche Sphäre der anderen nicht achtet, beraubt sie ihrer Sicherheit und zwingt sie zu ständigem Mißtrauen und stört damit, zerstört damit ihr Leben.
In diesem Zusammenhang heißt es auch: Stört die Liebe nicht! Stört die Beziehungen nicht, denn damit tastet ihr das Leben der anderen an.
Wozu das führen kann, erzählt die Bibel mit dem Schicksal von David und Bathseba.
II.
Sie kennen die Geschichte: „Da sah David vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt. Und David sandte Boten hin und ließ sie holen“ (2.Sam. 11)
Vielleicht wird hier am besten deutlich, was zu Anfang mit Ehebruch gemeint war: Es beginnt mit dem begehrlichen Blick von oben herab, der Mann, der König, nimmt sich, was er will und holt die Frau des Anderen in sein Bett, und als der sich das Kind nicht unterschieben läßt, findet der König Mittel und Wege, ihn umzubringen.
Ehebruch als Einbruch eines Mannes in die Ehe eines anderen Mannes, Einbruch in die Lebenssphäre eines anderen, dessen Leben dadurch zerstört wird.
Es scheint einfach zu sagen: So sollst du nicht tun. Das Motiv: Begierde, unbegrenzte Gier. Eigentlich hat David genug schöne Frauen, aber diese hier, auf die sein Blick fällt, die will er auch noch haben.
Unkommentiert und ungesühnt bleibt das nicht: der Prophet, Nathan, hält dem König den Spiegel vor: Er, der alles zum Leben hat, raubt einem anderen das, was der zum Leben braucht: Du bist der Mann! Der Einbrecher, der Räuber, der Lebenszerstörer. David tut Buße, die Frau darf er darum behalten, das Kind stirbt.
Die Geschichte der Auslegung in Gemälde, Erzählung und Verfilmung geht meist sanfter mit David um als Nathan: Der Einbruch wird umgedeutet zur Liebesgeschichte, denn Liebe scheint ein verzeihlicheres Motiv als Gier. Bathseba, die kaum etwas tut in der biblischen Geschichte, denn David zur Verantwortung zu rufen, als sie schwanger ist, wird zu einer der großen Liebenden, und manchmal wird auch ihre verletzliche Nacktheit zur erotischen Inszenierung der großen Versucherin. Damit beginnt, was unsere Sittengeschichte geprägt hat: die Entschuldung der männlichen Gier durch die Stilisierung der Frau zum Inbegriff der Versuchung. Nicht David, der Spanner auf dem Dach, ist verantwortlich, sondern die nackte Frau, die, sich allein und unbeobachtet wähnend, badet.
Ein Frauenhaß hat darin seinen Grund, der vom Einsperren und Verhüllen der Frauen über ihre Brandmarkung als Hure bis zu ihrer Verbrennung als Hexe geführt hat.
Eine Sackgasse, in die uns die Betrachtung von außen und die formale Verurteilung „des Mannes“ oder „der Frau“ führt, die Betrachtung von Menschen als Typen oder Klischees, über die wir ach so gut Bescheid wissen.
Eine Sackgasse, die erst verlassen wird, wenn wir lernen und uns die Mühe machen, Menschen in ihrer unverwechselbaren Einzigartigkeit wahrzunehmen.
III.
Das Leben lehrt uns, dass das Zerbrechen von Beziehungen der allgemeinen Beschreibung nicht zugänglich ist. Es geht, so wissen, glaube ich, die meisten von uns, immer um die besondere Geschichte einzelner, besonderer Personen, und wir nehmen zu recht die Gefühle und Passionen ernst, die der Beteiligten und der Mitbetroffenen:
„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie dagegen ist unglücklich auf ihre besondere Art.“ Mit diesem Satz beginnt Leo Tolstoi seinen Roman Anna Karenina, der Geschichte des Ausbruchs einer Frau aus einer unglücklichen Ehe, eines Ausbruchs, der zum Aufbruch nicht wird und ihr Leben zerstört, weil ihr außerhalb dieser Ehe der solidarische Mut des Liebhabers und die Luft zum Atmen fehlen.
Ehebruch als Ausbruch, diese Dimension müssen wir dem Verstehen unbedingt hinzufügen.
Mir fallen als Beispiele vor allem weibliche Romanfiguren des 19. Jahrhunderts ein, eben Anna Karenina, Effi Briest, Emma Bovary, aber es geht nicht bloß um ein historisches Romanthema, sondern um ein auch aktuelles Lebensthema, um Menschen, die sich nicht in die Konventionen zu schicken wissen und sich im Kampf um ihre Eigenständigkeit in Schuld verstricken. Ein eigener Mensch zu werden, darum geht es, ich selbst bleiben oder werden, nicht zur Spielfigur im Leben eines anderen werden, nicht in einer kaum selbstgewählten Rolle ersticken.
Nicht Gier ist hier das Motiv von Ehebruch, auch nicht Egoismus oder frivoler Mutwillen, auch nicht der ungebremste Drang zur Selbstverwirklichung, sondern das unabweisbare Bedürfen, das notwendige Brauchen von Lebensraum. Manchmal brechen wir aus, um leben, weiterleben, wieder leben zu können. Manchmal müssen wir ausbrechen, um unsere Würde zu wahren oder zurückzubekommen.
Und wie könnten die, die auch nur den geringsten Teil dieser Gefühle kennen, vollmundig einen solchen Ausbruch verurteilen und den ersten Stein werfen? Vielleicht fällt Ihnen wie mir die biblische Geschichte der Ehebrecherin ein, die Jesus nicht verurteilt, weil er spürt oder weiß, dass es gar nicht um sie oder ihren Fehler geht, sondern um die Interessen ihrer Ankläger. Müssen wir da nicht die Steine liegen lassen und uns die ganze Geschichte erzählen lassen?
„Jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre besondere Art“ – es wird schwierig, zu verstehen, was Ehebruch ist, wenn wir nicht nur an die Einbrüche denken, sondern auch die Ausbrüche wahr- und ernstnehmen. Es wird schwierig, zu verstehen, was da verboten ist, wenn wir die Konflikte mitfühlen, uns in die Lebensgeschichten hineinfühlen.
Wie kann man diesen Geschichten gegenüber die Geltung des „Du sollst nicht ehebrechen“ beschreiben? Müssen wir es aufgeben, als Gebot außer Kraft setzen und damit auch die Verheißung verlieren? Es will so scheinen.
IV.
„Richte dich ein. Und halte die Koffer bereit“ – das ist es, was bleibt, so schreibt Mascha Kaleko in dem Gedicht „Rezept“. Die Vorläufigkeit, die Zerbrechlichkeit von Ehe und Beziehung akzeptieren, erwarten, wieder ausziehen zu müssen, wo wir uns eingerichtet haben, bereit sein, auszuziehen aus der gemeinsamen Wohnung oder immerhin aus der Gemeinsamkeit. Ehebruch ist oft genug der Abbruch von Beziehung, Trennung ist nicht nur ein anderes Wort für Scheidung, sondern auch ein anderes Wort für Ehebruch. Und dann ist es ganz egal, ob es da jemand anderes gibt.
Abbruch von Beziehung kann auch geschehen, wenn die Ehe äußerlich intakt bleibt, vielleicht ist dann die Einsamkeit und der Schmerz des, der Alleingelassenen noch bitterer, die Treue schlimmer enttäuscht, als wenn da wirklich eine Affäre von außen die Ehe zerbricht.
Wir kennen das, diesen Abbruch der Gespräche, des gemeinsamen Lachens, des einander wortlos Verstehens, der liebevollen Gesten, der gemeinsamen Pläne. Wir kennen den Abbruch der Brücken zueinander, den Abbruch der gemeinsam gebauten Luftschlösser, den Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Manchmal ist das nur eine Phase, eine Krise, die gemeistert wird, manchmal ist das das Ende der Ehe, manchmal ist das das Ende des Lebens. Auch Abbruch ist ein Aspekt von Ehebruch.
Und wer zurückbleibt, leidet an der enttäuschten Sehnsucht nach Treue, fühlt sich betrogen von der Verheißung der Dauer und möchte wenigstens strafen mit Schuldzuweisung und stellt fest, dass kaum jemand versteht: Das Leben geht weiter, hörst du nach ein paar Wochen, und: Warum hast du nicht die Koffer bereit gehalten? Und: Die Zeit heilt alle Wunden. Und: Warum erwartest du auch soviel? Und vielleicht noch: So ist das Leben nun mal.
„Richte dich ein. Und halte die Koffer bereit.“ Und wenn wir uns nach diesem Rezept richten, uns nie vorbehaltlos einlassen, wenn es uns gelingt, immer die Koffer bereitzuhalten? Dann beschränken wir selbst unser Leben, begrenzen uns selbst, zerstören einen Teil unserer selbst. So weise es klingt, dieses Rezept, es ist zu wenig, ihm fehlt der Überschuss der Hoffnung, und darum müssen wir das Gebot zurückholen, um die Verheißung zurückzugewinnen.
V.
Wir müssen das Gebot zurückholen, um unsretwillen, um der Fülle des Lebens, um unserer Hoffnung auf Unverbrüchlichkeit willen. Wir müssen es zurückholen als Grenze gegen die Einbrüche, Ausbrüche und Abbrüche.
Was wir aber nicht zurückholen dürfen, ist der Blick von außen, die Bereitschaft, zu verurteilen, ohne genau hinzusehen, die Verleugnung des eigenen Wissens um die Verwirrung der Gefühle, die Härte des Urteils, mit der wir nur unsere eigene Versuchlichkeit bekämpfen. Was wir nicht zurückholen dürfen, ist das Urteilen ohne Ansehen der Person.
Wenn wir das Gebot zurückholen und in Geltung setzen in unserer Zeit, dann also nicht allzu vollmundig, ein bißchen leise und ohne christliche Selbstgerechtigkeit und ohne zu vergessen, dass wir selbst Töchter und Söhne dieser Zeit sind: Das Gebot muss gelten, das Verstehen muss bleiben.
Unsere Kirche hat in einem langen Diskussionsprozeß um Sexualität und Lebensformen einen Begriff dafür geprägt: Gemeinschaftsgerechtigkeit. Daran sollen wir uns orientieren: an der Gerechtigkeit der Gemeinschaft gegenüber, in Abgrenzung von Selbstgerechtigkeit, die nur das Ihre sucht, und formaler Gerechtigkeit, die nicht den Menschen dient.
Ein einziges Mal kommt dieser Begriff in der Bibel im Zusammenhang mit Ehe und Sexualität vor: in der Erzählung von Tamar und ihrem Schwiegervater Juda. Ganz kurz möchte ich noch darauf eingehen: Tamar ist nacheinander mit den beiden ältesten Söhnen Judas verheiratet, aber beide sterben, bevor sie Kinder bekommt. Seinen dritten Sohn will Juda ihr nicht zum Mann geben, obwohl das Recht ihn dazu verpflichtet. Als Hure verkleidet, trifft sie ihren Schweigervater auf einer Geschäftsreise und wird von ihm schwanger. Als Juda von der Schwangerschaft erfährt, will er sie zunächst verurteilen, muss aber, als er den Zusammenhang erfährt, widerwillig zugeben: Sie ist gerechter als ich.
Deutlich wird: es geht nicht um Moral, sondern um den Schutz des Lebens: Tamars Recht auf Kinder wiegt mehr als formale Wohlanständigkeit.
Das ist mit Gemeinschaftsgerechtigkeit gemeint: Schutz des Lebens, Respekt vor der Lebenssphäre der anderen, Rücksicht auf die Schwachen, Verzicht auf rigorosen Egoismus, Treue gegenüber den eigenen Verpflichtungen, Achtung vor den Bedürfnissen der Einzelnen, Ehrfurcht vor der Güte der Gebote Gottes.
Damit schließt sich der Kreis: Zerstört das Leben nicht – die Überschrift der Gebote der zweiten Tafel weist den Weg zu ihrem Verstehen:
In diesem Sinne weist uns das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ in die Selbstbegrenzung, vielleicht in das Lassen, den Verzicht. Vielleicht verletzten wir es. Aber wir dürfen uns um des Lebens willen die Verletzung nicht schön reden und für richtig erklären – sie muß uns als Verletzung bewußt bleiben.
Vielleicht reiben wir uns an diesem Gebot. Wir dürfen nicht aufhören, uns daran zu reiben, um des Lebens willen, denn nur dann trägt uns die Verheißung: „Nicht wirst du eine Ehe brechen.“
Amen.
Ilka Werner
Auf der Homepage der Melanchthon Akademie finden Sie weitere Predigten zu den Zehn Geboten


