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Philipper 2, 5-11

Herr ist Jesus Christus. Von Frank Jehle, St. Gallen

"Fenster Gold", Sinnbild für die Königsherrschaft Christi, Glasmalerei von Frère Marc in der Evangelischen Kirche Uznach, Schweiz.

Ein Versuch zu verstehen, was mit „Herr“ gemeint ist.
Predigt – Gebet – Hymnus, passend zu „Christi Himmelfahrt“ und nicht nur dann.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.
Christus spricht: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Amen.

Mit diesem Wort des auferstandenen Christus begrüsse ich alle herzlich. Es ist ein Wort, das besonders gut zu Gottesdiensten zwischen Ostern und Pfingsten passt. Auch den Predigttext und die Lieder habe ich gemäss dieser Zeit im Kirchenjahr ausgewählt. "Herr ist Jesus Christus" wird das Predigtthema sein. Zunächst wollen wir nun aber miteinander singen und beten. Als erstes Lied habe ich das Lied 33 [EG 618, landeskirchlicher Teil EKiR, EKvW, LL, ERK] gewählt: "Singt mit froher Stimm", es ist einer der berühmtesten aller Hugenottenpsalmen. Der französische Originaltext stammte von keinem Geringeren als von Calvins Nachfolger Théodore de Bèze. Die Melodie stammt von Loys Bourgeois, der Satz von Claude Goudimel, zwei der berühmtesten französischen Musikschaffenden des 16. Jahrhunderts, deren Schöpfungen unvergänglich bleiben.

Lasst uns aufstehen und beten; wir beten mit einem Gebet Christoph Blumhardts des Jüngeren, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Wie wenige andere die soziale Dimension des Christentums hervorhob und dessen Einfluss auf die Schweizer Theologen Leonhard Ragaz, Hermann Kutter, Karl Barth und Emil Brunner gross war:
Lieber Vater im Himmel, wir sind versammelt vor deinem Angesicht im Namen Jesu Christi, den du zu deiner Rechten erhöht hast. Lass den Heiland in der Kraft seines Geistes neu offenbar werden. Wir haben es so nötig, dass auch wir in unsern Tagen einen starken Eindruck von ihm empfangen und über alles Schwierige in unserer Zeit emporgehoben werden in das Reich, das durch ihn kommen wird. Lass unsere Herzen gestärkt werden alle Tage und immer wieder frisch und fröhlich sein im Glauben, dass du alles lenkst auf Erden wie im Himmel und uns am Ende den Sieg deines Reiches gibst, das grösser und herrlicher ist als alle Reiche der Welt.
In der Stille wollen wir dir jetzt alles anvertrauen, wovon unsere Herzen voll sind. .... Wir danken dir. Noch einmal bitten wir um einen starken Eindruck von deinem Sohn Jesus Christus. Amen.

Als Lesung hören wir einen modernen Hymnus für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten:
Herr Christus, du bist der Erste und der Letzte, der Herrscher über alle Welten. Alle Himmel fassen dich nicht, und aller Erden Tiefen erschöpfen dich nicht. Kein Mensch hat dich je ganz erkannt. Vor dir beugt sich alle Welt in hoffnungslosem Widerspruch oder in hoffnungsvoller Demut.
Da hast das letzte Wort auch über alles, was Mensch heisst, du und nicht der Böse, du und nicht der Tod. Der Widersacher will uns von dir trennen, aber niemand kann uns aus deiner Hand reissen. Der Tod will uns vernichten, dein Sterben aber hat den Tod verschlungen. Dein Auferstehen hat das Leben gebracht, das unverlierbar ist. Seit deiner Erhöhung lässest du deine Gemeinde teilhaben an deiner Herrschaft.
Herr, wir können deine Güte nicht fassen. Mit der ganzen Kirche aber beten wir dich an und warten auf das volle Offenbarwerden deiner unaussprechlichen Herrlichkeit. Amen.

"König ist der Herr. Völker gebt ihm Ehr." Auch unser zweites Lied, 56, 1-3, stammt aus dem Genfer Psalter und zeichnet sich ebenfalls durch seine starke Melodie aus.

Predigt:
Feministisch sensibilisierte Frauen protestieren dagegen, dass in der neuen Zürcher Bibel die traditionelle Gottesbezeichnung "Der Herr" beibehalten wird. Was sage ich dazu?
Zunächst: Ich verstehe, dass manche Frauen durch gewisse Züge der christlichen Tradition tief verletzt sind. "Das Weib schweige in der Gemeinde." (1. Kor. 14, 34.) "Adam wurde nicht verführt, das Weib vielmehr wurde verführt und ist in Übertretung geraten. Sie wird aber gerettet werden durch Kindergebären." (1. Tim. 2, 14.) Auch ich als Mann halte solche Bibelverse für unerträglich. Zu viele Frauen mussten und müssen teilweise auch heute noch darunter leiden. In der Bibel gibt es zum Glück auch andere Töne: "Da ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." (Gal. 3, 28.) Oder man kann daran erinnern, wie hoch anerkennend Paulus in der Grussliste des Römerbriefes die wichtige Rolle unterstreicht, die Frauen in der Frühzeit der Christentumsgeschichte spielten. (Röm. 16.)

Aber die Gottesbezeichnung "Herr"? Aus verschiedenen Gründen meine ich, dass nicht darauf verzichtet werden kann. Schon einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hat es sich im Judentum durchgesetzt, den herkömmlichen Gottesnamen "Jahwe" mit "Herr" zu ersetzen - hebräisch "Adon", griechisch "Kyrios" - und zwar aus tiefer Ehrfurcht. Auch im frühen Christentum hielt man sich an diese jüdische Tradition. In vielen Zitaten aus der hebräischen Bibel im Neuen Testament heisst es darum einfach "Herr". Alt- und neutestamentliche Stellen stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einander. Ich denke, wer die Bibel übersetzt, darf die Lesenden nicht bevormunden. Er muss ihnen einen so zuverlässig wie möglichen Eindruck der Originaltexte zu vermitteln versuchen. Wer die Gottesbezeichnung "Herr" in einer Bibelübersetzung streicht, ist nicht ehrlich.

Aber nun etwas anderes: Wir müssen zu verstehen versuchen, was mit "Herr" gemeint ist. In den alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch war das Wort "Herr" nicht ausschliesslich männlich. Griechisch "Kyrios" (oder "Kyria") ist zunächst ein Eigenschaftswort, das diejenigen benennt, die über etwas rechtmässig verfügen können. Das kann von Gottheiten oder von Menschen gesagt werden - und zwar unabhängig vom Geschlecht. Wer die antiken Belegstellen durchstöbert, findet, dass man im alten Ägypten ausgerechnet die Göttin Isis häufig so genannt hat. Fast noch interessanter dünkt mich, dass die römischen Kaiser als "Kyrios" oder "Dominus" angesprochen wurden. Besonders oft findet man den Ausdruck im Zusammenhang mit Nero, der als einer der ersten Christinnen und Christen wegen ihres Glaubens verfolgte. Oder in Ephesus hat man die Bruchstücke einer riesigen Statue des Kaisers Domitian entdeckt - mehrere Meter hoch -, auf der er "Unser Herr und Gott" genannt wird.

Und damit zum heutigen Predigttext. Aus dem zweiten Kapitel des Philipperbriefes lese ich die Verse 5 - 11 in einer eigenen Übersetzung. Die Fachleute für Neues Testament sind heute übereinstimmend der Meinung, dass Paulus hier ein Lied zitiert, das nicht etwa von ihm selber stammt und das man in frühchristlichen Gottesdiensten offenbar häufig angestimmt hat:

"Dessen Los ein göttliches war, der aber nichts darauf hielt, Gott gleich zu sein.
Sondern er gab sich hin, nahm auf sich das Los eines Knechts, erschien den Menschen gleich.
Er trat auf als ein Mensch, erniedrigte sich selbst, gehorsam bis zum Tod (zum Tod am Kreuz).
Darum hat Gott ihn erhöht und hat ihm den Namen verliehen, der über jedem Namen steht,
damit im Namen Jesu ein jedes Knie sich beuge im Himmel, auf Erden und in der Hölle
und jeder Mund bekenne: 'Herr ist Jesus Christus!' zur Ehre Gottes, des Vaters."

Das Lied umfasst sechs Strophen zu je drei Zeilen. Und Sie haben es gehört: "Herr ist Jesus Christus!" Wollen und sollen wir das in einer neuen Bibelübersetzung streichen? Ich persönlich denke: Nein. Wir müssen uns aber die ursprüngliche Situation vorstellen - vielleicht am Sonntag morgen bei Sonnenaufgang an einem Flussufer draussen vor der Stadt. Die Christinnen und Christen von Philippi (im heutigen Nordgriechenland) waren eine kleine Schar. Viele von ihnen waren Sklavinnen oder Sklaven und konnten nur in Randzeiten an einem Gottesdienst teilnehmen - eben am Morgen früh oder spät am Abend. Und auch die übrigen Gemeindeglieder waren von einigen Ausnahmen abgesehen nicht Angehörige der Oberschicht. Man kam zusammen, betete miteinander, las aus der Bibel vor, feierte das Abendmahl und manchmal eine Taufe, und pries Jesus - unter anderem mit dem Satz im zitierten Lied: "Herr ist Jesus Christus!" Und das in einer Welt, in der man den Kaiser, den mächtigsten Mann der Welt, als "unseren Herrn und Gott" ansprach!

Spüren wir nicht, wie revolutionär das war? "Unser Herr und Gott" ist nicht ein mächtiger Politiker und Heerführer, sondern dieser arme Mann aus Nazareth, der an einem Kreuz starb. Jesus Christus ist der Herr, vor dem die ganze Welt die Kniee beugen muss. Das tollkühne Bekenntnis gab der wohl recht armseligen Schar der Christinnen und Christen in Philippi Widerstandskraft und Mut. Es befähigte sie, eine schwierige Lage durchzustehen und den Kopf oben zu behalten. "Unser Herr ist nicht der mächtige römische Kaiser und alles, wofür er steht, sondern Jesus Christus." Es wäre ein Verlust, wenn dieser Aspekt des christlichen Glaubens aus vermeintlicher politischer Korrektheit verschwinden würde.

Heute regiert zwar nicht mehr der Kaiser die Welt, dafür andere Herren, zum Beispiel der sogenannte "Sachzwang". Wie oft habe ich schon gehört: "Mit deinen Einwänden etwa gegen eine Massenentlassung oder eine Betriebsschliessung magst du ethisch zwar recht haben, aber wir stehen unter einem Sachzwang." "Herr ist Jesus Christus!" Modern formuliert könnte man das vielleicht so umsetzen: "Mein Sachzwang ist Jesus!" Ich kann nicht anders, ich muss mich für die Opfer von Massenentlassungen und Betriebsschliessungen einsetzen, weil Christus mein "Herr" ist, derjenige, der über mich verfügt, der mich nicht loslässt.

Ich breche meine Predigt ab - nicht ohne vorher aus der berühmten, vom Schweizer Theologen Karl Barth entworfenen Theologischen Erklärung von Barmen vorzulesen. In den Dreissigerjahren machte sie vielen Mut, Widerstand gegen den menschenverachtenden Nationalsozialismus zu leisten: "Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären [...]." Für Christinnen und Christen gilt das auch in der Zukunft.

Musik

Lasst uns aufstehen und beten:
Unser Vater im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

"Jesus Christus herrscht als König." Es versteht sich fast von selbst, dass wir jetzt Lied 492 [EG 123], die Strophen 1-3, miteinander singen.

Mitteilungen

Für das Geleitwort und den Segen bitte ich alle aufzustehen. Anschliessend wollen wir ebenfalls stehend das Osterlied 462 miteinander singen, bevor wir uns für das Spiel der Orgel noch einmal setzen.
"Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag."

Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Quelle: Homepage von Frank Jehle


Dr. Frank Jehle
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