Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Calvin und die Einheit der Kirche

Von Eva-Maria Faber, Chur

Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Rektorin der Theologischen Hochschule Chur, Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie

Was ist Kirche? Calvin antwortet: Die Kirche „ist die Gemeinschaft aller Heiligen, welche, über den ganzen Erdkreis und durch alle Zeiten zerstreut, doch durch die eine Lehre Christi und den einen Geist verbunden ist und an der Einheit des Glaubens und brüderlicher Eintracht festhält und sie pflegt“.

„Es kann gar nicht sein, dass es mehrere Kirchen gibt! Nicht einmal „zwei oder drei“ Kirchen könnte man finden, ohne dass Christus zerstückelt würde – und das kann ganz einfach nicht sein (quod fieri non potest: Inst. IV,1,2). Der Reformator Johannes Calvin schreibt dies im Kontext seiner Ausführungen über die geglaubte, unsichtbare Kirche. So könnte man meinen, die Einheit der Kirche sei also für ihn allein oder jedenfalls in erster Linie auf Seiten Gottes zu suchen: die unzerstörbare Verwurzelung aller kirchlichen Wirklichkeit in ihrem einen Ursprung in Gott.

Doch weit gefehlt: Unermüdlich mahnt Calvin zu Einheit und Eintracht in der erfahrbaren Gemeinschaft der Gläubigen. Auch in dieser Hinsicht kann es doch gar nicht sein, dass solche Einheit nicht gelebt wird. Obwohl Calvin weiss, dass es faktisch Spaltungen gibt, ist ihm dies von einem bestimmten Gesichtspunkt aus eine Sache der Unmöglichkeit. Wenn die Gläubigen überzeugt sind, Gott als gemeinsamen Vater und Christus als gemeinsames Haupt zu haben, so kann es doch gar nicht sein (neque enim fieri potest), dass sie einander nicht das mitteilen, was sie selbst empfangen haben (Inst. IV,1,3).“
Weiter auf calvin09.org>>> 

Weiteres zu Biografie, Forschung und Publikationen von Prof. Dr. Eva-Maria Faber
auf der Homepage der Theologischen Hochschule Chur 


Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Chur
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
 

Nach oben    E-Mail