Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Warum es sinnvoll ist, das Calvinjahr zu begehen

Georg Plasger versteht das Calvinjubiläum als eine theologische Herausforderung

Professor Georg Plasger vor seiner provozierenden These

In einem Vortrag stimmte Professor Plasger die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche auf das Calvinjahr ein. Dabei äußerte er sich kritisch über eine möglicherweise falsche Herangehensweise. Er setzte dagegen wichtige Akzente, was das Leben und die Theologie Calvins angeht.

Plasger begann seinen Vortrag mit ein paar Warnungen: Weder dürfe man das Calvinjahr zu einer Heldenverehrung nutzen noch die Reformation idealisieren. Auch sei Vorsicht geboten, dass die Reformierten nicht den Reformator feierten und sich selbst meinten. Calvin so zu "benutzen" würde langfristig nur zu Enttäuschungen führen.

Sinnvoll sei es, Calvin als Lehrer zu verstehen und sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen. Auch die weit verbreiteten Geschichten über das Leben Calvins zu "entzerren" und die Quellen neu zu untersuchen, sei wichtig. So habe ein amerikanisches Forscherteam begonnen, die Akten des Genfer Konsistoriums zu untersuchen. Die in exemplarischen Fällen bereits erforschten Akten würden Calvins Wirken in Genf in einem neuen Licht sichtbar machen:  Nicht herrisch und grausam, sondern verständnisvoll und  auf die Lösung von Konflikten ausgerichtet habe der Kirchenrat in Genf unter seiner Leitung gewirkt.

Der dunkelste Fleck in der Biografie Calvins sei zweifelsohne die Verbrennung des Ketzers Michael Servet. Calvin habe zur Verurteilung Servets beigetragen, indem er belastende Dokumente zur Verfügung stellte. Der Rat der Stadt verbrannte Servet daraufhin, was Calvin nicht für richtig hielt. Im Gegensatz zu vielen Stimmen aus der reformierten Schweiz und übrigends auch Melanchthons, die das Verfahren billigten.

Georg Plasger nannte auch eine Reihe wichtiger Themen, die in der Theologie Calvins besonderes Gewicht hätten und die im Rahmen des Calvin-Jahres verstärkt diskutiert und vermittelt werden müssten - unter anderem die Gottes- und Selbsterkenntnis, die Schöpfungs- und Vorsehungslehre und die Lehre vom dreifachen Amt Christi.

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Taufe und Abendmahl nach Johannes Calvin. Von Georg Plasger, Siegen

Die Sakramente sollen Menschen zu Christus hinführen. Das Besondere an ihnen im Unterschied zur Predigt? Sie sprechen neben dem Hören auch andere Sinne des Menschen an: den Geruchs-, den Tast- und den Geschmackssinn. Mit dieser "ganzheitlichen Pädagogik" passt Gott sich den begrenzten menschlichen Fähigkeiten an, sein Wort aufzunehmen.
 

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