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Weizen darf dem Sprit nicht weichen

Präses Alfred Buß zur weltweiten Ernährungskrise

„Wir brauchen Brot für die Welt und nicht Brot für den Ofen”, haben wir als evangelische Landeskirchen in NRW im Dezember 2005 erklärt. „Die Verbrennung von Getreide ist ein skandalöses Zeichen der Ignoranz der Wohlstandsgesellschaften gegenüber den unter wachsender Armut und Unterernährung leidenden Ländern”, hat die westfälische Kirchenleitung im März 2007 festgestellt. Heute bestätigt das die Wirklichkeit auf grausame Weise.

Eine Milliarde Menschen oder mehr haben nicht genug zu essen, die Tendenz ist steigend. In 33 Ländern, so schätzt die Weltbank, drohen Hungersnöte. Zu Aufständen und Revolten kommt es jetzt schon: in Ägypten, Kamerun, im Senegal und an der Elfenbeinküste, in Mexiko, Haiti und Peru, in Bangladesh und Indonesien, um nur einige Beispiele zu nennen. Überall protestieren Menschen mit Gewalt, weil sie sich das Lebensnotwendige nicht mehr leisten können, weil die Lebensmittel unerschwinglich teuer geworden sind. Und voraussichtlich geht es so weiter: Die Getreideimporte der ärmsten Länder werden im Lauf dieses Jahres noch einmal um 56 Prozent teurer, schätzt die Ernährungsorganisation der UN. Das hat mehrere Ursachen. Eine verfehlte Politik, die den ländlichen Raum in armen Ländern sträflich vernachlässigt, ist eine davon. Die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt” hat immer wieder deutlich darauf hingewiesen.

Verdrängungswettbewerb zwischen Tank und Teller 

Eine andere Ursache ist der Verdrängungswettbewerb zwischen Tank und Teller: Die landwirtschaftlichen Flächen, auf denen Lebensmittel erzeugt werden, sind knapp geworden. Der Anbau von Energiepflanzen für den Export in einigen Ländern Asiens und Südamerikas zerstört mehr und mehr die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung. Die Konkurrenz der Anbauflächen in armen Ländern ist verheerend. Hinzu kommt, dass auch Wasser und Energie immer knapper und damit landwirtschaftliche Produkte immer teurer werden.

Die Lebensmittel der Armen dürfen nicht unserem Sprit weichen. Wir werden unseren Energiebedarf nur zu einem kleinen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen decken können. Auch Düngung, Pestizide und der Ausstoß von Kohlendioxid dürfen bei der Gesamtbilanz nicht vergessen werden. Mit Biosprit weiter wie bisher im Auto Gas geben – das führt in die Sackgasse. Es bleibt notwendig, die durchaus vorhandenen Möglichkeiten zum Energiesparen viel intensiver zu nutzen. Auch um des Klimas willen.

Positionspapier der Kirchenleitung vom März 2007 (pdf) 


Pressemitteilung der Evangelischen Kirche von Westfalen
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Synode fordert Kehrtwende in globaler Ernährungspolitik
Die Evangelisch-reformierte Kirche will sich näher mit den weltweiten Zusammenhängen beschäftigen

Auf ihrer Gesamtsynode in Emden appellierten die Kirchenparlamentarier an Verantwortliche in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft alles zu unternehmen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Die Kirche selbst beauftragte ihren Globalisierungsausschuss mit der näheren Analyse der Zusammenhänge und mit dem Vorschlag von konkreten Maßnahmen, die die Kirche treffen könne.