Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Reformiert?

Aus gutem Grund evangelisch-reformiert

Eine Zusammenfassung aus der Ev.-ref. Petri-Kirchengemeinde in Herford: Bilderverbot - Ă„mterteilung - Abendmahl - Heidelberger Katechismus - Zwingli und Calvin

AUS GUTEM GRUND EVANGELISCH-REFORMIERT

1. DU SOLLST DIR KEIN BILDNIS MACHEN

Wann immer Besucher eine reformierte Kirche betreten, sind sie überrascht über die schlichte Ausstattung: kein Kruzifix, keine Bilder oder Statuen, einen Abendmahlstisch statt eines Altars. Seinen Grund findet dies in dem Ernstnehmen des zweiten Gebots nach reformierter Zählung: “Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.” (2. Mose 20,3.4)

Ausdrücklich betonen Zwingli und Calvin, dass die profane bildende Kunst vom biblischen Bilderverbot ausgenommen sei. Auch wenn heute die Gefahr einer abergläubischen Bilderverehrung keine Rolle mehr spielt, hat dieses Gebot seine Aktualität nicht verloren. Denken wir an die Wissenschaft, Technik und Kultur, die geistige Gottesbilder produzieren, in denen die moderne Menschheit ihr eigenes Wesen und ihre Werke als höchste Instanz verehrt. Folgendes kommt hinzu: Wer sich von Gott kein Bildnis macht, der wird mit Gott nicht “fertig” und und ist immer wieder offen für neue Gotteserfahrungen.

2. DIE TEILUNG DER ÄMTER 2. DIE TEILUNG DER ÄMTER

Schon im Jahr 1560 schuf Calvin eine Kirchenordnung (Ordonnances Ecclésiastiques), die bis heute an ihrer Aktualität nichts verloren hat: die reformierte Kirche verwaltet sich selbst so weit als möglich und an der Spitze steht nicht eine einzelne Person, sondern ein ganzes Team, in dem Theologen und Nichttheologen sich die Verantwortung für die Kirche teilen und als gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten.

Der wichtigste Punkt dieser Kirchenordnung ist die Lehre von den vier Ämtern: Pfarrer (zuständig für Predigt und Seelsorge); Doktoren oder Lehrer (zuständig für den Unterricht); Älteste (dem weltlichen Rat entnommen, d.h. zwölf Ratsherren, welche die Bevölkerung vertraten; Diakone (für die Armenpflege).

Im von Calvin geschaffenen Führungskonzept bahnt sich deutlich das Prinzip der Gewaltenteilung an, weil sich die verschiedenen Ämter u. a. gegenseitig zu kontrollieren hatten.

3. DAS ABENDMAHL JESU CHRISTI 3. DAS ABENDMAHL JESU CHRISTI

Die Frage nach dem rechten Verständnis des Abendmahls führte letztlich die Trennung in lutherische und reformierte Kirche herbei. Der Streit entstand an der Frage, wie sich im Abendmahl die reale Gegenwart Christi zu den leiblichen Elementen verhält.

Zwingli, an dessen Abendmahlstheorie die Auseinandersetzung sich entzündete, verstand die Abendmahlsfeier nur als einen Akt der Gemeinde, in dem sie sich des Kreuzesopfers Christi erinnert, sich öffentlich dazu bekennt und durch dieses Gedächtnismahl in ihrem Glauben und ihrer Gemeinschaft gestärkt wird. Wie in jedem Gottesdienst so ist auch hier Christus im Geist gegenwärtig. Aber von einer besonderen leiblichen Gegenwart Christi in den Elementen kann nach ihm nicht die Rede sein; Brot und Wein „bedeuten“ (versinnbildlichen) nur seinen einst für uns dahingegebenen Leib und sein für uns vergossenes Blut.

4. DER HEIDELBERGER KATECHISMUS

Der Heidelberger Katechismus erklärt in 129 Fragen und Antworten (=Artikel) Grundlagen des christlichen Glaubens aus reformatorischer Sicht. Im Jahre 1563 wurde er vom Kurfürsten Friedrich III von der Pfalz in Heidelberg herausgegeben. Der Katechismus hat drei große Teile:

a) Von des Menschen Elend
b) Von des Menschen Erlösung
c) Von der Dankbarkeit.

Der Heidelberger Katechismus ist Bekenntnisschrift in der Evangelisch-reformierten Kirche (Synode Evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland), überwiegend in der Lippischen Landeskirche und in den Gemeinden reformierten Bekenntnisstandes in der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie in der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen. Darüber hinaus ist er weltweit in den reformierten Kirchen und Gemeinden in Geltung.

Eingeleitet wird der Heidelberger Katechismus durch die Artikel eins und zwei, wobei der Artikel eins “Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?” und die dazugehörige Antwort das Bekenntnis des reformierten Glaubens ist.


Heidelberger Katechismus Artikel 1

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.
Er hat mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;
und er bewahrt mich so,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen,
ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.
Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist
des ewigen Lebens gewiss
und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

5. DIE REFORMIERTEN REFORMATOREN

Huldrich Zwingli wird am 1.1.1484 in Wildhaus (ca. 50 km südlich von St. Gallen) in der heutigen Schweiz geboren. Er geht u.a. in Basel und Bern zur Schule und studiert in Wien und Basel allgemeine Wissenschaften, dann noch ein halbes Jahr Theologie.

1506 wird Zwingli Pfarrer in Glarus, 1516 wechselt er nach Einsiedeln. In dieser Zeit vertieft er seine theologischen Studien, bringt sich selber Griechisch bei. In diesen Jahren erfolgt bei ihm wohl unabhängig von Martin Luther der Durchbruch zur reformatorischen Erkenntnis. Seine reformatorische Grunderkenntnis besteht in der Hinwendung zur Bibel. Sie allein ist Autorität und nicht die Tradition der Kirche. In späteren Jahren verbindet Zwingli diesen Grundansatz mit Luthers Rechtfertigungslehre. 1519 wird Zwingli als Stadtpfarrer nach Zürich berufen. Sein erstes Werk besteht darin, den Predigten fortlaufende Bibeltexte zugrunde zu legen und nicht mehr die dem Kirchenjahr zu geordneten biblischen Abschnitte; auch dies ein Ausdruck für die Überordnung der Bibel. Zwingli wendet sich in seinen Predigten jetzt dezidiert gegen das Söldnerwesen, das vom Rat Zürichs 1522 auch verboten wird. Er stirbt 1531.

Mit Zwinglis Tod ist die reformatorische Bewegung in der Eidgenossenschaft jedoch nicht zu Ende, sie geht vielmehr weiter und konsolidiert sich. Nachfolger Zwinglis in Zürich wird für mehr als vierzig Jahre Heinrich Bullinger, ein Freund und Kollege Zwinglis. Er knüpft zahlreiche internationale Kontakte und sorgt für soziale und kirchliche Reformen.

Johannes Calvin wird am 10.7.1509 in Noyon geboren und beschließt nach dem Schulbesuch in Paris Jura zu studieren. Er lernt französische Ausläufer der lutherischen Reformation kennen und bekehrt sich zum Protestantismus. Das Folgende kennzeichnet ihn:

Der Denker: 1534 entsteht in Basel, wohin Calvin emigriert ist, die erste Fassung seiner Schrift „Unterricht in der christlichen Religion“. Eine erweiterte Fassung erscheint 1559. Sie ist die erste ausgeführte Dogmatik der Reformation.

Der Pragmatiker: In derselben Woche, in der Genf im Jahre 1536 der Reformation zustimmte, wurden soziale Einrichtungen gegründet: eine Abteilung für öffentliche Schulausbildung und das Krankenhaus. Bemerkenswert ist sein umsichtiges Engagement für die öffentlichen Belange. Er setzt sich für eine Häuser- und Straßenreinigung ein. Weil wiederholt Kinder aus den Fenstern stürzten, wurde auf seinen Rat hin beschlossen, Fenster mit Geländern zu versehen.

Der Ökumeniker: Besonders in Briefen ringt Calvin um die kirchliche Einheit und regt 1552 ein ökumenisches Konzil an: „Wäre es doch nur zu erreichen, dass an einem bestimmten Ort gelehrte, ernsthafte Männer aus den wichtigsten Kirchen zusammenträten, die einzelnen Artikel des Glaubens fleißig besprächen und den Nachkommen die sichere Schriftlehre über alles Gemeinsame hinterließen.“

Johannes Calvin privat: 1540 heiratet Calvin Idelette de Bure. 1542 stirbt kurz nach der Geburt das einzige Kind. Nach langem Leiden stirbt 1549 seine Frau. Calvin folgt ihr am 27. Mai 1564.

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