Finanzlage des Reformierten Bundes

Von Arno Schilberg

Dr. Arno Schilberg, Detmold

Der Schatzmeister des Reformierten Bundes, Dr. Arno Schilberg berichtet über die Finanzsituation des Reformierten Bundes und die „Calvin-Stiftung zur Förderung des Reformierten Protestantismus“.

Der Haushalt des Reformierten Bundes finanziert sich zu 90 Prozent aus den Mitgliedsbeiträgen der Landeskirchen, der Kirchengemeinden und Einzelmitgliedern. Gemeinden und Landeskirchen mussten sich in den vergangenen Jahren verstärkt den Anforderungen stellen, mit erheblichen Mindereinnahmen ihre Haushalte zu bestreiten. Der Finanzdruck hat sich auch auf die Einnahmesituation des Reformierten Bundes ausgewirkt. Die Aufgaben mussten im Vergleich von 1995 bis heute mit fast 20% weniger Einnahmen finanziert werden. Mittlerweile sieht die Einnahmesituation der Landeskirchen und Kirchengemeinden in den Jahren 2007 und 2008 auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung etwas besser aus. Doch Vorsicht ist geboten, da mittlerweile die Konjunkturprognosen schon wieder nach unten korrigiert werden und die Kirchengliederzahl auf Grund der demographischen Entwicklung kontinuierlich sinkt.

Das Moderamen hat mit dem Schatzmeister auf die veränderte Haushaltssituation in den Jahren 2006 und 2007 reagiert. Der Sitz des Reformierten Bundes mit seiner Geschäftsstelle wurde von Wuppertal nach Hannover verlegt. Durch diesen Standortwechsel war es möglich, die zwei Immobilien in Wuppertal zu veräußern. Die Verkaufserlöse wurden zum größten Teil dem Vermögen zugeführt. Ein Teilbetrag musste aber trotz vieler konsolidierender Maßnahmen für Haushaltsausgleiche verwendet werden. Immer im Blick, die langfristige Handlungsfähigkeit nicht zu gefährden, geht der Reformierte Bund sehr sorgsam mit dem noch vorhandenen Kapitalvermögen um, denn Rücklagen sind endlich. Die Geldanlagen erfolgen nur in Festgeldern, Sparbriefen u.ä. Wertpapiere und Fonds sind nicht mehr vorhanden.

Fast zeitgleich mit dem Wechsel des Sitzes nach Hannover übernahm die Funktion des Generalsekretärs Pfarrer Jörg Schmidt, der frühere Öffentlichkeitsreferent. Verbunden mit dieser Wahl wurde vom Moderamen eine Akzentverlagerung der Arbeit des Ref. Bundes vorgenommen. Der Pflege der Beziehungen zu den Mitgliedern wurde intensiviert. Die Personalentscheidung hat u.a. eine deutliche Kostenreduzierung bewirkt (Personalsausgaben 2004: 173.262,50 EUR und 2007 nur noch rund 110.515,89 EUR). Weitere Kürzungen an dieser Stelle sind angesichts der notwendigen personellen Ausstattung des Reformierten Bundes (Generalsekretär, eine Verwaltungsangestellte mit reduzierter Stelle und eine 400-Euro Stelle für reformiert-info.de) kaum denkbar, wenn der Bund handlungsfähig bleiben soll. Die Verlagerung der Pflege der zahlreichen Außenbeziehungen auf die Landeskirchen hat den Bund ebenfalls Ausgaben, insbesondere Reisekosten, gespart. Kurzum: die Einnahmen, wenn auch nur einmalig, wurden durch Verkäufe gesteigert, Ausgaben wie Personal- und Reisekosten deutlich verringert. Die Arbeit des Reformierten Bundes hat sich dadurch verändert, aber die Umorientierung wurde von den Einzelmitgliedern wie auch von den Mitgliedsgemeinden positiv aufgenommen.

Im Zuge dieser umfassenden Veränderungen wurden nach intensiven Beratungsgängen im vergangenen Jahr neue Beitragssätze ab 2008 für die Mitgliedsgemeinden beschlossen. Die Mitgliedsbeiträge sind nun gestaffelt. Der Durchschnittsbetrag richtet sich nach der Gemeindegliederzahl. Er liegt zwischen 0,10 EUR und 0,20 EUR je Gemeindeglied. Diese Veränderung erwies sich als richtig und notwendig, weil die Bewertung der Einnahmesituation der Mitgliedsgemeinden auf Grund der unterschiedlichen Finanzausgleichsysteme in den einzelnen Landeskirchen nicht mehr gerecht war. Hauptversammlung, Moderamen und Schatzmeister konnten aber nur schwer die Folgen der Umstellung beurteilen, auch wenn die Akzeptanz in der Hauptversammlung groß war. Die Einnahmesituation entsprach in den ersten Monaten dieses Jahres der in den Vorjahren. Zum jetzigen Zeitpunkt kann festgehalten werden, dass die Umstellung akzeptiert wurde. Die Zahl der Mitgliedsgemeinden ist nicht signifikant gesunken. Der Gemeindemitgliederbestand beträgt 335. Das neue Beitragssystem hat bislang zu keinen Einnahmeverlusten geführt. Das ist eine Momentaufnahme, endgültige Zahlen liegen noch nicht vor. Dazu muss das Jahresende abgewartet werden. Der Hauptversammlung vom 29. bis 31. Oktober 2009 in Frankfurt am Main wird ein ausführlicher Bericht vorgelegt.

Insgesamt hat sich die Finanzlage nach den gegenwärtigen Kennzahlen konsolidiert. Im letzten Jahr mussten zwar noch rund 30.000,- EUR den Rücklagen entnommen werden, um den Haushalt auszugleichen. Gründe dafür sind im wesentlichen geringere Einnahmen bei den Mitgliedsbeiträgen und höhere Ausgaben beim Geschäftsaufwand. Das Moderamen hat deutlich im Blick, dass das kein Zukunftsmodell ist. Generalsekretär und Schatzmeister bemühen sich, Rücklagenentnahmen 2008 zu vermeiden. In den letzten Jahren sind die Finanzen des Reformierten Bundes geordnet worden – allerdings unter Verlust der Immobilien in Wuppertal. Einiges ist noch zu tun.

Zur langfristigen Unterstützung der Aufgaben und Projekte des Reformierten Bundes ist die „Calvin-Stiftung zur Förderung des Reformierten Protestantismus“ gegründet worden. Die Errichtung dieser Stiftung erfolgte aus rechtlichen Gründen durch die Lippische Landeskirche. Die Lippische Landessynode hat einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die Satzung liegt zur staatlichen Genehmigung beim Regierungspräsidium in Detmold, anschließend muss sie noch durch die die Oberfinanzdirektion Münster anerkannt werden. Das Moderamen hat als Grundstock der Stiftung 50.000 Euro zur Verfügung gestellt wird. Zweck der Stiftung ist die Förderung des reformierten Protestantismus.

Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch:

Information und Forschung über den reformierten Protestantismus und die Geschichte des reformierten Protestantismus,

Informationsaustausch und Kommunikation zwischen reformierten Gemeinden, Kirchen und Einrichtungen,

die Förderung von Projekten, Initiativen oder Einrichtungen, die Informationen über den reformierten Protestantismus vermitteln,

die Förderung und Durchführung von Veranstaltungen, die der Verbreitung von Informationen über den reformierten Protestantismus dienen.

Folgende Projekte sollen in der Zukunft gefördert werden:

reformiert-info. Internetangebot des Reformierten Bundes mit weitgehenden Informationen zur reformierten Tradition, zu aktuellen Themen, zu aktuellen Veranstaltungen und Projekten. Mittel sind erforderlich für einen Erweiterung des „Personals“ (bisher eine 400-Euro-Stelle),

„Schöne reformierte Kirche“ (Arbeitstitel). Mit diesem neuen Projekt werden Kirchengemeinden angesprochen, die reformierte Kirchbauten der verschiedenen historischen Stadien und Konzeptionen bzw. architektonischen Prinzipien in möglichst „reiner“ Form erhalten und mit den Bauten inhaltliche Konzepte verbinden. Einzelprojekte sind u.a. ein Flyer und ein Buch als Projekt der Öffentlichkeitsarbeit, Tagungen zu Themen wie: „Reformierter“ Raum – reformierte Spiritualität; Raum-Gemeinde-Konzept.

Einzelprojekte im Calvinjahr 2009, z. B.Calvintag (10. Juli 2009) und Calvintage in der Region

Langfristig soll die Calvin-Stiftung zur Förderung des Reformierten Protestantismus den Reformierten Bundes von verschiedenen, konkreten Projekten (s.o.) entlasten und die Kooperationen der reformierten Landeskirchen bei reformiert geprägten Projekten unterstützen.

Als Zielgruppe für Zustiftungen bzw. Unterstützung von Projekten, für die die Stiftung Gelder einwirbt, sind (emeritierte) Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem reformierten Bereich, reformierte Gemeinden des Bundes, die – etwa bei Fusionen – Vermögen einbringen wollen, und Einzelmitglieder des Bundes im Blick; ebenso Landeskirchen, die dem Reformierten Bund nahe stehen, sowie an der reformierten Tradition Interessierte. Für die Unterstützung von Projekten, für die die Stiftung Gelder einwirbt, sollen darüber hinaus Personen und Institutionen angesprochen werden, die ungern dem Reformierten Bund Spenden geben möchten, sondern lieber einer Stiftung. Der Reformierte Bund folgt damit dem sog. Stiftungsboom. Das Moderamen meint gleichwohl, dass darin eine Chance liegt, den Reformierten Protestantismus in Deutschland langfristig zu fördern. Es sieht darin auch Chancen, einen weiteren Personenkreis ansprechen zu können, der sich durch den Reformierten Bund als eingetragenen Verein nicht angesprochen fühlt. Das Moderamen wird nach staatlicher Anerkennung im Herbst Vorstand und Kuratorium bestimmen. Anschließend soll gezielt für die „Calvin-Stiftung zur Förderung des Reformierten Protestantismus“ geworben werden. Dazu bietet das Calvin-Jahr 2009 besondere Gelegenheiten.


Dr. Arno Schilberg, Detmold
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