''Wie kann ich denn wissen, ob ich gerettet oder verdammt bin?''

Johannes Calvin antwortet

©Foto (bearb.)Andreas Olbrich

In seiner 1551 verfassten und 1562 gedruckten Schrift ''Von der ewigen Erwählung Gottes'' antwortet Calvin auf die Frage, wie ein Mensch im Glauben Gewissheit darüber haben kann, erwählt zu sein.

„ ... Willst du also Gewissheit darüber haben, ob du erwählt bist? Dann sieh dich selbst in Jesus Christus an! Denn alle, die im Glauben mit Jesus Christus wahrhaft verbunden sind, dürfen ganz sicher sein, dass sie zum Kreis der ewigen Erwählung Gottes gehören und zu seinen Kindern zählen. Jeder also, der „in Christus“ ist und durch den Glauben ein Glied seines Leibes, wird seines Heils gewiss, und wenn wir uns darüber Klarheit verschaffen wollen, dürfen wir nicht hoch hinaufsteigen, um Dinge zu erforschen, die uns zur Stunde noch verborgen bleiben sollen, sondern Gott selbst steigt zu uns herab. Von woher: das zeigt er uns in seinem Sohn, als ob er uns sagen wollte: Hier bin ich, schaut mich an und erkennt, wie ich euch zu meinen Kindern angenommen habe! Wenn wir also dieses Zeugnis des Heils annehmen, das uns mit dem Evangelium gegeben ist, dann erkennen wir mit letzter Gewissheit, dass Gott uns erwählt hat. Deshalb brauchen die Glaubenden an ihrer Erwählung nicht zu zweifeln, sondern dürfen sie für eine fest beschlossene Sache halten. Seit sie durch die Predigt des Evangeliums zum Glauben berufen sind, sind sie Teilhaber an der Gnade unseres Herrn Jesus Christus und an der Verheißung, die er ihnen in seinem Namen gegeben hat. Denn unser Herr Jesus Christus ist das Fundament von beidem: der Verheißungen des Heils und unserer gnädigen Erwählung, die seit der Erschaffung der Welt feststeht. ...“

Johannes Calvin, Von der ewigen Erwählung Gottes (1551) 1562,
in: Calvin-Studienausgabe Band 4: Reformatorische Klärungen (CStA 4), hrsg. von E. Busch, M. Freudenberg, A. Heron, Chr. Link, P. Opitz, E. Saxer, H. Scholl, Neukirchen-Vluyn 2002, 142f.


Barbara Schenck
Zur Auseinandersetzung mit Max Webers These über den Zusammenhang von Calvinismus und Kapitalismus

Tagebuchaufzeichnungen reformierter 'Puritaner' aus dem 17. Jahrhhundert widerlegen die popularisierte Max-Weber-These. Calvinisten schufteten nicht aus Angst, verworfen zu sein. Von Frank Jehle, St. Gallen
Ein Überblick von Johannes Calvin über Karl Barth bis Letty Russell. Von Margit Ernst-Habib

Wohl kaum eine andere theologische Lehre ist durch die Jahrhunderte hindurch als für die reformierte Tradition so charakteristisch verstanden worden; wohl kaum eine andere Lehre ist – außerhalb und innerhalb – der reformierten Tradition so oft verzeichnet, missverstanden oder karikiert worden wie die Lehre von Gottes Erwählung oder Prädestination.