Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Martin Luther

(1483-1546)

Martin Luther (1483-1546)

Von Wittenberg aus eröffnete Martin Luther die Reformation und veränderte damit Europa. Luther entdeckte die Gerechtigkeit Gottes in den Worten des Apostel Paulus, Römer 1,17: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ – Iustus ex fide vivit“.

Martin Luthers Lebenslauf
1483
Martin Luther wird im thüringischen Eisleben als Sohn des Bergmanns Hans Luther und seiner Frau Margarethe, geb. Ziegler, geboren.
1501 Luther immatrikuliert sich an der Universität Erfurt. Beginn des damaligen Grundstudiums der freien Künste, später der Rechte.
1505 Martin Luther wird auf dem Weg nach Erfurt während eines Gewitters fast von einem Blitz erschlagen. Dankbar für die Rettung gelobt er, Mönch zu werden. Am 17. Juli nimmt ihn das Erfurter Augustiner-Kloster als Novizen auf.
1506 Luther wird zum Priester geweiht. Am 2. Mai liest er seine erste Messe (Primiz). Der Generalvikar Johann von Staupitz rät Luther zum Studium der Theologie.
1508 Im Herbst legt Luther sein endgültiges Mönchsgelübde ab. Beginn starker innerer Glaubenskämpfe.
1508 Im Wintersemester hält Luther auf Vermittlung von Staupitz’ an der renommierten Universität zu Wittenberg vertretungsweise die Vorlesungen über Moralphilosophie.
1510 Im November schickt von Staupitz Martin Luther gemeinsam mit einem Ordensbruder nach Rom, um dort über Angelegenheiten des Augustiner-Ordens zu verhandeln.
1511 Martin Luther wird ins Kloster von Wittenberg versetzt. Er übernimmt an der dortigen Universität den bisher von Staupitz betreuten Lehrstuhl für Theologie.
1512 Luther promoviert zum Doktor der Theologie.
1513 Im Frühjahr macht Luther (nach seiner eigenen Schilderung) die reformatorische Entdeckung im Turm des Schwarzen Klosters zu Wittenberg (Turmerlebnis). Die neue Erkenntnis am Begriff der Gerechtigkeit Gottes sei ihm im Zusammenhang mit der Bibelstelle Römer 1,17 aufgegangen. Die Datierung der reformatorischen Entdeckung wird historisch auf den Zeitraum 1513-1518 datiert.
1517 In einem Schreiben an die Bischöfe von Mainz und Magdeburg prangert Luther die Ablasspredigten des Johann Tetzel an; seinen Briefen legt er 95 Thesen bei, die sich gegen den Ablasshandel wenden. Die Thesen werden auch an der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen und finden schnelle Verbreitung sowie unerwartet starke Resonanz.
1518 In einer auf Deutsch verfassten, leicht verständlichen Schrift erklärt Luther seine (eher für die wissenschaftliche Diskussion gedachten) Thesen; beim einfachen Volk wächst Luthers Popularität. Am 7. August wird Luther nach Rom befohlen, da der Vatikan die Thesen für ketzerisch hält. Luther leistet der Aufforderung nicht Folge. Daraufhin zitiert ihn der päpstliche Legat Cajetan zu einer Unterredung nach Augsburg; dort verweigert Luther den geforderten Widerruf seiner Thesen.
Von Staupitz entlässt Luther aus seiner Gehorsamspflicht gegenüber dem Augustiner-Orden, um ihn vor der Inquisition zu schützen. Luther trägt jedoch weiterhin die Mönchskutte. Er flüchtet von Augsburg nach Wittenberg, Cajetan verlangt Luthers Auslieferung. Im Dezember lehnt Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen es gegenüber Papst Leo X. ab, Martin Luther der kirchlichen Gerichtsbarkeit in Rom zu überstellen.
1519 Karl V. wird zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Während eines Disputes bestreitet Luther die Unfehlbarkeit des Papstes.
1520 Der Papst erlässt die Bulle "Exsurge Domine" mit der Androhung des Bannes gegen Luther. Im Oktober werden in einigen deutschen Städten die Schriften Luthers auf den Scheiterhaufen geworfen. Luther verbrennt daraufhin zwei Monate später in Wittenberg öffentlich die päpstliche Bann-Bulle.
1521 Über Luther wird endgültig der Bann verhängt. Im Februar fordert der päpstliche Gesandte Aleander vom Kaiser den Vollzug der Verurteilung. Im März wird Luther vor den Reichstag in Worms geladen. Am 17. und 18. April verteidigt Luther seine Schriften und Ideen vor dem Reichstag; den geforderten Widerruf leistet er nicht. Zwar kann Luther am 26. April unter kaiserlichem Geleit Worms verlassen, kurz darauf werden jedoch durch das Wormser Edikt seine Lehren verboten, die Reichsacht wird über ihn verhängt. Er findet Zuflucht auf der Wartburg; im Dezember beginnt er dort die Übersetzung des Neuen Testaments, die er in elf Wochen fertig stellt.
1522 Im September erscheint, ohne Nennung des Übersetzers, Luthers "Das Neue Testament Deutsch".
1523 Der Reformationsgedanke verbreitet sich: Nonnen und Mönche treten aus ihren Klöstern aus. In Brüssel wird ein Anhänger Luthers verbrannt.
1524 Beginn der Bauernaufstände. Im Oktober legt Luther endgültig die Mönchsrobe ab.
1525 Tod Friedrich des Weisen. Die Bauernaufstände haben sich zum Bauernkrieg ausgeweitet. Im Juni werden die Aufstände blutig niedergeworfen. 5. Juni: Luther heiratet die ehemalige Zisterzienser-Nonne Katharina von Bora.
1526 Angesichts des Vormarsches türkischer Truppen beschließt der 1. Reichstag zu Speyer, die Entscheidung über Konfessionsfragen in die Hände der jeweiligen Landesherren zu legen. Als die evangelisch gesinnten Teilnehmer auf dem 2. Reichstag im Frühjahr 1529 gegen die Aufhebung dieses Beschlusses protestieren, entsteht die Bezeichnung "Protestanten".
1529 Luther veröffentlicht den Kleinen und Großen Katechismus.
1530 Auf dem Augsburger Reichstag vertritt Luthers Freund Melanchthon die Ideen der Reformation. Am 25. Juni verliest Melanchthon ein erstes öffentliches Bekenntnis zum Protestantismus (confessio augustana).
1532 Der Nürnberger Religionsfriede ermöglicht die Ausbreitung des Protestantismus.
1534 Luther veröffentlicht seine erste Gesamtübersetzung der Bibel.
1544 In Torgau wird die erste neugebaute protestantische Kirche eingeweiht. Evangelischer Gottesdienst wurde schon seit 1521 in Wittenberg gefeiert.
1546 Am 18. Februar stirbt Dr. Martin Luther in Eisleben. Er wird am 22. Februar in Wittenberg beigesetzt.

Quelle: Homepage der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Martin Luther und die reformierte Reformation
Zwingli und Calvin waren Schüler Luthers, die den Schritt wagten, über ihren "Meister" hinauszugehen (vgl. Barth, 96). Sie waren über die dogmatischen Probleme, über die Lehre von Gott hinaus, getrieben von der ethische Frage: Wie sieht das Leben der Menschen aus? In ihrer Zeit, in der Welt? Schematisch vereinfachend gesagt: Luther war das Himmelreich näher als die Welt; den reformierten Reformatoren war das, was in der Welt geschah ganz nah, das Himmelreich rückte dabei wieder ferner (ebd. 99). Der Glaube war Luthers eigentliches Herzensanliegen, nicht die Werke, "die reine Begründung der Tat", nicht "der Wille zur Tat" (ebd. 102). Dabei zeigte Luther durchaus, dass seine Gotteserkenntnis ethisch gemeint sei, "dass die Kinder Gottes in der Welt, in ihrem Beruf, im Rahmen der durch die Schöpfung gegebenen Ordnungen (...) das gute Werk der Liebe treiben könnten und müssten". Calvin hingegen zeigte, dass seine Ethik als Gotteserkenntnis gemeint sei, und konnte darum "in paradoxem Widerspruch zu dem Gehorsam, den er vom Willen des Menschen für seinen Gott forderte, die Majestät und Verfügungsgewalt dieses Gottes nicht hoch genug hinauftreiben" (ebd. 106).
Dieser Unterschied lässt sich auch daran festmachen, wie Luther und Calvin die reformatorische Entdeckung "Der Gerechte wird aus Glauben leben" aussprechen. Während Luther sagt: "Der Gerechte wird aus Glauben leben.", betont Calvin: "Der Gerechte wird aus Glauben leben."
Im Marburger Religionsgespräch 1529 rief Luther den Reformierten (sinngemäß) zu: "Ihr habt einen anderen Geist als wir!" – "sonnder ist offenbar, das wir nicht ainerley gayst haben" (WA 30/III,150,5-9).
Im 20. Jahrhundert gelang in der Leuenberger Konkordie (1973) eine Verständigung zwischen Lutheranern und Reformierten in der Abendmahlsfrage.

Literatur:

Karl Barth, Die Theologie Calvins 1922, hrsg. von Hans Scholl in Verbindung mit Achim Reinstädtler (Karl Barth-Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1993


Barbara Schenck
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
Ein historisches Treffen

Martin Luther und Ulrich Zwingli konnten ihren schon lange schwelenden Streit über die Bedeutung des Abendmahls auch bei einem persönlichen Treffen nicht überwinden.
von Klaus Bröhenhorst

Über Verbindendes und Trennendes zwischen Martin Luther und Johannes Calvin und über unsere Schwierigkeiten, über den garstigen Graben von 500 Jahren hinweg dem Denken und Fühlen der beiden ''großen Männer'' nachzuspüren
 

Nach oben    E-Mail