Die Prädestination

Von Léopold Schümmer, Brüssel

©Andreas Olbrich

Der erwählte Gläubige, der in aller Ruhe in der Vorhersehung Gottes lebt, fürchtet nichts und niemanden, denn er weiss, dass nichts den allmächtigen Herrn daran hindern wird, die Geschichte zu ihrem Abschluss, das heisst zur endgültigen Wiederherstellung zu bringen, und sie ins ewige Reich seines Sohnes zu führen."

"Calvin stellt einen weiteren Begriff, mit der Berufung in Zusammenhang, denjenigen der Prädestination. Es handelt sich dabei um einen Aspekt der Herrschaft Gottes, der sein Werk zu seinem Ziel führt: die endgültige Wiederherstellung bei der Parusie. Durch die Prädestination ist der Mensch all seiner Ansprüchen entledigt und erkennt, dass er alles vom Herrn erhält. Die Lehre Calvins zu diesem Punkt kann in vier Sätzen zusammengefasst werden:
• Die Prädestination präsentiert sich nie als Erklärung, sondern als Geheimnis, welches Gott und den Menschen umhüllt.
• Es ist verabscheuungswürdig und verboten, Überlegungen zu diesem Dogma anzustellen, in dem über die Anzahl der Erwählten und Verstossenen spekuliert wird, da nur Gott allein diese kennt.
• Gott prädestiniert nicht zum Schlechten. Es ist der Mensch, der durch eigenes Verschulden zu Fall kommt.
• Der einzige Sinn aller Betrachtungen liegt im Dialog, in dem Gott dem Menschen offenbart, dass er zuerst geliebt wurde, derweil seine Unwürdigkeit nichts als den Tod verdient hätte, und dass er zur „Herde“ von Jesu Christi gehört.
Das Wesentliche dieser Lehre ist: den Gläubigen, die von der damaligen Kircheninstitution exkommuniziert wurden, ein unerschütterliches Gefühl der persönlichen Gemeinschaft mit Gott zu vermitteln. Eine Gewissheit, die weder durch ein Individuum noch durch eine Institution ins Wanken gebracht werden kann. ..."

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Quelle: www.calvin09.org