Termine
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps
Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.
Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik
Portrait über Kathrin Oxen
NDR-Info am Sonntag, dem 5. Februar um 6.05 Uhr und um 17.05 Uhr
''Verstecken ist unmöglich. Pastorin Kathrin Oxen – mehr als ein Predigttalent''
''Schuften bis zum Umfallen''
Richterinnen aus Kamerun im Einsatz für Frauenrechte
8. Februar 2012, 15 Uhr: Filmnachmittag im Gemeindehaus der Kilianskirche, Am Kirchplatz in Schötmar
WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.
Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.
''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück
''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012
''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.
Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012
Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)
Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion
Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.
Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)
Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden
Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.
Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.
Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.
''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf
Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)
''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012
Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.
6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012
Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.
Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz
GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.
Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf
Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.
Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant
''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentagspräsidium in Erfurt beschlossen.
450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013
Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn
Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.
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Normalerweise assoziieren wir mit einem Brunnen etwas Positives: Eine Quelle. Eine Erfrischung. Wasser! Eine Predigt von Simon Froben (Bayreuth) über Wasser, in dem Verderben liegt.
Normalerweise assoziieren wir mit einem Brunnen etwas Positives: Eine Quelle. Eine Erfrischung. Wasser! Aber gleich bei der ersten Brunnengeschichte werden wir deutlich daran erinnert, dass die ersten Brunnen, die in der Bibel erwähnt sind, die Brunnen sind, aus denen die zerstörerischen Wasser der Sintflut emporsteigen (1. Mose 7,11) – Brunnen des Verderbens. Der Brunnen, um den es in 1. Mose 37 geht, führt uns in eine Tiefe, in der Lebenskraft liegen kann, aber auch Verderben – der Brunnen der Vergangenheit.
Jakob hatte von allen seinen Söhnen den Joseph am liebsten, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb ließ er ihm ein prächtiges Gewand machen. Als seine Brüder sahen, dass der Vater ihn mehr liebte als sie alle, wurden sie so neidisch, dass sie kein freundliches Wort mehr mit Joseph redeten.
Außerdem hatte Joseph Träume. Als er diese Träume seinen Brüdern erzählte, wurden sie noch böser auf ihn. Eines Tages, als die Brüder mit den Herden auf den Weiden waren, gab Jakob dem Joseph den Auftrag:
„Erkunde, wie es deinen Brüdern geht! Sieh zu, ob bei den Herden alles in Ordnung ist, und bring mir dann Bescheid!“ So schickte Jakob ihn aus ...
Die Brüder sahen Joseph schon von weitem. Während er sich näherte, fassten sie den Plan, ihn zu töten. Sie sagten zueinander: „Da kommt der Kerl, dem seine Träume zu Kopf gestiegen sind! Schlagen wir ihn doch tot und werfen ihn in die nächste Zisterne! Wir sagen einfach: Ein Raubtier hat ihn gefressen. Dann wir man schon sehen, was aus seinen Träumen wird!“
Ruben aber wollte Joseph retten, „Lasst ihn am Leben!“sagte er. „Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da drüben in der Steppe, aber tut ihm nichts zuleide.“ Er hatte die Absicht, Joseph heimlich herauszuziehen und zu seinem Vater zurückzubringen.
Als Joseph bei ihnen ankam, zogen sie ihm sein Prachtgewand aus, packten ihn und warfen ihn in die Zisterne. In der Zisterne war gerade kein Wasser. Dann setzten sie sich zum Essen. Auf einmal sahen sie eine Karawane mit ismaelitischen Kaufleuten aus der Richtung von Gilead herankommen. Die Ismaeliter waren auf dem Weg nach Ägypten; ihre Kamele waren mit den kostbaren Harzen ... beladen. Da sagte Juda zu seinen Brüdern: „Was nützt es uns, wenn wir unseren Bruder umbringen? Wir werden nur schwere Blutschuld auf uns laden. Lassen wir ihn leben und verkaufen ihn den Händlern; er ist doch unser Bruder!“Die anderen waren einverstanden.
So verkauften sie Joseph für 20 Silberstücke an die Ismaeliter, die ihn nach Ägypten mitnahmen.
Liebe Gemeinde!
Die Söhne Jakobs sind in ihrem Leben viel herumgekommen. Noch im Kindesalter zogen sie mit Jakob vom Ostland nach Sichem in Kanaan, als Viehhirten kannten sie dann schon bald im weiten Umkreis des Landes die guten und die schlechten Weiden, und später dann, als Dürre und Hungersnot über das Land kamen, mussten sie mehrmals ins ferne Ägypten ziehen, denn dort waren die Kornspeicher voll – trotz der Dürre. Das lag daran, dass der ägyptische Pharao einen besonders klugen Haushalter hatte. Joseph war sein Name. Auch er ein Weitgereister. Auch er ein Sohn eben des schon genannten Jakob von Sichem. Ein Bruder also der anderen Söhne Jakobs sollte man meinen. Aber war er, der Joseph, das wirklich noch: Bruder? Oder war diese Bruderschaft erloschen, ausgetilgt aus dem Buch der Lebenszusammenhänge? Ausradiert durch die schändliche Tat der Jakobsöhne an ihrem Bruder Joseph, als sie ihn in die Zisterne, in den Brunnen warfen und als Sklaven nach Ägypten verkauften?
Diese Brunnengeschichte haben wir bereits als Lesung gehört. Was mögen Sie wohl gedacht haben, die Söhne Jakobs, die Rubens und Issachars, Levis und Sebulons, wenn sie viele Jahre später an diesem Josephsbrunnen bei Dotan oder auch an anderen Brunnen vorbeizogen? Jahrelang haben sie ihre Tiere hier geweidet, sich selbst an den Brunnen und Zisternen des Landes mit frischem Wasser gelabt und dabei schon lange nicht mehr an das bittende Flehen und Klagen gedacht, dass da nach vollbrachter Tat aus dem Josephsbrunnen zu ihnen emporstiegen war. Aber nun, in der Not, als sie sich selbst als jammervolle Bittsteller auf den Weg ins ferne Ägypten machen mussten, da mögen sie sich wieder dieses Brunnens erinnert haben. Unwillig. Ein Klagen, ein Flehen aus der Vergangenheit, nicht unähnlich dem eigenen Jammer nun in der Hungersnot. Was mögen Sie wohl gedacht haben, die Söhne Jakobs, die Simeons und Benjamins, die Gads und Naftalis, wenn dieses längst vergessene Flehen wieder in ihre Ohren stieg, wenn sie einen der Brunnen auf dem langen Weg nach Ägypten nur von Ferne sahen? Auch diese Brunnen waren nun, genau wie einst der Josephsbrunnen, ausgetrocknet und leer. So wiederholt sich die Geschichte.
Was also mögen Sie wohl gedacht haben, die Söhne Jakobs, die Judas, Dans und Assers? Jetzt, wo ihre Vergangenheit sie einholte, wo es aus den Tiefen ihrer eigenen Vergangenheit rumorte und polterte, das dem Betrachter nur Angst und Bange werden kann, jetzt wo das vermeintlich Vergangene, längst Abgeschlossene wieder emporkam mit dem Verwesungsgeruch des alten Neides, der gescheiterten Bruderliebe und – ja auch! –der Schuld?
Was mögen Sie wohl gedacht haben, die Söhne Jakobs? Die Antwort auf diese Frage ist überraschend kurz: Nichts! Sie haben schlichtweg nichts gedacht. Oder: Zumindest ist in der Bibel nichts überliefert. Da steht eben nicht – wie mancher es wohl erwartet hätte –, dass der Anblick von Brunnen den untreuen Brüdern zeitlebens oder doch zumindest jetzt, in der eigenen Not, im eigenen Flehen irgendein besonderes Unbehagen bereitet hätte. Ein Unbehagen, das noch über das Unbehagen hinausgeht, das sie natürlich in ihren leeren und durstgequälten Mägen immer dann besonders deutlich spürten, wenn sie an so einem von der Dürre ausgetrockneten Brunnen vorbei kamen.
Nichts haben sie gedacht! Auch nicht, als sie Joseph, der seine einstigen Peiniger natürlich sofort wieder erkannt hat, direkt gegenüber standen, Auge in Auge. Noch nicht einmal erkannt haben sie ihn. So weit hatten sie das Geschehene verdrängt. Verbannt aus dem reichen Buch der Erinnerungen. Tabu war das. „Joseph? Wer ist Joseph?“
Liebe Gemeinde!
„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“Mit dieser kurzen Feststellung und mit dieser Frage beginnt der erste Teil von Thomas’ Manns epochalem Roman „Joseph und seine Brüder“. „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? ... Da denn nun gerade geschieht es, dass, je tiefer man schürft, je weiter hinab in die Unterwelt des Vergangenen man dringt und tastet, die Anfangsgründe des Menschlichen, seiner Geschichte, seiner Gesittung, sich als gänzlich unerlotbar erweisen und vor unserem Senkblei, zu welcher abenteuerlichen Zeitenlänge wir seine Schnur auch abspulen, immer wieder und weiter ins Bodenlose zurückweichen.“
Thomas Mann hat natürlich nicht nur die Lebensgeschichte einer Generation – etwa die des Joseph und seiner Brüder – vor Augen. Er denkt und schreibt in Zeitaltern. In Äonen. Aber so oder so: Worum es ihm geht und worum es auch in der Josephsgeschichte geht: Das ist das unverbrüchliche, aber auch undurchschaubare Miteinander von Vergangenheit und Zukunft, um die nicht auslotbaren Tiefen des Lebens. Wenn einen etwa die Vergangenheit wieder einholt. Das kann die eigene individuelle Vergangenheit sein, oder auch die familiäre, ethnische, kulturelle, nationale Vergangenheit. Wir schweben in unserem Leben, in dem, was wir als unsere Gegenwart wahrnehmen, eben nicht in einem luftleeren Raum ohne Bezüge. Vielmehr gibt es – zum Teil offen zu Tage tretend, zum Teil aber auch tief verborgen in schier unergründlicher Tiefe unseres Bewusstseins (und in heutiger Zeit mag man auch noch dazusagen: unserer Gene) – enge Verknüpfungen, Prägungen, Abhängigkeiten, ja sogar Gefangenschaften.
So wie Joseph gefangen im Brunnen sitzt, weil seine jüngste Vergangenheit ihn, den Arglosen, der wirklich davon nichts ahnte, eingeholt hat: Der Neid der Brüder, die sich vom Vater zurückgesetzt fühlten. Weil es wirklich eine Affenliebe war, mit der Jakob den Joseph bedachte: Ein bunter schmuckvoller Rock für ihn, den Jüngsten, dem der Vater keine schweren Arbeiten zutrauen mochte. Joseph der Jüngste, das Nesthäkchen, wenn man so will – wer kennt das nicht?: Die Älteren müssen immer alles erarbeiten und die Jüngeren werden auf samtenen Kissen durchs Leben getragen. Ein Klassiker unter den Familienzwisten. Da kann schon einmal Neid aufkommen.
Wenn ich gerade sagte: Joseph, der Jüngste, dann stimmt das nicht ganz: Einen jüngeren Bruder gibt es noch: Benjamin. Aber bei seiner Geburt ist Jakobs geliebte Frau Rahel gestorben und so wurde eben Joseph verhätschelt und bevorzugt – das sind die tieferen Zusammenhänge, die man von außen wohl sehen und wahrnehmen kann, die aber für Joseph selbst sicherlich unergründlich blieben – solange zumindest, bis sie ihn gefangen nahmen, tief unten im Brunnen.
Was mag Joseph sich wohl gedacht haben, dort unten in der Dunkelheit der Zisterne, in der die Fetzen seines neuen Rockes so gar nicht mehr bunt aufleuchten wollten? Ob er nun verstanden hat, warum er da unten saß? Ob er nun verstanden hat, welche Bürde ihm durch die Familienkonstellation als zweitjüngster, hemmungslos geliebter Sohn da auf die Schultern gelegt worden war? Und ob er nun verstanden hat, dass er in seinem bisherigen Leben zu sehr auf die Zukunft geschaut hatte? Das war ja eine besondere Gabe, die Gott ihm verliehen hatte – und wieder konnte er nichts dafür. Seine Träume, die ihm Einblicke in die Zukunft ermöglichten und die ihn schon damals sehen ließen – noch bevor ihn im Brunnen die eigene Herkunft, die eigene Vergangenheit in Form der sinnlosen Gewalt der neidvollen Brüder einholte – die Träume also, die ihn schon damals voraussehen ließen, was viel, viel später in Ägypten passieren würde: Die Brüder neigen sich ehrfurchtsvoll als hungrige Bittsteller vor ihm nieder. Solche Träume hatte Joseph schon als zarter Jüngling, als er noch nicht viel vom Leben wusste. Wie naiv von ihm, mit diesen Träume ausgerechnet vor seinen Brüdern zu prahlen!
Was also mag Joseph sich gedacht haben in der Tiefe des Brunnens? Auch hier wissen wir nichts, können aber immerhin erahnen, dass dieses Brunnenerlebnis ein innerer Wendepunkt in seinem Leben werden sollte. Natürlich war das ein Wendepunkt: Mit einem Mal befand sich Joseph in der wohl undenkbar schlechtesten Lage: Gefangen und verraten von denen, denen er vertraut hatte, die er geliebt hatte. Mit einem Mal war er hilflos und einsam am tiefsten Grund des Lebens.
Aber wir können erahnen, dass dieses Brunnenerlebnis auch ein guter, ja vielleicht sogar notwendiger Wendepunkt im Leben des Joseph war. Dass er gerade hier, am tiefsten Punkt seines Lebens, begann, auch die unergründlichen Gefilde des eigenen Lebens, der eigenen Herkunft und Vergangenheit, die schier unergründlichen Tiefen der eigenen Seele, der eigenen Gefühle zu verstehen. Solche Punkte im Leben gibt es. Und nicht selten sind gerade die Tiefen der beste Lehrmeister, die härtesten aber auch ertragreichsten Wendepunkte. Joseph z.B. lernt nun mit seinen Träumen in guter Weise umzugehen. Diese fast beängstigend zu nennende Fähigkeit des Vorhersehens zum eigenen Vorteil zu nutzen und zu dem anderer. Und Joseph lernt auch – oder zumindest: er beginnt zu lernen, denn noch hat er einen weiten Weg vor sich – Joseph lernt also auch, seine Brüder zu lieben. Richtig zu lieben. Nicht nur: Sich lieben zu lassen, den Brüdern vorzutanzen, vor ihnen zu glänzen. Mit Träumen und mit Kleidern. Das Nesthäkchen. Sondern auch selbst richtig zu lieben. Eine Liebe, die schon fast an Weisheit grenzt. Jahre später in Ägypten als er die Macht hat und seine Brüder sich vor ihm beugen, unwissend noch – sie erkennen ihn nicht -, denn sie haben den Brunnen mit seinem Geschrei aus der Tiefe aus ihrer Erinnerung gelöscht, haben verdrängt, was damals geschah, was sie fühlten, was sie taten. Jahre später also kann Joseph verzeihen. Ja Joseph kann seine Brüder teilhaben lassen an dem eigenen Wachsen und Erkennen im Leben und das nicht als Rache, sondern in geschwisterlicher, bewahrter und mit der Lebenserfahrung auch gewachsener Liebe.
„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“ Joseph hat die Tiefen seines eigenen Lebens, die Tiefen des eigenen Lebensbrunnens ausgelotet. Der vermeintliche versiegte verschüttete Brunnen bei Dotan, der Brunnen, der zunächst ein Gefängnis war, der Brunnen, der scheinbar kein Leben mehr in sich hatte, wird zum entscheidenden Wendepunkt im Leben Josephs. Für Joseph wird diese Brunnenerfahrung, dieses In-die-Tiefe-geworfen-Sein zur Quelle seines weiteren, nun neu beginnenden Lebens, Joseph der Sklave auf dem Weg in die Fremde. Sein Leben beginnt bei Null und hat nun doch nach dieser Brunnengeschichte noch so viel Reichtum für ihn parat.
Liebe Gemeinde!
Es ist eine Hoffnungsgeschichte: Auch Brunnen, die versiegt scheinen, können uns zum Lebensquell werden. Auch Gefangenschaften können Befreiung sein. Auch die Vergangenheit, die Prägung, die Herkunft, die Abhängigkeit, ja die Fehler, die wir haben und gemacht haben, können sich zum Guten wenden, können zum Guten gewendet werden. Wohlgemerkt: Es bleibt eine schmerzvolle Erfahrung, die Joseph hier macht, das darf nicht verschwiegen oder vergessen werden: Verraten und verkauft von den eigenen Brüdern. Wirklich in die Tiefe gestoßen. Hier unten ist das Leben dunkel und kühl, und man fragt sich: Gibt es dort oben Wärme? Gibt es dort oben wirklich noch Licht? Oder scheint die Sonne nur für die anderen? Und Joseph sitzt nackt in diesem Brunnen – im wahrsten Sinne des Wortes von seinen Brüdern „entwürdigt“! Er sieht sein Leben bloßgestellt in schamvoller Nacktheit. Hier unten ist sein Leben nun aller Verschönerung und Beschönigung entkleidet. Eben so wie Joseph von seinen Brüdern entkleidet wurde.
Liebe Gemeinde!
Es gibt in unserem Leben solche und solche Brunnen: Es gibt Brunnen, da müssen wir nur herantreten und können frisches Wasser schöpfen. Es gibt aber auch Brunnen, die sind bedrohlich: Schon wenn wir nur an ihrem Brunnenrand stehen, haben wir ein mulmiges Gefühl. Wir beugen uns über den Brunnenrand und sehen hinab in dunkle Tiefe, wir spüren die Kühle, wir sehen ins Nichts. Schwindelerregend! Es ist, als hätte diese Tiefe eine eigene Anziehungskraft. Bedrohlich! Wie leicht kann ich das Gleichgewicht verlieren und hinabstürzen! Also schnell wieder einen Schritt zurück. Mit pochendem Herzen. Wie schnell ist man doch in so einen Brunnen gefallen! Jede und jeder!
Ja, ich denke, jede und jeder kennt solche Josephsbrunnen: Viele haben schon an ihrem Rand gestanden, fröstelnd von der Kühle, die da aufsteigt, schwankend ob der Schwindel erregenden Tiefe. Und manch einer ist auch schon hineingestürzt in diese Tiefe eines solchen Josephsbrunnens. Wo dann die eigene Vergangenheit wartet, aber auch die Zukunft – das Leben in seiner unbegreiflichen Ganzheit und Tiefe. Das Leben erscheint hier nackt und bloß und doch unerforschlich. Dunkel ist es am Grunde dieses Brunnens und einsam.
Trauer, Krankheit, psychische Belastungen, Familienzwiste, gescheiterte Ehen. Nicht mehr mithalten können im Leben, auf der Arbeit. Sich überfordert fühlen. All das und vieles andere mehr lässt uns nur einen kleinen Blick werfen über den Brunnenrand in diese unergründliche Tiefe. Ängste und Sorgen, Depressionen und Zwänge, Abhängigkeiten, um die wir vielleicht noch gar nicht einmal wissen müssen, die Josepsbrunnen unseres Lebens tragen die unterschiedlichsten Namen. Noch am Mittwoch haben wir im Literaturkreis über ein Buch von Ulla Hahn gesprochen (Ulla Hahn, Unscharfe Bilder), in dem eine Frau und ihr Vater mit einem Mal am Rande eben einem solchen Josephsbrunnens stehen: Weil sie, die Tochter, ihn, den Vater, meinte erkannt zu haben – auf Fotos der Wehrmachtsausstellung. Als deutschen Soldaten mit Stahlhelm, das Gewehr im Anschlag bei der Erschießung von Zivilisten. Der Brunnendeckel ist geöffnet, die Geschichten der Vergangenheit steigen empor – unscharfe Bilder, Geister, Dämonen. Nackt und bloß.
Die Josephsbrunnen unseres Lebens tragen wirklich die unterschiedlichsten Namen, und alle sind auf ihre je eigene Weise bedrohlich. Man wird hineingezogen wie in einen Strudel, der in die Tiefe des eigenen Seins, der eigenen Vergangenheit, des eigenen Bewusstseins führt.
Eben davon erzählt uns die Josephsgeschichte. In aller Offenheit und auch Bedrohlichkeit. Und doch: Es ist ohne Zweifel ein Hoffnungsgeschichte: Weil dieser Brunnen, diese Tiefe für Joseph zum Wendepunkt wird im Leben. Weil er es schafft, seine Erfahrungen, seine Erkenntnisse in seinem Leben zu nutzen, sie fruchtbar zu machen. Joseph ist immer noch Joseph und doch ist er ein anderer Mensch. Der junge Joseph im bunten Rock und der alte Joseph als Herr über das Korn in Ägypten. Seine Brunnenerfahrung hat ihn die Lebensquellen finden lassen. Seine Brunnenerfahrung hat ihn gelehrt auch in Dürrezeiten überleben zu können. Ja, hier kann er jetzt sogar anderen, seinen eigenen Brüdern, helfen, das Leben retten. Sie endlich richtig lieben.
Joseph ist nun ein Mann, der um seine Fehler und Unzulänglichkeiten weiß. Ein Mensch, der die Angst kennen gelernt hat und die Dunkelheit und die Tiefe. Ein Mensch, der auch Dinge in seinem Leben erkannt hat, für die er selbst nichts konnte, die ihm sozusagen auferlegt waren – ja, es kann auch schwierig sein, der Jüngste, der Geliebte, zu sein. Und der all das in seiner Unerforschlichkeit gesehen und damit ins Leben zurückgefunden hat. Der Brunnen von Dotan hat ihn gestärkt. Der Brunnen von Dotan ist ihm in all seiner unerforschlichen Tiefe zum Lebensbrunnen geworden.
Amen!
gehalten am 19. Februar 2006 in der Ev.ref. Gemeinde Bayreuth
Simon Froben


