Termine

Reformationsdekade 2012: Reformation und Musik
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps


Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.

Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik


Portrait über Kathrin Oxen
NDR-Info am Sonntag, dem 5. Februar um 6.05 Uhr und um 17.05 Uhr
''Verstecken ist unmöglich. Pastorin Kathrin Oxen – mehr als ein Predigttalent''

''Schuften bis zum Umfallen''
Richterinnen aus Kamerun im Einsatz für Frauenrechte

8. Februar 2012, 15 Uhr: Filmnachmittag im Gemeindehaus der Kilianskirche, Am Kirchplatz in Schötmar

WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.

Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.

''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück


''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012

''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein ­lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.

Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012


Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)

Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion

Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.

Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)

Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden

Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.

Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.

Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.

''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf

Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)


''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012

Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.

6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012


Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.

Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz


GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.

Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf

Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.


Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant


''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentags­präsidium in Erfurt beschlossen.

450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013


Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn


Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.



Matthäus 6, 12

Die 5. Unser-Vater-Bitte und die Diskussion um Schuldenerlass

Wem Gott die Schulden erlässt, damit er frei wird, der kann seinen Mitmenschen unter der Last der Schulden nicht umkommen lassen. Von Jochen Denker.

Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern

Ihr Lieben,

Schulden! Viele, fast alle haben welche. Die einen, weil sie sich etwas leisten wollen, was sie sich eigentlich nicht leisten können. Andere, weil das Geld für das Notwendigste mehr als knapp ist. Wiederum andere haben welche, weil sich Schulden machen „lohnt“. Kein größeres Unternehmen, dass keine Kredite für notwendig Investitionen aufnähme. Aber auch der Privatmensch kann von Schulden „profitieren“. Wer hätte sein Haus ohne „Schulden“ gebaut? Wer setzte sie nicht von der Steuer ab, schmälerte also durch private Schuld seine Steuerschuld und wäre nicht dankbar dafür, dass die Allgemeinheit ihm hilft, seine Schulden abzubauen.

Wohl fast alle leben mit Schulden oder haben damit lange Zeit gelebt und wer keine hat, der hat sie ohne es zu wollen oder darauf direkten Einfluss zu haben als Staatsbürger. Gestern Abend entfielen auf jeden Bundesbürger 18.179,- € Bundesschuld. Die Länder und Kommunalschulden gar nicht mitgerechnet.

Schulden sind also etwas, mit dem wir leben, zum Teil gut leben.

Aber es gibt eben auch das, was man Über-schuldung nennt. Schulden, die auf ein Maß angewachsen sind, das nicht mehr zurückbezahlt werden kann. Auch das gibt es; in Betrieben ebenso wie im Privatbereich. 2006 gab es fast 100.000 Privatinsolvenzen und über 3 Millionen Haushalte, die als überschuldet galten.

Schulden und die Dynamik, die sie entwickeln können ist nicht nur ein Thema der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Schon die Bibel spricht davon und in der Sozialgesetzgebung des Alten Testamentes spielt die Frage nach dem Umgang mit Schulden eine große Rolle.

Schuld, die mit Zins zurückzuzahlen war gab es schon damals. Übrigens mit Zinssätzen bis zu 60%, wie wir z.B. aus Leihvertragsfunden aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert wissen. Und wenn die Schuld nicht mehr bedient werden konnte, gab es ein Pfändungsrecht, das sich nicht nur auf materiellen Besitz, sondern sogar auf die Familienmitglieder erstreckte, also in Schuldsklaverei führte.

Was anfangs vielleicht als Einzelschicksal erschien, wurde nicht selten zu einer Seuche, die ganze Gesellschaften in den Ruin zu treiben drohte. Die Schere von Arm und Reich ging soweit auseinander, dass ein Gemeinwesen zerrissen wurde. Die Propheten wissen davon zu erzählen.

Sehr früh begann man staatlicherseits gegenzusteuern. Schon ca. 2500 v.Chr. sind uns Schuldenerlasse der König des Zweistromlandes überliefert. Diese Erlasse fanden unregelmäßig statt und waren darum auch unberechenbar. Sie oblagen der Einschätzung der Regierenden und die hielten es damit eher willkürlich.

In Israels ältestem Rechtsbuch, dem so genannten Bundesbuch (2. Mose 20,22-23,33), das unmittelbar nach den 10 Geboten beginnt, finden wir ganz in dieser Richtung auch Regeln zur Freilassung von Schuldsklaven und ein grundsätzliches Zinsverbot. Bis ins 18. Jahrhundert hat man dieses Zinsverbot christlicherseits für sehr wichtig gehalten und erst danach langsam und dann geradezu galoppierend vergessen. Selbst innerhalb der Kirche ist es verwaltungsrechtlich verboten, zinsfrei Darlehen anzubieten. Was kaufmännisch und betriebswirtschaftlich klug scheint, muss noch lange nicht biblisch recht sein!.

Insbesondere für den Leihverkehr in der eigenen Gemeinschaft schreibt das 5. Buch Mose darüber hinaus ein Erlassjahr fest (5. Mose 15). Alle 7 Jahre sollen alle Schulden erlassen werden. Berechenbar, nicht willkürlich sollte diese Befreiung sein und verhindern, das Schulden sich anhäufen und generationenübergreifende „Schuldenkarrieren“ entstehen. Klar stellte sich da auch die Frage, wer denn im 6. Jahr überhaupt noch was verleiht. Dieser Frage begegnet man mit dem Hinweis darauf, dass es Gott selber dem, der helfen kann, es aber wegen des nahe bevorstehenden 7. Jahres nicht tut, als Sünde, als Trennung von ihm anrechnen wird. Freizügig geben ist ein Gottes Gebot! Mehr noch: Man soll so großzügig und selbstlos leihen, dass sich die Lage des Schuldners wirklich verbessert, den das ist der beste Weg, dass er die Schuld auch zurückzahlen kann.

Aber immer wieder finden sich Spuren in der Bibel, in denen es um das Erlassen von Schulden geht, weil Überschuldung Abhängigkeiten schafft, Armut hervorruft und einen Teufelskreis in Gang setzt, der Leben unmöglich macht. Die Sprüche bringen es auf eine ganz einfach und bis heute gültige Lebensweisheit: „Der Reich herrscht über den Armen, und zum Sklaven gegenüber dem Gläubiger wird, wer eine Anleihe macht“ (Sprüche 22,7). Dass diese Lebensweisheit nicht das letzte Wort hat, dieser Kreislauf durchbrochen wird, dass erklärt das Alte Testament zum Gottes-Gebot, indem es ein Erlassjahr festschreibt.

Ach, das ist doch jetzt alles im Alten Testament gesagt, mag mancher vielleicht denken. Und selbst den Reformierten ist der Gedanke ja nicht wirklich völlig fremd, dass man beim Übergang ins Neue Testament gerade in diesen Fragen von Recht und Geboten eine scharfe Trennlinie zieht und das Neuen Testament stattdessen von der Gnade, von der Liebe und vom Glauben reden hört. Aber was bei einem Höhenflug über die beiden Bibelteile vielleicht auf den ersten, flüchtigen Blick richtig zu sein scheint, wird nicht nur schwierig, sondern auch falsch, wenn man in die Tiefe geht. Von der Tora, der Weisung Gottes, zu der auch der regelmäßige Schuldenerlass und der Kampf gegen Überschuldung gehört, sagt Jesus im Matthäusevangelium: „Kein Jota, kein einziges Häkchen davon soll wegfallen“ (Mt. 5,17f)

Und nun ist es wohl mehr als ein Zufall sein, dass Jesus in dem Gebet, dass er die Seinen lehrt, wörtlich Begriffe verwendet, die zum Schuldenerlassgebot des Alten Testaments gehören.

Wir beten zu Gott, dem Vater: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldner.“ So muss es wörtlich heißen. Die Übersetzung der Lutherbibel mit: „Vergib uns unsere Schuld (in der Einzahl), wie wir vergeben unseren Schuldigern (ein Kunstwort) verengt und moralisiert, was gemeint ist.

Das Gleichnis vom König, der seinem Knecht alle Schulden erlässt, aber dann mit ansehen muss, wie der viel kleinere Schulden bei seinen Nachbarn gerichtlich eintreiben lässt, ist eine Auslegung dieser Unser-Vater-Bitte (Matthäus 18,21-35). Vergebung, Erlass, hat nicht nur eine geistige, moralische, sondern auch eine ganz materielle bis ins finanzielle gehende Seite.

Wen Schulden und Überschuldung drückt, der hört das sehr genau aus der biblischen Botschaft heraus. Die Bauern von Solentiname, die mit Ernesto Cardenal zusammen die Bibel auslegten haben es einmal so umschrieben:

„Wir sollen unseren Schuldigern vergeben. Das kann irgendeine Beleidigung sein. Es können aber auch Geldschulden sein. Ich sage nicht, dass wir unser Geld nicht von einem zurückfordern sollen, der etwas hat, aber einem, der nichts hat, dem sollen wir auch diese Schuld vergeben. Für viele Reiche ist es leichter eine Beleidigung zu vergeben, als eine Geldschuld zu streichen.“

Wir hören es seit Jahren in den Nachrichten, lesen es in der Presse und haben es uns heute morgen noch einmal vor Augen stellen lassen: Schulden sind nicht nur ein Problem von Privatleuten und Firmen in Deutschland, sondern weltweit. Es gibt Schuldenverstrickungen über den ganzen Globus und die Zins-, Zinseszins- und Tilgungslasten würgen ganze Länder.

Es sind Abhängigkeiten entstanden, aus denen sich Länder nicht mehr befreien können. Nicht selten waren es korrupte Regierungen, die Kredite aufnahmen und völlig zweckentfremdet zur eigenen Bereicherung oder zum Kriegführen ausgaben. Den Geldgebern war es da meist recht gleichgültig, wem sie Geld verliehen, Hauptsache der Vertrag war lukrative. Bezahlen müssen die Zeche andere.

Es hat auch auf Druck der Öffentlichkeit in den letzten Jahren Entschuldungen gegeben. Den gesellschaftlichen Kräften, den Politikern und Finanzexperten, die sich dafür stark gemacht haben sei Dank und ich will darin auch ein Wirken vieler Gebeten erkennen und Gott danken.

Es gibt gute Anfänge, die aber nur dann wirklichen Wert haben, wenn sie eben Anfänge sind und nicht Feigenblätter, die anderes notdürftig bedecken sollen.

In Köln und Geneagles hat es 1999 und 2005 Schuldenerlasse der G-8-Nationen gegeben. Aber man sieht heute, wie löchrig deren Umsetzung ist, da es schon private „Geierfonds“ gibt, die ehemals staatlichen Schulden nun privatrechtlich eintreiben. Ein rechtsstaatlich geregeltes internationales Insolvenzrecht wäre hier unbedingt nötig.

Die Predigt ist nicht der Ort, an dem ich als Laie große, geborgte Analyse vorlegen soll. Es ist im Konkreten nämlich immer noch mal komplizierter als man denkt. Der Teufel steckt immer im Detail.

Aber wie wäre es, wenn in der Frage des globalen Wirtschaftens und der Kapitalströme der Teufel das Detail schon lange verlassen hätte und im System steckte, in der Zielrichtung, in der Dynamik als solcher? Wir alle als einzelne, als Kirchen, als Gesellschaften stecken im System.

Seid der Kommunismus und Sozialismus als Alternativmodelle im Praxistest eingegangen scheinen, sind wir alle dem Experiment „Kapitalismus“ ausgesetzt. Fast alle „Ismen“ haben sich in der Menschheitsgeschichte als lebensfeindlich erwiesen und auch dem letztgenannten ist diese Bescheinigung schon ausgestellt und wird früher oder später auch überreicht.

Am letzten Sonntag haben wir auf den 1.Timotheusbrief gehört und auf seinen Aufruf, dass der Gemeinde „vor allen Dingen“ das Gebet für die Könige und Mächtigen aufgegeben ist.

Bei allem notwendigen Ringen um Alternativen, um Entschuldungskampagnen, um redliche und schrittweise realistische Vorschläge, der Verschuldung und ihrer Folgen beizukommen, tut in der Tat dies Gebet not! Das Gebet für die, die Macht haben, dass sie ihre Möglichkeiten nutzen. Das Gebet, dass sie in ihren Entscheidungen frei und nicht selber Knechte und Schuldner einzelner Lobbys sind. Das Gebet, dass Gottes Geist nicht nur einmal am Pfingsttag, sondern auch noch heute ausgegossen wird auf alles Fleisch, auch auf das politisch aktive, beherberge es eine Christin oder Atheistin, einen Juden, Muslim oder Humanist.

Ihr Lieben, wenn das Gebot Gottes – in diesem konkreten Fall das Gebot des Schuldenerlasses und der Kampf auch um menschliche Gerechtigkeit – in der Wirklichkeit unserer Welt keinen Raum bekommt, dann soll es nicht abgeschafft werden. Frei nach dem Motto: „Das ist doch alles blauäugig, Ideologie, Traumtänzerei!“, sondern dann wird das Gebot zum Gegenstand des Gebetes! Wenn Schuldenerlass nicht praktiziert wird, dann wird das Gebot nicht aufgehoben, sondern ins Gebet genommen, damit Gott selber die Menschen so verändert, dass sein Wille geschehe – auch auf Erden.

Aber täuschen wir uns nicht. Die Bitte, die wir an Gott richten, ist eine Bitte um unser eigenes Tun. Aus unserem Gebet wird ein „gebet“. Gebet frei, erlasst die Schuld. Im Gebet hören wir das Gebot, sprechen es selber über unser Leben als verbindlich aus. Wer die Gabe der Vergebung von Gott erbittet und empfängt, der kann die Gabe der Vergebung anderen nicht verweigern. Wem Gott die Schulden erlässt, damit er frei wird, der kann seinen Mitmenschen unter der Last der Schulden nicht umkommen lassen. 

Wenn wir die biblische Botschaft ernst nehmen, dann kann der Kirche, den Gemeinden und jedem Christenmenschen das Thema der Verschuldung in all ihren Dimensionen nicht gleichgültig sein.

Wir können das Gebet unseres Herrn nicht sprechen, ohne diese Zusammenhänge im Blick zu haben.

Und wir werden nach unserer eigenen kleinen Praxis befragt. Nach unserer Art zu geben, nach unserer Art Geld „anzulegen“. Geld stinkt nicht – sagt der Volksmund. Stimmt nicht ganz, sagt die Nase, wenn sie an der Hand riecht, die Geld gezählt hat. Aber der Geruch ist’s ja nicht. Es sind die Menschen, die sich des Geldes bedienen! Es ist die Frage, was wir damit machen und wozu es dienen soll – wenn es uns und dem Menschen denn noch dient und nicht wir ihm. Am Beispiel der Entschuldungsbereitschaft kann man erkennen, wer hier wem dient. Was wichtiger ist – die Vermehrung von Geld oder die Mehrung von Leben. Es gibt die Punkte, an denen diese Alternativen auf dem Tisch liegen und in der Frage der Entschuldung sehe ich einen solchen.

Vater, erlass uns unsere Schulden – so beten wir und dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns erhört.

Wir erlassen unseren Schuldnern – so beten wir (und wohl auch viele, die in umfassenden Maße die Macht hätten, das zu tun) und wir beten damit zugleich zu Gott, dass wir uns beten hören, damit wir unserer Bitte gemäß auch handeln.

Begleiten wir die Verhandlungen der nächsten Wochen und die Umsetzungen guter Beschlüsse von früher mit unseren Gebeten, denn sie tun unserer Welt not.

Amen.

 

Gottesdienst in Ronsdorf am 20.05.2007


Georg Rieger
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