Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Angemessen und Erkenntnis fördernd

Bezeichnung des Neoliberalismus

Dr. Peter Bukowski

Der Moderator des Reformierten Bundes, Dr. Peter Bukowski, verteidigt die Charakterisierung des neoliberalen Wirtschaftssystems als "Imperium".

In einem Vortrag auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag hat sich der Moderator (Vorsitzende) des Reformierten Bundes in Deutschland, Dr. Peter Bukowski (Wuppertal) heute für die Charakterisierung des "unsere Welt versklavenden neoliberalen Wirtschaftssystems" als Imperium ausgesprochen.

Als theologische Bestimmung sei diese Rede "angemessen und Erkenntnis fördernd, gerade weil sie den Blick dafür schärft, dass politische bzw. wirtschaftliche Kräfte und Konstellationen uns gleichsam personhaft gegenüberstehen und uns beherrschen". 2004 hatte die Generalversammlung des Reformierten Weltbundes in Accra "die Konzentration wirtschaftlicher, kultureller, politischer und militärischer Macht zu einem Herrschaftssystem unter der Führung mächtiger Nationen, die ihre eigenen Interessen schützen und verteidigen wollen", mit dem Begriff "Imperium" bezeichnet (Erklärung von Accra, Ziffer 11). In der Folgezeit hatte es kritische Einwände gegen den Gebrauch dieses Begriffes gegeben, u.a. weil er Probleme verschleiere.
Bukowski erinnerte in diesem Zusammenhang daran, "dass sich politische, wirtschaftliche, auch gesellschaftliche und kulturelle Konstellationen und Kräfte längst als Mächte etabliert haben". In ihrem Wirken glichen sie Göttern, die ihren Tribut fordern. "Ihre religiöse Sprache ist verräterisch genug: Kriegsopfer, Wirtschaftsopfer, Opfern von Hasstiraden, Verkehrsopfer", so der Vorsitzende des Reformierten Bundes.
Und Bukowski weiter: "Je mehr wir dies durchschauen und uns im Gebet zum lebendigen Gott flüchten, werden wir dann auch befähigt, uns dem Zugriff der Mächte zu entwinden. Wir lernen, unseren Verstand und unsere Wissenschaft nicht weiter zur Optimierung des Götzendienstes zu gebrauchen, sondern dazu, Wege aus der Sklaverei zu suchen und Schritte in die Freiheit zu tun."


09.06.2007
Jörg Schmidt
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