Termine

Reformationsdekade 2012: Reformation und Musik
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps


Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.

Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik


WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.

Mode und Bibel
Sonntag, 12. Februar, 9.45 Uhr: Gottesdienst in Celle
Celle: „Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode“, äußert der Modeschöpfer Karl Lagerfeld. Am Sonntag, 12. Februar 2012, steht der Gottesdienst in der Evangelisch-reformierten Kirche, Hannoversche Straße 61, unter dem Thema „Mode und Bibel“.

Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.

Gottesdienste für Paare am Valentinstag
Kulinarisches, Musikalisches und Biblisches rund um die Liebe am 14. Februar 2012
Am Valentinstag (14.2.) feiern zahlreiche Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Gottesdienste für Liebende. Ehepaare können ihr Eheversprechen erneuern und Verliebte können den Segen Gottes erbitten. Die Gottesdienste finden unter anderen in Eisenach, Magdeburg, Jena oder Merseburg statt. Eingeladen sind alle Paare, die für den gemeinsamen Weg den Segen Gottes wünschen.

Gottesdienst für Verliebte in Trier
Dienstag, 14. Februar 2012
Trier - Zu einem Gottesdienst für Verliebte – frisch und immer noch – lädt die Evangelische Kirchengemeinde Trier ein am Valentinstag, Dienstag, den 14. Februar 2012. Los geht es um 19.30 Uhr im Caspar-Olevian-Saal (neben der Konstantin-Basilika), Mustorstraße/Konstantinplatz, 54290 Trier.

''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück


''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012

''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein ­lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.

Inspirierende Gespräche bei Tisch: Frauen an die Macht
Erstes Dortmunder Frauenmahl in der Petrikirche
DORTMUND - Am Freitag, 24. Februar, findet das erste Dortmunder Frauenmahl statt. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Petrikirche in der Dortmunder Innenstadt.

35. Missionale: Im gemeinsamen Lob Gottes Liebe feiern
25. Februar 2012, Köln
Zu Ermutigung und Besinnung, Begegnung und Sendung lädt die Missionale 2012 unter dem Motto „beziehungsweise Gott“ für Samstag, 25. Februar, in die Köln-Messe ein.

Energiecontrolling leicht gemacht
Dienstag, 28. Februar
Detmold. Ist der Verbrauch bei Strom, Gas und Heizöl nun schon wieder gestiegen oder haben die Bemühungen, sparsamer zu wirtschaften und zu sanieren, Früchte getragen? Nur die Erfassung und Auswertung des Energieverbrauchs gibt eine Basis zur Ermittlung der Einsparpotentiale. Wie das funktionieren kann, darüber informieren Reinhard Benhöfer (Hannover) und Heinrich Mühlenmeier (Lippische Landeskirche) am Dienstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Landeskirchenamt Detmold, Leopoldstr. 27.

Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012


Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)

Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion

Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.

Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)

Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden

Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.

Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.

Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.

''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf

Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)


''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012

Auf heimlichen Pfaden - der Hugenottenweg
Eine Wanderreise vom 2. bis 9. Juli 2012
Das Bayerische Pilgerbüro bietet eine Reise zu den einstigen Hochburgen des Protestantismus in Frankreich an. Jeden Tag stehen Wanderungen von bis zu 4 Stunden auf dem Programm.

Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.

6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012


Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.

Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz


GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.

Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf

Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.


Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant


''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentags­präsidium in Erfurt beschlossen.

450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013


Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn


Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.



Auf dem Weinberg Gottes

Matthäus 20,1-16 - Septuagesimä. Von Petr Sláma, Prag

Eine Predigtmeditation im christlich-jüdischen Kontext

Die Meditation von Dr. Petr Sláma ist mit freudlicher Genehmigung des Autors entnommen aus:
Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext, hrsg. von Studium in Israel e.V., 2008

Aktueller Band Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext, hrsg. von Studium in Israel e.V., 2009/10 >>>

Auf dem Weinberg Gottes um seiner selbst willen

1. Annäherung

Was für eine Gerechtigkeit ist es, wenn der eine, der kaum mehr als eine Stunde gearbeitet hat, genauso viel bekommt wie derjenige, der hier seit morgens früh malocht? Hätten sich alle wie der Letzte benommen, dann wäre doch die Weinrebe kaum abgeerntet. Die Erfahrung eines stark nivellierten Lohns für alle, egal ob sich Bemühende oder nicht, haben viele, die in den Ländern des sog. realen Sozialismus lebten, gemacht und gesehen, wie demotivierend er wirkt. Wie gut also verstehen wir die ersten, die gegen den Hausvater murren. Natürlich, im Gottesreich hat man es mit einer paradoxalen Gerechtigkeit zu tun. Aber worin besteht genau das Paradoxon?

2. Kontexte

Rabbinische Literatur weiß sehr gut von diesem paradoxalen Wesen der Gerechtigkeit Gottes. Das folgende Zitat wird öfter angeführt in einem anderen Zusammenhang, nämlich als ein Beispiel der Eigenständigkeit der mündlichen Tora gegenüber der schriftlichen. Die Geschichte hat aber eine überraschende Fortsetzung, die unser Thema direkt angeht. In dieser Geschichte kommt Mose ins Lehrzimmer des berühmten Tannaiten, Rabbi Aqibas, versteht aber kein einziges Wort seines Vortrages. Schnell verzagt er, bis sich Aqiba, befragt von einem anderen Studenten, in dieser unverständlichen Sache auf die Tora Moses vom Berg Sinai beruft.

„...Da beruhigte sich sein (Moses) Sinn. Er wandte sich um und kam vor den Heiligen, gelobt sei er. Er sprach vor ihm: Herr der Welt, du hast einen solchen Menschen und gibst die Tora durch mich? Er sprach zu ihm: Schweig – so hab’ ich’s beschlossen! Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, du hast mir seine Tora gezeigt, zeige mir nun auch seinen Lohn! Er sprach zu ihm: Wende dich um! Er wandte sich um (und) sah, wie sein Fleisch auf dem Fleischmarkt wog [= Hinweis auf Aqibas Martyrentod]. Da sprach er zu ihm: Herr der Welt, das ist die Tora und das ihr Lohn? Er sprach zu ihm: Schweig – so hab’ ich’s beschlossen.“
Babylonischer Talmud, Traktat Menachot 29b
(Übersetzung aus Lenhardt / von der Osten-Sacken, 319–20)

Midrasch Tanchuma beschäftigt sich mit dem Vers aus Kohelet 5,11: „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel zu essen hat...“. Der Schlaf wird hier als Tod interpretiert, die Arbeit als Torastudium. Obwohl es bei verschiedenen Leuten ungleich ist, wieviel sie gegessen haben (lies: wie lange sie gelebt haben), der Lohn für alle, die sich mit der Tora beschäftigen, ist gleichermaßen süß für alle. Ein Midrasch, der dem Rabbi Levi zugeschrieben wird, stellt eine direkte Parallele zu unserem Evangeliumstext dar:

Ein König entschloss sich, mehrere Arbeiter für sein Unternehmen [auf Hebräisch malacha, siehe dazu das ins Deutsche über das Jiddische gekommene malochen] zu werben. Als sie mit der Arbeit angefangen hatten, nahm der König einen von ihnen und spazierte mit ihm. Am Abend kommen die Arbeiter für ihren Lohn. Auch der Arbeiter, der zuvor mit dem König spazierte, kommt für seinen Lohn. Könnte denn der König nun sagen: Du hast doch nur zwei Stunden gearbeitet, du bekommst entsprechend weniger? Könnte denn auch der Arbeiter in diesem Falle nicht sagen: Hättest du mich nicht gestört und wärst mit mir nicht spazieren gegangen, würde ich mehr bekommen? Und so ist es mit dem Heiligen, gelobt sei er und gepriesen sei sein Name. Der König ist der Heilige, gelobt sei er. Die Arbeiter sind diejenigen, die sich mit der Tora bemühen. [Wenn es darauf ankäme, ob sich] einer mit der Tora fünfzig oder nur zwanzig oder dreizig Jahre beschäftigt hat, dann könnte jeder von ihnen sagen: Hättest du mich nicht [aus dem Leben] weggenommen, könnte ich mich noch mehr der Tora widmen. Darum hat aber der König Salomo gesagt: „süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel zu essen hat“, dass nämlich ihr Lohn derselbe ist.
Midrasch Tanchuma (Warschauer Ausgabe), Parascha Ki tissa 3 (eigene Übersetzung)

Im Traktat Abot und in vielen nachträglichen Texten unterscheiden die Weisen, ob ein Mensch das, was er tut, wegen einer Belohnung – oder eben aus der Liebe zu Gott tut. Appliziert auf das Studium der Tora heißt die zweite Kategorie dann „sich mit der Tora um ihrer selbst willen zu beschäftigen“ und stellt eine Maxime rabbinischen Denkens dar.

Antigonos von Sokko [...] pflegte zu sagen: Seid nicht wie Knechte, die ihrem Herrn dienen, um Belohnung zu empfangen, sondern seid wie Knechte, die ihrem Herrn dienen, nicht um Belohnung zu empfangen. Die Furcht aber des Himmels sei über euch [...] Rabbi Meir sagt: Jeder, der sich mit der Tora um ihrer selbst willen beschäftigt, dessen Lohn sind viele Dinge. Und nicht nur dies, sondern die ganze Welt ist seiner wert [...]
Mischna, Traktat Abot I,3 und VI,1 (Übersetzung Ueberschaer / Krupp)

3. Beobachtungen am Text

Obwohl es in vielen Ausgaben der Bibel „Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ genannt wird, ist es eigentlich der Besitzer des Weinbergs (auf Griechisch oikodespotes genannt, nicht mit einem Haustyrann von heute zu verwechseln!), der hier Bewegung in die Geschichte bringt und ihr einen überraschenden Ausgang verschafft. Seine unerwartete Weise der Belohnung ist das, womit das Himmelreich verglichen wird (homoia ... estin he basileia tón ouranón) und was auch die verschiedenen Reaktionen der anderen hervorruft.

Die ganze Parabel, die ein matthäisches Sondergut ist, bedient sich mit dem Bild eines Weinberges. Verschiedentlicherweise wird das Bild als eine ekklesiologische Kategorie benutzt im AT (Jes 5,1ff.; Jer 12,10ff.) wie auch im NT (Mt 21, 33–41; Mk 12,1–12 + Parr.). Die Parabel ist durch zwei Gespräche gerahmt, in denen es um Stellung, ja Hierarchie im Volk Gottes geht.

Insgesamt fünfmal geht der Besitzer des Weinberges auf den Marktplatz (agora) und macht es mit den dort arbeitslos stehenden Männern aus, dass sie in seinen Weinberg gehen, um bei der Ernte zu helfen. Die Zeiten seiner Werbungen sind wörtlich a) früh am Morgen, b) die dritte Stunde, c) die sechste und d) die neunte Stunde; und zuletzt auch e) die elfte Stunde. Nach der römischen und auch nach unserer Zeitzählung entspricht es dem a) frühen Morgen, b) neun, c) zwölf, d) drei wie auch e) sechs Uhr nachmittags. Sehr pointiert wird es erzählt, wie sich diese Werbungen abspielten. Mit der ersten Gruppe sind die Bedingungen explizit als ein Denar pro Tag vereinbart (symfoneó). Auch die Zweiten sind vergewissert, dass sie bekommen, „was recht ist.“ Die Dritten und die Vierten sind mit dem Hinweis auf die vorangehenden (hósautós) erledigt. Die Fünften sind zunächst leicht gemahnt („Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?“), es wird ihnen aber auch die Möglichkeit einer indirekten Verteidigung gegeben („Niemand hat uns angeworben“). Und schließlich werden auch sie in seinen Weinberg geschickt.

Am Abend, um sieben Uhr, eine Stunde nach der letzten Werbung (siehe V 12), kommt es zum Auszahlen des Lohns. Schön chiastisch fängt der Besitzer mit den Letzten an, nach ihnen aber kommen dann wegen dem Kontrast eben nur noch die Ersten. Verglichen mit einem Denar, den die Letzten für die eine Stunde ihrer Arbeit bekommen, erwarten die Ersten natürlich etwas mehr. Ihrer Erwartung entgegen bekommen sie aber genauso viel, wie die Letzten (V 10). Hier verbirgt sich die verfremdende Spitze der Parabel. Die ersten haben natürlich im Rahmen einer vergleichenden Tun-Ergehen-Logik völlig recht. Sie haben tatsächlich „den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen“ (V 12). Sie hätten mit einem Hinweis auf den nächsten Tag argumentieren können: wenn dem so ist, dann arbeiten sie alle erst ab Nachmittag. Gegen diese Logik steht aber eine Logik der himmlischen Alleinherrschaft Jesu, die gerade an diesem Konflikt erläutert werden soll. Der Witz der Antwort, die die Ersten (oder ihr Sprecher, denn er wird im Singular als Kollege, hepairos, angesporchen) bekommen, besteht darin, dass es zwar offensichtlich um eine gnadenhafte Großzügigkeit des Besitzers gegenüber der Mehrheit der Arbeiter geht, gegen den Protest der Ersten argumentiert er aber rein formal, mit einem Hinweis auf die ursprüngliche Vereinbarung (in V 13 kommt wieder das Verb symfoneó vor). Die bilaterale Verpflichtung des Besitzers und der Ersten ist nicht gebrochen worden. Der Besitzer selber nimmt jedoch die Irritation seiner Lösung wahr. In Anspielung auf das Anfangsversprechen, dass die Arbeiter bekommen, „was recht ist“ (V 4), weist er nun die Kritik ab, dass den Ersten Ungerechtigkeit geschehe (ouk adiko se). 

Es ist also im Grunde ein Streit um das Wesen der Gerechtigkeit Gottes. Das Argument, das hier als entscheidend gilt, ist das, dass es hier um die Gerechtigkeit eines souveränen Alleinherrschers geht, die sich nicht durch eine offensichtliche Gleichheit und schon gar nicht durch eine allgemeine Akzeptanz, sondern ausschließlich durch die Tatsache, dass alles sein Unternehmen ist, zu erweisen beliebt. Das Gleichnis hätte gut mit dem talmudischen „Schweig – so hab’ ich’s beschlossen“ (s.o.) enden können.

Damit gelangt die Parabel zum Sprichwort von den Letzten, die die Ersten werden sollen, und umgekehrt (V 16). Diese paradoxale Umdrehung hat schon das vorangehende Gespräch Jesu mit Petrus (VV 19,27–30), in dem der Jünger fragt, was sie dafür bekommen, dass sie alles verlassen haben und Jesus nachgefolgt sind, abschließt. Im Gespräch mit Petrus ist es aber eigentlich um eine Bestätigung der Tun-Ergehen-Logik gegangen (im Sinne eines „Ihr habt alles verlassen, darum werdet ihr die Stämme Israels richten“). Hier hingegen geht es – mit denselben Worten – um einen genauen Gegensatz dieser Logik, denn im Hause Gottes entscheidet nur der himmlische oikodespotes, und man soll unter diesen Bedingungen einfach dankbar das, was sein ist (to son, V 14), nehmen und gehen.

Als ein direkter Gegensatz der Dankbarkeit gilt der Neid (V 15b); der griechische Terminus dafür (ofthalmos ... poneros) ist das aus rabbinischer Literatur bekannte „schlechte Auge“ (ajin raa).

4. Homiletische Entscheidungen

Es besteht eine lange Tradition antijudaistischer Auslegung dieser Perikope, die z.B. noch im Kommentar der Neuen Jerusalemer Bibel (1973) deutlich schallt: „So handelt Gott; er nimmt auch die Spätgekommenen – die Sünder und die Heiden – in sein Reich auf. Die Erstberufenen – die Juden, denen seit Abraham der Bund gewährt war – dürfen hieran kein Ärgernis nehmen.“

Dagegen haben wir oben beobachtet, dass es in der Parabel vielmehr um die Souveränität Gottes geht, die weit über unser Rechnen hinausgeht; man soll hier also nicht eine Regel durch die andere ersetzen, nach der nun etwa nicht die Ersten, sondern die Letzten einen Sonderlohn automatisch bekommen sollen. Das letzte Argument des Besitzers ist doch, dass es sein Unternehmen ist. In diesem Kontext gerät auch das protestantische sola gratia in neues Licht: das Heil ist kein Automatismus, nicht etwas, auf das jeder berechtigten Anspruch hat, sondern eine freie Entscheidung des Besitzers.

Nicht nur das Heil im religiösen Sinne, sondern auch Erfolg, Verständnis und Liebe der anderen, Gesundheit oder Glück gelten manchmal als etwas, auf das wir Recht und Anspruch haben. Unsere von Massenmedien bestimmte und auf den Konsum orientierte Zivilisation fixiert die Illusion eines berechtigten Anspruchs auf Wohlergehen in jeder Hinsicht. Unsere Parabel beleuchtet diese Ansprüche als falsche. Predigt als eine Attacke auf die verbreitete Vorstellung, dass man das Recht auch auf Glück hat und darum glücklich sein muss, kann letzten Endes ganz befreiend wirken.

Mehr paränetisch kann man in der Predigt auch das Motiv von Neid hervorheben, das hier in V 15 mit dem aus rabbinischer Literatur bekannten ajin raa, dem „schlechten Auge“, bezeichnet wird. Wer vergisst, dass es um Gottes Unternehmen geht, der fängt an sich mit anderen zu vergleichen, was immer entweder zum Neid oder zum Paternalismus führt. Als ein Argument gegen den Neid kann man das in V 14a „Nimm dein Geld und geh“ (der Text spricht jedoch hier nicht vom Geld, sondern ganz allgemein – aron ton son kai hypage – „nimmt das Deine“) herausbuchstabieren.

Es gibt aber in der Parabel auch ein Motiv, das dann auch stark in der Aggada im Midrasch Tanchuma hervortritt: ein Motiv, dass es letzten Endes nicht besonders um den Lohn geht, sondern um die Arbeit an dem Weinberg selbst. Anders gesagt: dass die Arbeit an dem Weinberg schon der Lohn ist. Wenn man die Arbeit an dem Weinberg schon als ein Geschenk, einen Lohn versteht, dann verliert natürlich auch alles Vergleichen seinen Sinn. Dann ähnelt es dem rabbinischen sich mit der Tora li-schma, um ihrer selbst willen, zu beschäftigen.

5. Liturgievorschläge

Falls die Freiheit besteht, alttestamentliche Texte für das erste Bibellesen zu wählen, könnten als Vorbilder der Souveränität Gottes wie auch des menschlichen Neides etwa antitypisch die Geschichte von Kain und Abel (Gen 4,1–16), von Esau und Jakob (Gen 27) oder von Rahel und Leah (Gen 30,1–22) gelesen werden.

Lieder: 
Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)
Die Sonn hoch an dem Himmel steht (EG 459)
Gottes Sohn ist kommen (EG 5)

Literatur
Bar Ilan’s Judaic library: Bible Talmud commentaries & halachic response, Elektronische Datei, ISBN 1-931711-27-5, Ramat Gan 2004.
Hagner, Donald A., Word Biblical Commentary, Matthew, Dallas 2005 (CD-ROM Edition).
Lenhard, Pierre / von der Osten-Sacken, Peter, Rabbi Akiva. Texte und Interpretationen zum rabbinischen Judentum und Neuen Testament, ANTZ 1, Berlin 1987.
Ueberschaer, Frank u. Krupp, Michael, Die Mischna, Textkritische Ausgabe mit deutscher Übersetzung und Kommentar: Avot, Ein Karem-Jerusalem 2003.
Voß, Stefan, Septuagesimae: Mt 20,1–16a, in: Kruse, Wolfgang, Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext, Zur Perikopenreihe I, Neuhausen 2002, 105–109.

Dieser Text ist im Rahmen des Vorschungsvorhabens Hermeneutik der christlichen, besonders tschechischen protestantischen Tradition in der Kulturgeschichte Europas (MSM00216 20802) entstanden.

Quelle:

Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext / Plus
Zur Perikopenreihe I
Plus: „Gebotene Opfer, fremdes Feuer, reines Leben“. Leviticus 9–11

Hrsg. von Studium in Israel e.V.,
Wernsbach 2008
ISBN (10-stellig) 3-9809932-3-X
ISBN (13-stellig) 978-3-9809932-3-4
Preis: 14,80 Euro oder 10 Euro im Abonnement

Bestellformular auf der Homepage von Studium in Israel e.V. hier >>>

Bestellungen auch im Buchhandel oder bei:
Dr. Johannes Wachowski
Wernsbach 32
91629 Weihenzell
Tel.: 0981/87856
Fax: 0981/82569
Email: dr.johanneswachowski@gmx.de

Foto: canonier, „Junger Wein“, CC-Lizenz (BY 2.0); www.piqs.de

 


Dr. Petr Sláma, Prag
  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • Google Bookmarks
  • Windows Live
  • Seitenlink übermitteln:
 
Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext 2009
Zur Perikopenreihe I und ein ''Plus'' zu Leviticus 9-11

Die Perikopen für das neue Kirchenjahr, ausgelegt im Gespräch mit jüdischen Stimmen von der Bibel bis zur Gegenwart. Und als ''Plus'': drei jüdisch-christliche Dialoge zur Mitte der Tora, 3. Mose 9-11: gebotene Opfer, fremdes Feuer, reines Leben. Ein Jahr lang Anstöße für die eigene Predigt zum Preis von 14,80 Euro (10 Euro im Abo).

PredigtmeditationenPlus im christlich-jüdischen Kontext. Zur Perikopenreihe II
EKD-Ratsvorsitzende Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann: Der Bezug auf das Judentum gehört in den sonntäglichen Gottesdienst

Der neue Band ''Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext" erscheint im November 2009 mit einem Plus zu biblischen Eseln: ''Von Eseln, die sich in den Weg stellen, gefunden werden und den König tragen''. Im Abo nur 10 Euro für Texte zu jedem Sonntag des Kirchenjahres 2009/10. Mit einem Geleitwort von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann.

 

Nach oben    E-Mail