Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Johannes Calvin und die Kirchenzucht

Ein alter Begriff modern gedeutet

Hat Calvin die Menschen in Genf mit strengen moralischen Vorschriften tyrannisiert?

Im Genf zu Calvins Zeiten ging es darum, der Willkür zu begegnen und Regeln für das Zusammenleben in der Gemeinde aufzustellen. Die Kirchenordnung, die Calvin zu diesem Zweck entwickelt hat, baut auf ein Höchstmaß an Transparenz. Das hat in der Wirkungsgeschichte zu Auswüchsen in Richtung sozialer Kontrolle geführt. Richtig verstanden kann das Prinzip der Transparenz aber durchaus ein Vorbild für eine globale Ethik im Internetzeitalter sein.

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Vorurteile, Tatsachen und Chancen

Wollte Calvin einen Gottesstaat gründen? Ist die Kirchenzucht mit der Scharia zu vergleichen? Was hat die Kirchenzucht in den folgenden Jahrhunderten angerichtet? Was kann man trotzdem von Calvin lernen?
Der ''Konfliktlotse'' Johannes Calvin in strenger Milde. Von Barbara Schenck

Als Calvin nach Genf kam, herrschten dort chaotische Zustände. Nachdem sich die Bürger zuerst vom Herzogtum Savoyen losgesagt hatten, verjagten sie auch den in der Stadt ansässigen Bischof und seine Priester – unter anderem wegen deren ausschweifenden und unzüchtigen Lebensweise. Johannes Calvin sollte die Kirche neu ordnen. Als Teil dieser Ordnung entstand ab 1541 die Genfer ''Kirchenzucht''.
Zur Ekklesiologie Johannes a Lascos und seiner Gemeinden. Von Judith Becker

Kirchenzucht, Aufforderung zur Buße, Ausschluss vom Abendmahl sowie Wiedereintritt in die Gemeinschaft vollzogen reformierte Gemeinden im 16. Jahrhundert sehr unterschiedlich. Dabei konnte ein Kirchenrat auch einmal gegen die Kirchenordnung und die ortsübliche Praxis der Gemeinde entscheiden und Milde walten lassen, um den Geist der Kirchenordnung zu wahren. Beispiele aus der Praxis des Gemeindelebens in London und Emden erzählt und deutet Judith Becker.
Von Barbara Schenck

Eine Messlatte für die Frage, ob Frauen und Männer in einer Gesellschaft gleichberechtigt sind, sind Ehestands- und Scheidungsgesetz. Die Genfer Kirchenordnung enthielt ein geschlechtergerechtes Scheidungsgesetz. Sowohl Männer als auch Frauen konnten bei Ehebruch die Scheidung beantragen. Jedoch brachten die vollzogenen Scheidungen für Frauen vermutlich eher Nachteile als für Männer.
Von Robert M. Kingdon

Die Protokolle des Genfer Konsistoriums belegen seit vielen Jahren: Die Gemeindeleitung wirkte mit Calvin als ausgleichende, in Konflikten schlichtende Instanz, keineswegs als „Inquisitionsgericht“. Calvin und das Konsistorium waren auch Vermittler in Ehekonflikten und familiären Streitigkeiten.
... die Kirchenzucht des Reformators kam ohne Disziplinierung aus

Von Michael Weinrich
Von Judith Becker auf www.calvin09.de

''Die Kirchenzucht könne denjenigen zügeln, der Gott nicht anerkennen will, Antriebslose anspornen und 'väterliche Rute' für die sein, die Fehler begangen haben. Mit Kirchenzucht sollen sie auf den rechten Weg zurückgeführt werden. Kurz: Die Kirchenzucht ist ein Heilmittel für die Gemeinde. Calvin betont mehrfach, sie dürfe aber nicht so hart angewandt werden, dass der Sünder in 'Traurigkeit versinke' (2. Korinther 2,7).''
 

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