Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

75 Jahre Barmer Theologische Erklärung - Festakt mit Landtagspräsidentin Regina van Dinther

''Ein bedeutendes Dokument gegen jede Form der Gleichschaltung''

„Der Gottesbezug im Grundgesetz ist ein erforderlicher und auch ein notwendiger Verweis auf die christlichen Werte und Wurzeln unserer Kultur“. Das unterstrich die Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, Regina van Dinther, am Abend 29. Mai 2009 in ihrem Festvortrag zu „75 Jahre Barmer Bekenntnis“ in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen.

Zum Festakt der Evangelischen Kirche im Rheinland sprach die Landtagspräsidentin zur 5. These der Barmer Theologischen Erklärung. Sie beschäftigt sich unter dem Bibelwort „Fürchtet Gott, ehrt den König“ (1. Petrus 2,17) mit dem Verhältnis von Kirche und Staat. Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sagte: „Wir sind ein wenig stolz darauf, dass dieses mutige Zeugnis, diese Bekenntnisschrift unserer Kirche, hier bei uns im Rheinland beheimatet ist.“

Als „ein bedeutendes Dokument für den Widerstand der Evangelischen Kirche gegen jede Form der Gleichschaltung und gegen staatliche Eingriffe in Glaubens- und Kirchenfragen“ würdigte van Dinther das Bekenntnis von Barmen. Auch heute noch lieferten die Thesen Antworten auf bedeutende Fragen.

„Nebeneinander, Miteinander und Gegeneinander“
Sie ging auch auf eine aktuelle Kampagne von Atheisten ein, die auf Bussen für ihre Weltanschauung werben. Eines zeigten die unterschiedlichen Reaktionen ganz sicher: „Hier kann jeder für sich persönlich entscheiden, welcher Religion er angehören möchte und ob er sich überhaupt einer bestimmten Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlt“, sagte die Politikerin.

„Im demokratischen Deutschland haben sich Kirche und Staat auf eine gegenseitige Achtung ihrer Wirkungsbereiche verständigt“, so die Landtagspräsidentin, „so wie es These 5 der Barmer Erklärung fordert“. Das Verhältnis von Kirche und Staat beschrieb sie in den verschiedenen Bereichen als ein sinnvolles „Nebeneinander, Miteinander und Gegeneinander“.

Das Nebeneinander der beiden Institutionen setze auf der einen Seite eine Toleranz staatlich-weltlichen Handelns seitens der Kirchen und auf der anderen Seite Neutralität und Toleranz des Staates in Glaubensfragen voraus. Das Miteinander betreffe vor allem gesellschaftliche Aufgaben. Vielerorts leisteten die Kirchen gemeinsam mit dem Staat einen Beitrag für sozialen Zusammenhalt, Gesundheit und Bildung, ob in Kindertagesstätten, Krankenhäusern oder in theologischen Studiengängen. Das Wirken der Kirchen im Staat ist nach Ansicht der Politikerin eine unverzichtbare Klammer für die gemeinsam geteilten Werte des Zusammenlebens.

„Auch ein Gegeneinander von Kirche und Staat ist in unserer demokratischen Gesellschaft erforderlich“, so Regina van Dinther, aber: In Fragen, die ethische Grundfesten der Gesellschaft zutiefst berührten, seien die staatlichen Regelungssysteme auf das Wort und das Widerwort der Kirchen angewiesen. Als Bespiele nannte sie die Sterbehilfe und den Einsatz von Gentechnik in der modernen Medizin. Für Politikerinnen und Politiker als verantwortlich handelnde Christen sei es Pflicht, sich auch öffentlich auf die Wurzeln ihres christlichen Glaubens zu berufen. Denn Glauben könne nicht allein Privatsache sein. Er habe eine gesellschaftliche und damit auch eine politische Dimension.

Dank für den Mut der Bekenner von Barmen

Präses Nikolaus Schneider unterstrich die Dankbarkeit für jene Menschen, „die den Mut und die Kraft aufbrachten, der Geistesverwirrung auf die Spur zu kommen und dieser Verwirrtheit – ungeachtet aller persönlichen Gefahr – zu widersprechen“. Es gehe um die schlichte Erkenntnis, dass die herrschende Religionsideologie, die den Kirchen von der staatstragenden Gruppe „Deutscher Christen“ aufgezwungen werden sollte, die „christliche Substanz“ zersetzt.

Die Barmer Theologische Erklärung war das theologische Fundament der Bekennenden Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. An ihrer Abfassung war der Theologe Karl Barth maßgeblich beteiligt. Die Erklärung wurde in der ersten Bekenntnissynode vom 29. bis 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen verabschiedet. Die Barmer Theologische Erklärung gehört zu den Bekenntnisgrundlagen der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Vortrag von Landtagspräsidentin Regina van Dinther.pdf

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Texte, Veranstaltungen, Predigten

Am 31. Mai 1934 wurde die Barmer Theologische Erklärung veröffentlicht und damit der Bekennenden Kirche und dem christlichen Widerstand gegen Hitler ein Fundament gegeben.
 

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