Aktuelle Termine


Reformation und Flucht - Emden und die Glaubensflüchtlinge im 16. Jahrhundert
14. Mai bis 05. Nov. 2017
Gemeinsame Ausstellung der Johannes a Lasco Bibliothek und des Ostfriesischen Landesmuseums Emden


UEK: 200 Jahre Union zwischen lutherischen und reformierten Kirchen
Veranstaltungen zum 200. Jubiläum im Jahr 2017
Im Jahr 2017 wird nicht nur 500 Jahre Reformation, sondern auch 200 Jahre Unionen zwischen lutherischen und reformierten Kirchen gefeiert.


#einfachdiakonie - Monat der Diakonie 2017
1.-30. September
Zum Monat der Diakonie im September
2017 präsentiert das Diakonische Werk Dortmund und
Lünen sich, seine Arbeit und die Menschen dahinter.


Ausstellung 'Asyl ist Menschenrecht' in Herzogenrath
1. bis 29. September 2017
"Pro Asyl" und "Herzogenrather Flüchtlingshilfe" wollen mehr Verständnis für Flüchtlinge schaffen - Zahlreiche Fotos und Grafiken informieren den ganzen September lang über Leben auf der Flucht.


Münster: Die Macht des Wassers – Taufen in der Reformation
1. September bis 14. Januar
Große Taufausstellung des Stadtmuseums gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Münster im Rahmen des Reformationsjubiläums - 500 Jahre Reformation


Drei Ausstellungen zum Thema Reformation auf einen Schlag
27. August / 3. September 2017 bis 7. Januar 2018
Im Lipperland geben drei Sonderausstellungen einen Einblick in die Reformation und ihre Auswirkungen


Trans(Re)Formation - Klöster und Kirchen als Orte der Erneuerung?
26. August bis 03. Dezember 2017
Ein Ausstellungsprojekt und ein Weg zu historischen Kirchenräumen in der Ems-Dollart Region


Social Media-Tag der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau
23. September 2017
Für den 23. September hat die hessen-nassauische Kirche die digitale Reformation ausgerufen: Sie lädt im 500. Jahr der Reformation alle Interessierten einen ganzen Tag lang nach Darmstadt ein, um über die Zukunft der Sozialen Medien in der Kirche nachzudenken und viel gemeinsam auszuprobieren. Jetzt unbedingt anmelden und Teilnahme sichern. Die Plätze sind begrenzt.




Einfach frei – nicht nur am 31. Oktober 2017
Die westfälische Landeskirche auf dem Weg zum 500-jährigen Reformationsjubiläum
Westfalen. Mit der Kampagne »Einfach frei« nimmt die Evangelische Kirche von Westfalen den einmaligen Feiertag am 31. Oktober 2017 zum Anlass, die aktuelle Bedeutung der Reformation vor 500 Jahren zu unterstreichen.


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75 Jahre Theologische Erklärung von Barmen - die erste These entstand in Frankfurt

Von Susanne Bei der Wieden

Foto: Stettin

Eine Einführung zur Barmer Theologischen Erklärung. Kurz und bündig, geschrieben für den Gemeindebrief in Frankfurt/M.

Die evangelische Kirche begeht im Jahr 2009 nicht nur das Calvin- und das Mendelssohnjubiläum, sondern ein weiteres Jubiläum, das im Schatten dieser großen Jubilare fast an uns vorbeigegangen ist: Am 31. Mai, am Pfingstsonntag ist die Theologische Erklärung von Barmen 75 Jahre alt geworden - das zentrale evangelische Bekenntnis aus der Zeit des Dritten Reiches, das in den reformierten und unierten Kirchen bis heute zu den Ordinationsgrundlagen für Pfarrerinnen und Pfarrern gehört und für das reformierte Kirchenverständnis zentralen Stellenwert hat.

Historisch gesehen ist die Barmer Theologische Erklärung eines der wichtigsten Dokumente des Kirchenkampfes im nationalsozialistischen Deutschland. Ihr Text, verfasst von Karl Barth, Hans Christian Asmussen und Thomas Breit, wurde 1934 als „Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche“ von der ersten evangelischen Bekenntnissynode in Barmen verabschiedet. Seit der Machtübernahme Hitlers hatten die Deutschen Christen innerhalb der Deutschen Evangelischen Kirche eine erhebliche Macht gewonnen. Sie lehrten im Sinne der nationalsozialistischen völkischen Ideologie einen „artgemäßen Christusglauben" und sahen in Rasse, Volkstum und Nation sichtbare göttliche „Lebensordnungen“, die nach ihrem Verständnis auch Grundlage der Kirche sein sollten. Im Widerstand zu dieser Ideologie trafen sich im Mai 1934 in Barmen 139 Kirchenvertreter aus 25 deutschen Landes- und Provinzialkirchen.

"Herr der Kirche ist allein Jesus Christus, und der Grund der Kirche allein der Glaube an ihn" - so könnte man ihr Bekenntnis zugespitzt formulieren, mit dem sie sich auf der Grundlage der Theologie Karl Barths von der Ideologie der Deutschen Christen absetzten und diese als Irrlehre brandmarkten. Leider bleibt die Barmer theologische Erklärung in einer binnenchristlichen Perspektive und lässt ein Wort zur Judenfrage vermissen. Ihr christusbezogenes Kirchenverständnis jedoch wurde die Grundlage für die Bekennende Kirche und den theologischen Widerstand der ihr angehörenden Christen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die Barmer Theologische Erklärung enthält sechs Thesen, die jeweils aus Bibel Bibelwort, Bekenntnis- und Verwerfungssatz bestehen.
Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

So lautet die berühmt gewordene erste These, der fünf weitere Thesen folgen, die inhaltlich aus dieser ersten These folgen. Sie ermahnen dazu, das Leben der Christen wie das Leben der Kirche und ihre Ordnung allein auf Jesus Christus auszurichten und widersprechen dem Anspruch eines Staates auf das Leben und den Gehorsam seiner Bürger.

Diese erste These war übrigens innerhalb der beiden evangelischen Konfessionen die umstrittenste, da die lutherischen Theologen daran festhalten wollten, dass Gott sich auch durch die Schöpfung offenbart und aus ihr erkannt werden kann. Durchgesetzt hat sich die reformierte Position um Karl Barth, der diese These übrigens in "Nachtarbeit" formuliert hat, und zwar in Frankfurt, im ehemaligen "Basler Hof" (Foto), wo er auf der Durchreise nach Barmen übernachtet hat.

Die Barmer Theologische Erklärung wurde als grundlegendes Bekenntnis der Kirchen in der Auseinandersetzung mit totalitären Staaten und Regimen immer wieder stark gemacht: In der Südindischen Kirchenunion (Church of South India), im kirchlichen Kampf gegen den Rassismus in Afrika und selbst in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie berief man sich auf sie.

Noch heute zählen die unierten und reformierten Kirchen Deutschlands die Barmer theologische Erklärung zu ihren Bekenntnisgrundlagen. Es gibt aber gelegentlich auch wieder kritische Anfragen an ihren streng christologischen Zuschnitt. Gibt es für die christliche Verkündigung tatsächlich keine Offenbarungsquelle außerhalb Jesu Christi? Wie verhält sich eine Kirche mit einer gewissen geistlichen Hierarchie und einem Bischof zu der von der Barmer Erklärung geforderten Ausrichtung der Kirche auf den einen Herrn Jesus Christus? Und was bedeutet dieses Bekenntnis für unser eigenes Gemeindeverständnis?

Übrigens: Wer die Barmer theologische Erklärung insgesamt nachlesen möchte, kann dies im Gesangbuch (EG) tun.


Pfarrerin Susanne Bei der Wieden, Frankfurt/M.
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Infos und Materialien zum ''Barmer Bekenntnis'' auf einen Blick

24. und 31. August, 7. und 14. September, jeweils 18 bis 19 Uhr, Seminar in der Evangelisch-reformierten Gemeinde, Freiherr-vom-Stein-Straße 8, 60323 Frankfurt

Seminar zum Barmer Bekenntnis unter der Leitung von Pfarrerin Dr. Susanne Bei der Wieden