Termine

Reformationsdekade 2012: Reformation und Musik
Infos, Predigten, Termine, Link-Tipps


Musikreihe ''366+1, Kirche klingt 2012'' startet am 1. Januar
Nikolaus Schneider: ''Projekt der Vernetzung und Mobilisierung''
EKD. In wenigen Wochen, am 1. Januar 2012, beginnt das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann nimmt anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ an jedem Tag eine Reihe von insgesamt 367 Konzerten und Musikgottesdiensten ihren Lauf durch Deutschland – beginnend am Neujahrstag in Augsburg und endend am 31. Dezember 2012 im sächsischen Zittau.

Klingende Kilianskirche Schötmar
Konzerte im Jahr der Kirchenmusik


WeltFrauenStimmen in der Kilianskirche Schötmar
Sonntag, 12. Februar 2012, 18 Uhr
Im Rahmen der noch bis 14. Februar in der Kilianskirche Schötmar gezeigten Ausstellung "Schuften bis zum Umfallen" wird das Konzert "WeltFrauenStimmen" aufgeführt.

Mode und Bibel
Sonntag, 12. Februar, 9.45 Uhr: Gottesdienst in Celle
Celle: „Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode“, äußert der Modeschöpfer Karl Lagerfeld. Am Sonntag, 12. Februar 2012, steht der Gottesdienst in der Evangelisch-reformierten Kirche, Hannoversche Straße 61, unter dem Thema „Mode und Bibel“.

Dresden: Gedenken an Opfer von Bombenangriffen und Protest gegen rechten Terror
Bischöfe im Freistaat Sachsen rufen zur Teilnahme auf: Gedenken und Protest gegen Neonaziaufmärsche am 13. und 18. Februar 2012
Ilse Junkermann, Landsbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), lädt zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens und zum gewaltfreien Protest gegen Aufmärsche von Neonazis ein.

Gottesdienste für Paare am Valentinstag
Kulinarisches, Musikalisches und Biblisches rund um die Liebe am 14. Februar 2012
Am Valentinstag (14.2.) feiern zahlreiche Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Gottesdienste für Liebende. Ehepaare können ihr Eheversprechen erneuern und Verliebte können den Segen Gottes erbitten. Die Gottesdienste finden unter anderen in Eisenach, Magdeburg, Jena oder Merseburg statt. Eingeladen sind alle Paare, die für den gemeinsamen Weg den Segen Gottes wünschen.

Gottesdienst für Verliebte in Trier
Dienstag, 14. Februar 2012
Trier - Zu einem Gottesdienst für Verliebte – frisch und immer noch – lädt die Evangelische Kirchengemeinde Trier ein am Valentinstag, Dienstag, den 14. Februar 2012. Los geht es um 19.30 Uhr im Caspar-Olevian-Saal (neben der Konstantin-Basilika), Mustorstraße/Konstantinplatz, 54290 Trier.

''Gott hat Liebeskummer''
19. Februar, 18-19.30 Uhr: Gottesdienst in der Jugendkirche Osnabrück


''Gott nicht zu nahe treten und die Fremden lieben''
Notwendigkeit und Belastbarkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen
Montag, 20. Februar 2012 bis Donnerstag, 23. Februar 2011: Tagung mit Michael Weinrich im Amt Kirchlicher Dienste (AKD) in Brandenburg - Anmeldung bis zum 16.1.2012

''Gut genug!'' 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz - Fastenaktion der evangelischen Kirchen 2012
22. Februar bis 8. April 2012
"Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein ­lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks." - Arnd Brummer zur evangelischen Fastenaktion 2012.

Inspirierende Gespräche bei Tisch: Frauen an die Macht
Erstes Dortmunder Frauenmahl in der Petrikirche
DORTMUND - Am Freitag, 24. Februar, findet das erste Dortmunder Frauenmahl statt. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Petrikirche in der Dortmunder Innenstadt.

35. Missionale: Im gemeinsamen Lob Gottes Liebe feiern
25. Februar 2012, Köln
Zu Ermutigung und Besinnung, Begegnung und Sendung lädt die Missionale 2012 unter dem Motto „beziehungsweise Gott“ für Samstag, 25. Februar, in die Köln-Messe ein.

Energiecontrolling leicht gemacht
Dienstag, 28. Februar
Detmold. Ist der Verbrauch bei Strom, Gas und Heizöl nun schon wieder gestiegen oder haben die Bemühungen, sparsamer zu wirtschaften und zu sanieren, Früchte getragen? Nur die Erfassung und Auswertung des Energieverbrauchs gibt eine Basis zur Ermittlung der Einsparpotentiale. Wie das funktionieren kann, darüber informieren Reinhard Benhöfer (Hannover) und Heinrich Mühlenmeier (Lippische Landeskirche) am Dienstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Landeskirchenamt Detmold, Leopoldstr. 27.

Weltgebetstag 2012 aus Malaysia: ''Steht auf für Gerechtigkeit!''
Freitag, 2. März 2012


Getauft, ausgestoßen und vergessen? - Evangelische jüdischer Herkunft in Frankfurt am Main
8., 22. und 29. März 2012: Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/M.
Vor 70 Jahren, mit einem Gesetz vom 15. Janaur 1942, wurden alle getauften Jüdinnen und Juden aus der EKNH ausgeschlossen. Mit der Preisgabe der getauften Juden
hat die Kirche als Ganze ihre Existenz als Leib
Christi verraten und zerstört. Mit diesem "Verrat an der Taufe" und dem "Umgang mit Schuld" beschäftigen sich die theologischen Vorträge von Lutz Becht (Frankfurt), Andreas Pangritz (Bonn), Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt)

Woche der Brüderlichkeit 2012
9. bis 12. März: Veranstaltungen in Leipzig
Sonntag: Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider; Laudatio: Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion

Nikolaus Schneider erhält Buber-Rosenzweig-Medaille 2012
Nachhaltiges Wirken für Neugestaltung in den christlichen-jüdischen Beziehungen
EKD. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird Preisträger des Jahres 2012 der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates (DKR). Dies gab der Vorstand am 14. Mai in Bonn während der Mitgliederversammlung der 83 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekannt.

Das Drama des Bundes. Karl Barth und die jüdische Religionsphilosophie: Barth - Buber - Rosenzweig
14. bis 17. März 2012: 30. Karl-Barth-Tagung in Driebergen, NL - Anmeldung bis 29. Januar 2012
30. (deutschsprachige) Karl-Barth-Tagung in den Niederlanden - eine bi-/internationale Konferenz mit den Referenten: Prof. Dr. Martin Leiner (Jena), Dr. Victor Kal (Amsterdam), Prof. Dr. Hans Martin Dober (Tübingen)

Studienreise nach Israel
31. März bis 13. April 2012
mit einem mehrtägigen Seminar zur Holocaust-Erziehung in Yad Vashem; Reiseleitung: Gerda E.H. Koch, Projektleiterin der GEE, Arbeitsbereich Christen und Juden

Reformierte Schweizer und Schweizerdörfer in der Mark Brandenburg
4. April 2012, 15 Uhr: Vortrag von Dr. Eberhard Gresch in Leipzig, Tröndlinring 7
Die Schweiz war in früheren Jahrhunderten, anders als in heutiger Zeit, ein Abwanderungsland. Da Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert und verwüstet war, bemühte man sich zum Ende des 17. Jahrhunderts auch um ansiedlungswillige Schweizer. So entstanden im nahen und weiteren Umfeld von Berlin auch einige Schweizerdörfer. Ebenso ließen sich Schweizer in den Städten Berlin, Potsdam und Eberswalde nieder.

Von Kirche zu Kirche durchs Lippische Bergland pilgern
11. bis 15. April 2012: 5-tägige Tour auf dem lippischen Pilgerweg
Kreis Lippe. Kirchen als Orte der Ruhe erleben: Die Lippische Landeskirche bietet eine Pilgertour mit Übernachtung auf der Ostschleife des Weges „Pilgern in Lippe“ an.

Celle - Eléonoretag 2012
12. April 2012, ab 17 Uhr
Jährlich am 12. April, dem Tag der Hochzeit der Hugenottin Eléonore d’Olbreuse mit Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, wird in Celle der Eléonoretag begangen, der im Rahmen des Projekts FrauenORTE Niedersachsen ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle, Brigitte Fischer, in Kooperation mit dem Residenzmuseum im Celler Schloss, der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und der Deutsch-französischen Gesellschaft.

''S!ngen und mehr''
21. April 2012: Der besondere Tag im aus Gottesdienst und Kirchenmusik, Wuppertal
''Mehr als Worte sagt ein Lied''. Singen und Spiritualität - Impulsvortrag von Martin Berger,
Professor für Chorpädagogik an der
Robert Schumann Hochschule Düsseldorf

Gospelkirchentag 2012 in Dortmund
1. bis 3. Juni 2012 in Dortmund - Anmeldung ab sofort (Oktober 2011)


''Auf den Spuren der Hugenotten'' - Sur les Traces des Huguenots
10. bis 20. Juni 2012: Studienfahrt nach Südfrankreich
Veranstalter: Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen in Verbindung mit ECC-Studienreisen; Anmeldeschluss: Ende Februar 2012

Auf heimlichen Pfaden - der Hugenottenweg
Eine Wanderreise vom 2. bis 9. Juli 2012
Das Bayerische Pilgerbüro bietet eine Reise zu den einstigen Hochburgen des Protestantismus in Frankreich an. Jeden Tag stehen Wanderungen von bis zu 4 Stunden auf dem Programm.

Ostfriessicher Kirchentag 2012 in Aurich
Sechstes ostfriesisches Christentreffen findet vom 13. bis 15. Juli 2012 statt.
Der sechste Ostfriesische Kirchentag findet vom 13. bis 15. Juli 2012 in Aurich statt. Eine gemeinsame Konferenz der Superintendenten der sieben Evangelisch-lutherischen Kirchenkreise des Sprengels Ostfriesland und der Präsides der evangelisch-reformierten Synodalverbände Ostfrieslands hat jetzt erste Planungen für das größte Christentreffen der Region besprochen. Hilke Klüver, Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden in Ostfriesland sagte, sie erwarte wieder einen Kirchentag mit fröhlichen und nachdenklichen Veranstaltungen. Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlev Klahr, wünscht sich ein lebendiges Glaubensfest mit Mut machenden Begegnungen.

6. Ostfriesischer Kirchentag in Aurich
13. – 15 Juli 2012


Internationale Jugendbegegnung in Ruanda
Vom 14. Juli bis 6. August 2012 lädt die Evangelisch-reformierte Kirche junge Erwachsene zu einer internationalen Jugendbegegnung ein.
Junge Menschen aus verschiedenen Mitgliedskirchen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen verleben drei Wochen miteinander. Die alle zwei Jahre stattfindende Jugendbegegnung findet in diesem Jahr in Ruanda statt; die presbyterianische Kirche von Ruanda ist Gastgeberin des Treffens. Die anderen Teilnehmenden kommen aus Südafrika, Belgien und Deutschland. Neben der Evangelisch-reformierten Kirche ist auch die Kirche von Ruanda zugleich Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission.

Barth Tagung 2012 zum Thema Mission und Religion
16. bis 19. Juli 2012, Karl Barth Tagung auf dem Leuenberg, Schweiz


GEKE-Vollversammlung 2012 zu kirchlichen Reformprozessen
20. bis 25. September 2012 in Florenz
„Frei für die Zukunft“ lautet das Thema der 7. GEKE-Vollversammlung vom 20.-25.9.2012 in Florenz - erstmals Steward-Programm für junge Erwachsene - Rat beruft Liturgie- und Rechtsberater sowie Fachkreismitglieder.

Ökumenische Friedensdekade 2012: Mutig für Menschenwürde
11. bis 21. November 2012
Ökumenische FriedensDekade 2012 ruft zum mutigeren Eintreten für Menschenrechte auf

Jubiläumsjahr 2013: 450 Jahre Konzil von Trient und Heidelberger Katechismus
Veranstaltungen weltweit in Vorbereitung; Start am 18. und 19. Januar 2013 mit Konferenzen in Gouda (NL) und Grand Rapids (USA)
Die Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus 1563 und der Abschluss des Konzils von Trient im selben Jahr bieten Anlass, das 450jährige Jubiläum beider Ereignisse im Jahr 2013 vorzubereiten. Viele der Partner der internationalen Plattform Refo500 arbeiten an Ausstellungen, Kongressen, Reisen und Büchern.


Ausstellung 2013: ''450 Jahre Heidelberger Katechismus''
Große Ausstellung in Heidelberg und Apeldoorn für 2013 geplant


''Soviel du brauchst'' (2. Mose 16,18) - Kirchentag 2013
1. bis 5. Mai 2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT) in Hamburg
Hamburg, 31. Januar 2012. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg steht unter der Losung „Soviel du brauchst“. Das hat das Kirchentags­präsidium in Erfurt beschlossen.

450 Jahre Heidelberger Katechismus: Macht des Glaubens
Jubiläumsausstellung im Kurpfälzischen Museum und im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses vom 12. Mai bis 15. September 2013


Spirituality of the Heidelberg Catechism
21. bis 23. Juni 2013: Internationale Konferenz in Apeldoorn


Evangelisch-reformierte Kirche richtet Kindergottesdiensttagung 2014 mit aus
4000 Teilnehmer in Dortmund erwartet
Die Evangelisch-reformierte Kirche richtet die größte bundesweite Tagung für Kindergottesdienstmitarbeiter mit aus. Dazu werden im Jahr 2014 etwa 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Dortmund erwartet. ''Das Ganze ist wie ein kleiner Kirchentag rund um die Arbeit mit den Jüngsten bei uns'', sagte Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit.



''Wie der Hirsch lechzt ...'' - Psalm 42

von Gerrit Noltensmeier

Röhrender Hirsch auf einer Lichtung vor Fels (Detail), 1896 von Moritz Müller

Das „Wunder der Sehnsucht“ im Psalm, die „verstörende Verunsicherung in aller Behäbigkeit“. Und in der Predigt am Reformationstag im Calvinjahr 2009 dann noch dazu: das Sehnen des Anwalts der Ehre Gottes, das „Charisma der Kargheit“ und Worte der Nobelpreisträgerin Herta Müller, gelesen als das „Entsetzen der Gottferne“ und das Sehnen im röhrenden Wohnzimmerhirsch.

Predigt im Abschlussgottesdienst der Hauptversammlung des Reformierten Bundes
Frankfurt, Reformationstag im Calvinjahr 2009
(Nachschrift nach Stichworten)

"Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir."

Psalm 42, 2 - Tageslosung am 31. Oktober 2009

Liebe Gemeinde,

I.
Blättern wir ein wenig in den Übersetzungen des Verses.
"Wie der Hirsch Durst hat…". So der Schriftsteller Arnold Stadler wenig eindringlich. Dazu hätten wir keinen Schriftsteller gebraucht.
"Wie der Hirsch nach frischen Quellen schmachtet…". So schreibt Moses Mendelssohn eindrucksvoll.
"Wie die Hindin lechzt an versiegten Bächen…" So die neuere Züricher Übersetzung, kraftvoll und poetisch zugleich.
"Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser…"

Wenn wir so das Bild, das der Psalm mit Worten malt, umspielen, gelingt es dann, dass sich das Bild vergegenwärtigt heute und hier?
Heute am Ende dieser erfüllten Tagung. Hier in dieser so schönen Kirche, da uns die bunten Farben des Herbstes durch die Fenster grüßen.
Vergegenwärtigt sich das Sehnen der Kreatur, die einst lebensnotwendige Erquickung erfuhr, und nun in schrecklicher Ödnis quälenden Mangel leidet? Heute und hier?

Manche von uns mögen an Wüsten und Steppen decken, die das Heilige Land umgeben. Ich denke an den Sudan. Ein wüstes Land. Glühender Wind trägt den Staub der Wüste in die Stadt. Und nur am Nil, an der Lebensader der Länder dort, findet das Auge Erquickung. Gelingt es, diesen Schrei zu ahnen? Ich habe solch ein Tier nie so schreien gehört. Ja nicht einmal das Röhren der Hirsche in Zeiten der Brunft. Eine Hirschkuh ist es. Vielleicht sind die Jungen nicht weit.

Ich hoffe zuversichtlich, dass das Bild seine Kraft entfaltet, ganz allmählich, dass es sich mit unseren Erfahrungen verbündet und uns einlädt, nein nötigt, den Weg mitzugehen: Von dem schreienden Tier hin zu der Seele der Menschenkinder:
"…so schreit meine Seele, Gott, zu dir." Oder, besser noch und treffender: "…nach dir, Gott."
So hieß es einst im Liederbuch des Volkes Gottes. So wurde es aufbewahrt, gebetet, gesungen von Geschlecht zu Geschlecht.

Könnten wir die Sprache der Seele, unserer Seele verstehen, Techniken braucht es hier nicht, würden wir dann hören von Sehnsucht in wüstem Land, vom Sehnen nach Erquickung, lebensnotwendig, nach der Quelle des Lebens? Sehnsucht nach Gott.
Es ist ein Schreien in der Seele, fern von Gott. Warum? Der Psalm:
Weil die Krankheit das Leben aus der Bahn geworfen hat, ein Leiden, das allein Gott heilen kann.
Weil in der Fremde das Heimweh die Kraft der Seele verzehrt, und allein Gott Geborgenheit schenken kann.
Weil Ungerechtigkeit quält, Anklagen dem Unschuldigen im Nacken sitzen, die Verfolger nahen. Oder weil Ungerechtigkeit weit und breit mit immer neuem Schrecken das Herz schwer macht und sehnend nach Gott fragen lässt.
Und, fügen wir es hinzu, weil der Überdruss am Alltäglichen, auch an der real existierenden Kirche mit ihrem Gewusel, den Ränken und Eitelkeiten, all den törichten Geschäftigkeiten der Seele den freien Atem nimmt.
Weil es so leicht scheint und doch so schwer ist, fern von Gott zu leben.

Gewiss, man könnte leben, überleben ohne solchen Trost der Seele, ohne Erquickung. Ganz passabel vielleicht. Aber die Seele würde ihre Lebendigkeit verlieren, ihre Empfindsamkeit und Regsamkeit, ihre Empfänglichkeit. Und wir ahnen die tiefe Wahrheit in alten Märchen und großen Dramen, die davon wissen, wie es ist, wenn der Mensch seine Seele verkauft. Der Gewinn scheint so hoch, der Verlust aber ist entsetzlich. Wenn sie das kalte Herz eintauschen, das nichts mehr bedarf, und der Tod greift nach der Seele bei lebendigem Leib. Der Schrei der Sehnsucht wird erstickt. Das Leben ist erstorben.

Da geben sich die einen dann mit den Oberflächlichkeiten zufrieden, genügsam.
Andere plappern den redseligen Atheismus nach. Da fahren Busse durch das Land und plaudern es aus: Es ist kein Gott! Unaufgeregt. Und ahnen doch nichts von den Schmerzen des großen Verlustes.
Wieder andere hantieren weiter mit den geläufigen Formeln des Glaubens als wäre nichts geschehen. Bürokratisch und beachtlich moralisch. Aber das Vertrauen trägt sie nicht mehr. Das Sehnen ist verkümmert. Der Schrei erstickt.

Unser Psalm erinnert die Wallfahrten der Pilger, die keine Bestseller schreiben. Die aufbrechen in ihren Dörfern der Alltäglichkeit. Inmitten großer Gefahren das wüste Land durchziehen. Es sind Traditionen, die so gehen lassen. Und zugleich ist es die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart. Und dann die Schwelle des Tempels. Verheißung und Sehnsucht, Erfüllung und Erquickung einander ganz nah. Das zittert nach in dem Schrei nach Gott, nach seiner Treue, seiner Weisung, seinem Namen, seinem Sohn.
Auf solchen endlosen Wallfahrten ist die Bitte des Mose ständiger Begleiter: Herr, lass mich deine Herrlichkeit schauen.. Und die redliche Bilanz des Apostels: Nicht dass ich’s schon ergriffen hätte… Weite Wanderungen; die "Verwohnzimmerung" droht hier nicht. Leuchtfeuer erhellen den Weg. Ist die Kirche der Freiheit hier unterwegs? Und ihr Ziel ist Gott.

II.
Eigentlich könnte ich hier aufhören. Ich wollte mit dem Psalm ja nur das Wunder der Sehnsucht beschwören, das sich im Psalm vergegenwärtigt. Die verstörende Verunsicherung in aller Behäbigkeit.

Aber, Sie ahnen es schon, es kommt doch noch was.
Drei Hinweise noch. Und dann eine Lesefrucht als Fußnote. Und wenn sich manches mit dem leise berührt, was wir bei dieser Versammlung schon gehört haben, dann ist dies beabsichtigt.
Drei Hinweise zunächst am Reformationstag im Calvinjahr 2009.

1. Das Calvinjahr verklingt. Allmählich. Der Reformator ist ein Migrant gewesen. Das Reformierte ist eine Konfession mit Migrationshintergrund. Kirche in der Wüste. Gemeinde unter dem Kreuz. "Erstaunlich modern, dieser Calvin…" So die Überschrift über einem gelungenen Vorwort im Calvin-Magazin. Ich weiß, selten sind die Autoren der Vorworte für die Überschriften verantwortlich. Erstaunlich modern... Wirklich so harmlos? Dieser Calvin.

In der Süddeutschen Zeitung war in einer Würdigung der großen Berliner Calvinismus Ausstellung unter der Überschrift "Vordrängeln ins Jenseits" schließlich zu lesen: "Kaum etwas ist uns Heutigen fremder als der Eifer, mit dem einmal um Gottes Gnade und seine Verherrlichung gekämpft wurde. Calvin, seine Freunde und Feinde, konzentrierten eine ungeheure intellektuelle Energie auf Fragen, die selbst den ernsthaften Kirchgängern des Jahres 2009 nicht verständlich sind. Über diese Art Vergänglichkeit täuscht die Berliner Ausstellung ein wenig hinweg." Fremd und vergänglich? Ja, vielleicht. Weil das Sehnen erkaltet ist, heute, bei uns modernen Leuten? Und ist bei dem, der ein Anwalt der Ehre Gottes wurde, jene Sehnsucht lebendig, verzehrend vielleicht? Bei seinen Leuten, die im Schrei nach Gott alles preisgaben und noch mehr gefunden haben? Sehnende. Nicht Wissende. Nicht Resignierende. Nichts Niederschwelliges.

2. Der Psalm erinnert die Wallfahrten. Er träumt vom Tempel, dem Ort der Gegenwart Gottes. Ich weiß, das Reden von "Heiligen Orten" ist uns etwas verdächtig. Aus gutem Grund. Und doch: Gibt es Orte, in denen die Erwartung zu wohnen scheint, beseelt von der Sehnsucht? Die nicht farbenfroh und im Goldglanz trunkenes, flüchtiges Glück vorgaukeln. Bildlose Tempel. Vom "Temple" sprechen die Protestanten in Frankreich, wenn sie ihre schlichten Kirchen meinen. Orte, die zur Sammlung der Gemeinde einladen, zur Sammlung der Seele im Verlangen nach Gott. Orte mit wunderbarer Kargheit, in denen die Sehnsucht wohnt. Einst hat Fulbert Steffensky gesagt: "Der Glaube an Gott lehrt das Misstrauen gegen die Götzen und Bilder. Es könnte sich ein Menschentyp herausbilden, der nicht mehr auf Argumente hören kann und der nur noch durch Bilder und Inszenierungen zu gewinnen und zu überzeugen ist. Wir haben in den letzten Jahren gesagt, dass wir von der Bildhaftigkeit, der inszenatorischen Fähigkeit des Katholizismus lernen müssen. Der Mund wurde vielen Protestanten wässrig, wenn sie an deren Weihrauch, Glöckchengeklingle, Weihwasser und Messgewänder dachten. Ich vermute, wir brauchen heute noch mehr das Charisma der Kargheit und das Misstrauen gegen die Augenschönheiten, die uns die reformierte Tradition lehrt." "Der Seele Raum geben" - hieß es damals bei der EKD Synode. Das heißt doch wohl: Auf dass ihr geholfen werde, mit anderen die Flügel auszubreiten voll Sehnsucht nach Gott. In seiner Gegenwart.

3. Bei all dem, was wir von Calvin zu sagen suchten, war mir sein Siegel eine vielsagende, konzentrierte Hilfe. Die Hand, die das eigene Herz Gott darbietet. "Cor meum tibi offero Domine. Prompte et Sincere." Auf dass Gott selbst es halte. Lass es dir gefallen, Gott. Und JC. Der Name Calvins? Mein Name? Der Name des Gottessohnes? Sie sollen nicht voneinander loskommen.

Und die Seinen sehen einander manchmal versonnen an: Brannte nicht unser Herz, als Er mit uns redete...? Und in solchem Erinnern ist das Sehnen nicht erloschen. Nach Erquickung, Wärme und Trost. Ein Sehnen, das in Gott Ruhe finden soll.

III.
Und nun noch die aktuelle Lesefrucht als Fußnote. Bei Herta Müller, der unlängst der Literaturnobelpreis zugesprochen wurde, fand ich in dem Roman "Der Fuchs war damals schon der Jäger" die folgende Passage:
"Aus einem Küchenfenster fliegt Rauch auf die Straße, es riecht nach verbrannten Zwiebeln. Über dem Herd hängt ein Wandteppich, eine Waldlichtung mit Hirsch. Der Hirsch ist so braun wie das Nudelsieb auf dem Tisch. Eine Frau leckt einen Holzlöffel ab, ein Kind steht auf einem Stuhl und weint. Um seinen Hals hängt ein Eßlappen. Die Frau wischt dem Kind mit dem Eßlappen die Tränen vom Gesicht. Das Kind ist zu groß, um auf einem Stuhl zu stehen, zu groß, um einen Eßlappen zu tragen. Am Ellbogen der Frau klebt ein blauer Farbfleck. Eine Männerstimme schreit, die Zwiebeln stinken, du stehst am Topf wie eine Kuh, ich geh in die Welt, ich gehe, so weit mich die Füße tragen. Die Frau sieht in den Topf, bläst in den Rauch. Leise und hart sagt sie, geh doch, pack deine Scheißereien in den Koffer und geh in deine Mutter. Der Mann zieht die Frau am Haar und schlägt ihr ins Gesicht. Dann steht die Frau weinend neben dem Kind, und das Kind schweigt und sieht zum Fenster."

In manchen Wohnzimmern wohnt das Entsetzen der Gottferne. Oder ist er nah? Und weckt die Sehnsucht. Erzählt davon auch der Hirsch an der Wand in diesem Zimmer? Wir lieben es wohl, uns in ästhetischer Arroganz über solche Bilder in mancher Stube zu mokieren. Ist da ein Sehnen?

In der FAZ wurde neulich an das wunderbare Gedicht der Lasker-Schüler erinnert: "Es ist ein Weinen in der Welt als ob der liebe Gott gestorben wär..." Sagen wir nun leise und unverzagt: Es ist ein Sehnen in der Welt, als ob Gott selbst uns entgegenkäme, uns zu trösten.
Amen

 

 

 

Gerrit Noltensmeier auf der Hauptversammlung des Reformierten Bundes
im Oktober 2009 in Frankfurt/M.


Gerrit Noltensmeier, Landessuperintendent i.R., Detmold
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Johannes Calvin 1509-2009 - Was bleibt?
Von Gerrit Noltensmeier

Theologische Leidenschaft und Redlichkeit - Geschwisterlichkeit in den Leitungsorganen der Kirche - heilsame Konzentration des Herzens und des Denkens in einer Konfession mit Migrationshintergrund – Singebewegung gegen die Gefühlskälte des menschlichen Herzens – heiliger Eifer: ''Es ist spannend, mit Calvin ins Abseits der Moderne zu geraten. Wo alles voller Verheißung ist.''

 

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