Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Positionen zum Abendmahl

Was die katholische Kirche, Luther, Zwingli, Calvin und andere zum Abendmahl zu sagen haben

An der Frage der Benutzung des Kelchs entzündete sich schon vor der Reformation der Streit um das richtige Verständnis der Eucharistie.

Das Abendmahl in der Katholischen Kirche
Zu Beginn des 3. Jahrhunderts lehrte Irenaeus, dass in den Elementen Brot und Wein, kraft des priesterlichen Segenswortes, etwas überirdisches, nämlich der Leib und das Blut Christi, wirklich vorhanden und wirksam sei. Etwas später lehrten Eusebius von Cäsarea und Gregor von Nanzianz unter anderen: Als Symbole des geopferten Leibes und Blutes Christi vermitteln die genossenen Elemente (Brot und Wein) Vergebung der Sünden und ewiges Leben. Der nächste Schritt auf dieser Entwicklungslinie war die Lehre der Transsubstantiation, d.h. man behauptete: Das Brot und der Wein verwandeln sich kraft des priesterlichen Segensspruches in den wahrhaftigen Leib und in das wahrhaftige Blut Jesu Christi. Damit hing natürlich die Lehre von der Vergebung der Sünden und dem ewigen Leben, in und durch das Abendmahl, unlöslich zusammen. Diese Lehre wurde durch das Konzil zu Trient (1545-1563) bestätigt. Durch das Konzil zu Konstanz (1414-1418) wurde den Laien auch der Kelch genommen. Ab dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) durfte den Laien der Kelch wieder gegeben werden.

Das Abendmahl bei Martin Luther (1483-1546)
Der Katholik sieht im Sakrament eine magische, übernatürlich wirkende Kraft, die durch den Priester von seiner Priesterweihe an wirkt, auch in einem unwürdigen. In dieser magischen Kraft vollbringt er Opfer und Messe, deren sakramentale Kräfte wieder auf die Teilnehmer ausströmen. In der Schrift von der “Babylonischen Gefangenschaft der Kirche” (1520) zerschlägt Luther diese Auffassung des Sakraments. Es ist nichts anderes als das gepredigte Wort von der sündenvergebenden Gnade Gottes, dass durch das Zeichen bekräftigt wird. Das Wort macht das Zeichen zum wirksamen Sakrament; denn es ist ein Wort der Verheißung und fordert Glauben. Friedrich Hauss zitiert Luther wörtlich: “Brot und Wein ist ein göttlich Zeichen, da Christi Fleisch und Blut wahrhaftig innen ist. Wie und wo, das laß Gott befohlen sein” (Sermon vom Abendmahl). Als Luther 1529 das Gespräch in Marburg mit Zwingli hatte, legte er dem Gespräch die Schwabacher Artikel zugrunde, die er kurz zuvor ausgearbeitet hatte. In vierzehn Sätzen wurde eine Übereinstimmung gefunden, obwohl Luther bei der Diskussion über das Abendmahl festgestellt hatte: “Ihr habt einen anderen Geist als wir.” In der Abendmahlslehre gingen sie sich auseinander.

Das Abendmahl bei Huldrych Zwingli (1484-1531)
Nachdem Zwingli und Luther sich seit 1526 literarisch über das Abendmahl ausgesprochen hatten, traten sie im Oktober 1529 in Marburg einander gegenüber. Bei der Aussprache ging es besonders um die Bedeutung des “ist” in den Einsetzungsworten. “Das ist mein Leib . . . das ist mein Blut. “IST” bedeutet, Christus sitzt im Himmel zur Rechten Gottes und kann nicht zugleich im Abendmahl gegenwärtig sein. Eine geistliche Nießung des Leibes Christi sei unmöglich. Nicht der gegessene, sondern der getötete Christus sei uns heilbringend. Er wohne durch den Glauben in unseren Herzen, nicht durch das leibliche Essen.” (Zwingli)

Das Abendmahl bei Johannes Calvin (1509-1564)
Der Reformator der französischen Schweiz schreibt über das Abendmahl wie folgt: Aller Segen des heiligen Abendmahles würde sich in nichts auflösen, wenn nicht darin Jesus Christus als Wesen und Grundlage dargeboten wird. Brot und Wein sind sichtbare Zeichen für Christi Leib und Blut, durch die er sich uns mitteilt. Unsere Gemeinschaft mit dem Leib Jesus Christi, an sich unseren Sinnen verborgen, unserem Verstand unfassbar, wird uns dadurch wahrnehmbar vor Augen gestellt. Über den Abendmahlsstreit sagt Calvin: “Ohne Zweifel hat ihn der Teufel entfacht, um den Lauf des Evangeliums zu nehmen, ja wenn möglich, ganz zu vereiteln. Wenn wir das Sakrament empfangen, werden wir in Wahrheit des wahren Leibes und Blutes Jesu Christi teilhaftig. Wie das geschieht, wissen die einen besser auszulegen als die anderen. Das ist aber vornehmlich zu betonen, dass man, um alle fleischlichen Vorstellungen auszuschließen, das Herz in die Höhe, in den Himmel erhöhen muss.”


Georg Rieger
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Taufe und Abendmahl nach Johannes Calvin. Von Georg Plasger, Siegen

Die Sakramente sollen Menschen zu Christus hinführen. Das Besondere an ihnen im Unterschied zur Predigt? Sie sprechen neben dem Hören auch andere Sinne des Menschen an: den Geruchs-, den Tast- und den Geschmackssinn. Mit dieser "ganzheitlichen Pädagogik" passt Gott sich den begrenzten menschlichen Fähigkeiten an, sein Wort aufzunehmen.
Ein historisches Treffen

Martin Luther und Ulrich Zwingli konnten ihren schon lange schwelenden Streit über die Bedeutung des Abendmahls auch bei einem persönlichen Treffen nicht überwinden.
 

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