Im Leiden und Sterben nicht verlassen: „Gott war in Christus“ – auch am Kreuz

Präses Nikolaus Schneider predigt an Karfreitag im Willibrordi-Dom

©Foto: Andreas Olbrich

Predigt über 2. Korinther 5, 14b-21 von Präses Nikolaus Schneider.pdf >>>

Die Menschen sind im Leiden und Sterben nicht gottverlassen. Das hat Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und amtierender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterstrichen. In seiner Karfreitagspredigt fragte Schneider am Freitag im Willibrordi-Dom zu Wesel: „Wo ist Gott, wenn Kinder in kirchlichen Einrichtungen misshandelt und missbraucht werden? Wo ist Gott, wenn unschuldige Frauen und Kinder in Afghanistan zu Tode gebombt werden? Wo ist Gott, wenn die Erde bebt und Flutwellen den Ärmsten der Armen in Haiti oder Chile alles nehmen, was sie zum Leben brauchen?“ Die Antwort finde sich in der Deutung des Kreuzestodes Jesu im 2. Korintherbrief des Apostels Paulus: „,Gott war in Christus’, und litt und starb mit ihm am Kreuz, schreibt Paulus den Korinthern. Der Himmel war nicht verschlossen und abgeschottet gegenüber menschlichem Leiden und Sterben.“

Gleichzeitig betonte Präses Schneider: „Gott forderte und Gott fordert nicht das menschliche Leiden und Sterben, damit er sich uns Menschen wieder in Liebe zuwendet. Diese Bedingung für die Zuwendung seiner Liebe stellt Gott nicht!“ Vielmehr gilt nach der Überzeugung des Theologen: „Gott selbst leidet und stirbt am Kreuz, weil er sich uns Menschen in Liebe zuwendet! Folge und Ausdruck der Liebe Gottes ist das Kreuz Christi, denn Gott war in Christus gegenwärtig. Gott war in Christus und hat die Welt mit sich selber versöhnt.“

Durch den Kreuzestod Jesu Christi werde die Sünde – „also das gottlose, lebenswidrige, lieblose und zerstörerische Denken, Reden und Handeln von uns Menschen“ – nicht gerechtfertigt, sondern demaskiert und gerichtet. Der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen lasse die eigene Fehlbarkeit und Schuld erkennen, gestehen und bereuen: „Der Glaube verändert mich und lässt mein ganzes Leben neu werden. Ich kann Gott und Menschen um Vergebung bitten, und ich kann meinen Mitmenschen Vergebung zusprechen. Ich kann mein Leben verändern und verändertes Leben anderer Menschen befördern. Gott hat mit dem Wort vom Kreuz das Wort der Versöhnung unter uns Menschen aufgerichtet. Gott ermahnt und Gott bittet uns und durch uns: Lasst euch versöhnen mit Gott! Lasst euch verwandeln. Lebt, was ihr in Christus schon seid: Werdet in der Nachfolge Christi zu der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt!“

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