''Zweifel ist nicht Unglaube, sondern der Bruder des Glaubens''

WDR-Rundfunkgottesdienst: Präses Alfred Buß predigte am Ostermontag in Witten

Präses Dr. h.c. Alfred Buß. Foto: Reinhard Elbracht / EKvW

Witten/Westfalen. „Ostern ist das Fest des Lebens. Der Liebhaber des Lebens lädt ein zum Fest der Freude“: Mit diesen Worten brachte Präses Alfred Buß in seiner Predigt (1. Korinther 15,12-20) am Ostermontag, 5. April, im Saalbau in Witten die Osterbotschaft auf den Punkt. Zweifel und Angst sind überwunden. Durch die Gewissheit der Auferstehung verliert der Tod seine Endgültigkeit. Das Leben siegt.

Osterjubelbremse und Herausforderung

Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Das weiß auch der Apostel Paulus, wenn er an die Gemeinde in Korinth schreibt: „Ist aber Jesus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ Für Präses Alfred Buß eine echte „Osterjubelbremse“ – und zugleich die Herausforderung, selbst über Leben, Tod und Auferstehungshoffnung nachzudenken. „Ostern geht es um Leben und Tod. Genauer: um unser Leben und unseren Tod“, so der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Ob unheilbare Krankheit, Autounfall, Gewalt oder Naturkatastrophe – „der Tod begegnet uns jeden Tag. Und jedes Mal, wenn er auf den Plan tritt, scheint die Osterbotschaft wie weggeblasen.“ Angesichts so viel unsinnigen Sterbens – durch Völkermord, Armut und Medikamentenmangel – folgert Buß: „Absurde Welt! Das kann doch nicht alles gewesen sein! Zerstörungen und Grausamkeiten können Gott doch nicht gleichgültig lassen. Er ist doch der Liebhaber des Lebens!“

Lebensgewiss statt todsicher

Dann der Schnitt, wenn Paulus schreibt: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten.“ Hoffnungslosigkeit war gestern – Hoffnung ist heute. Wo gestern noch der Tod herrschte, so Buß, da sei jetzt der auferstandene Christus Dreh- und Angelpunkt der Welt: „Wo Christus ist, da ist jetzt Gott – sowohl im Leben als auch im Tod. Die Grenzen von Raum und Zeit sind durchbrochen. Ostern sprengt alle Sicherheiten. Gottes Wirklichkeit setzt sich durch.“ Ostern mache uns also nicht todsicher, sondern lebensgewiss. Sicherheit könnten wir selber herstellen – Gewissheit dagegen werde uns geschenkt, sie lasse sich nicht beweisen. Alfred Buß: „Wir können nicht zählen, messen oder beweisen, wie viel Lieben in einem Kuss ist, wie viel Trauer in unseren Tränen, wie viel Glaube und Hoffnung in einem Gebet. Gewissheit lässt sich nicht beweisen. Und doch trägt sie – im Leben und im Sterben. Gewissheit schenkt Ruhe, das Leben aus der eigenen Hand zu geben, es Gott zu überlassen und auf sein Kommen zu warten.“

Zweifel tun dem Glauben gut

Dass weiterhin Fragen nach dem „Was kommt nach der Auferstehung?“ und durch das „Wir wissen es nicht“ auch Zweifel bestehen bleiben, ist für Buß kein Manko der biblischen Verheißung, sondern Ausdruck eines lebendig-reflektierenden Glaubens: „Zweifel ist ja nicht Unglaube, sondern der Bruder des Glaubens. Zweifeln ist Zwiespältigkeit, das Hin- und Hergerissensein im Glauben. Zweifel tun dem Glauben gut.“ Sein Fazit: „Nun aber... ist Christus auferstanden von den Toten. Jesus lebt, mit ihm auch ich. Diese Botschaft ist nicht zu toppen. Und bis dahin sind wir unterwegs.“   

Die Predigt im Wortlaut (pdf)


Pressemeldung der EKvW, 5. April 2010
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