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Erinnerungen an Johannes Calvin. Nachträge zum Calvin-Jahr 2009

von Martin Filitz, Halle

Ein Rückblick auf die Ereignisse im Calvinjahr und im Fazit ein Ausblick: ''Von Johannes Calvin und seiner Theologie ist noch einiges zu erwarten.''

Vortrag auf derJahrestagung der ehemaligen ESG Halle am 26. April 2010 in Kloster Drübeck

Martin Filitz ''Erinnerungen an Johannes Calvin. Nachträge zum Calvin-Jahr''.pdf

1. Meditationen über das Jubiläum

Wir leben von Jubiläum zu Jubiläum. Jubiläen bestimmen den kulturellen Fahrplan unserer Gesellschaft. Jubiläen führen zu Ausstellungen, zu Vorträgen, zu Events aller Art, zu Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen, zu Filmen und wissenschaftlichen Konferenzen. Wovon würden wir kulturell leben, wenn es keine Jubiläen gäbe?

Wir müssten uns auf uns selbst besinnen, auf unsere kulturellen Errungenschaften. Wir müssten in der Gegenwart leben und die Gegenwart gestalten. Würde uns das gelingen? Wo sind unsere kulturellen Errungenschaften, wenn nicht in der Pflege der Vergangenheit?  Archäologische Funde  sind in der Lage Schlagzeilen zu machen, und der Fund des Grabes der Editha im Magdeburger Dom interessiert offenbar mehr Menschen  als eine  neu komponierte Oper von Adriana Hölzsky. Neue Bücher scheinen nur dann das Gemüt der Nation zu bewegen, wenn sie skandalträchtig sind. Genauso ist es mit Theaterinszenierungen und Kunstwerken. Wir tun uns schwer mit der zeitgenössischen Kultur und also verlegen wir  uns auf Vergangenes, vermögen Größe und Bedeutung vor allem in dem zu erkennen, was einmal gewesen ist. Jubiläen kommen uns da sehr gelegen: 100. 200. Oder gar 500. Geburtstage lassen sich in großem Stil inszenieren, und diese Inszenierungen finden auch ihr Publikum. Wenn die Menschen in ihrer Gegenwart nicht zurecht kommen, dann verlegen sie sich auf die Vergangenheit. Sie beschäftigen sich mit Menschen, die sich nicht mehr wehren können, und deren Werk und Wirksamkeit unserer Deutung hilflos ausgeliefert  sind.

Die Kirche ist in dieser Hinsicht Teil der Gesellschaft. Wie alle Welt, so orientiert auch sie sich an Jubiläen, an Jahrestagen von Geburt und Tod bedeutender Gestalten der Kirchengeschichte. Der  kirchliche Amtskalender hat die Freundlichkeit, uns schon lange vor Jahresbeginn darauf hinzuweisen, wessen wir im kommenden Jahr besonders zu gedenken haben. Veröffentlichungen in der kirchlichen Presse und auf dem kirchlichen Buchmarkt – ganz zu schweigen vom Internet  - tun ihr übriges. Und wir in den Gemeinden sind dankbar – lässt sich doch mit den Jubiläen ein wesentlicher Teil der Gemeindearbeit gestalten. So geben auch wir ein kulturelles Bild weiter, das weitgehend am Vergangenen orientiert ist. Ist die kirchliche Einmischung in die Fragen der Gegenwart weitgehend versiegt, umso stärker wird die Pflege dessen, was gewesen ist. Kirche als Museum? Kirche als Flucht aus der Gegenwart in ein vermeintlich bessere Vergangenheit?

Der Star des Protestantismus ist natürlich Martin Luther. Schier unerschöpflich sind die Feiern der Jubiläen, die sich n seiner Person festmachen: Eine ganze Dekade ist dem Reformationsjubiläum 2017 gewidmet. Stellen wurden eingerichtet, erhebliche Mittel beschafft, um die Lutherstätten auf einen restauratorisch akzeptablen Stand zu bringen. Ein Fahrplan wurde erstellt, wie die Reformationsdekade bis 2017 inhaltlich zu füllen ist. Aber auch abgesehen von diesen auf das große Jubiläum ausgerichteten Veranstaltungen: Alljährlich feiert man Luthers Hochzeit in Wittenberg. Jetzt hat man in Mansfeld  den 522. Jahrestag der Einschulung Luthers  gefeiert.  Vor noch nicht allzu langer Zeit war in Halle eine Ausstellung zu sehen, die sich den Hinterlassenschaften der Abfallgruben aus Luthers Elternhaus in Mansfeld und aus der Abfallgrube – oder auch der Toilette – des Wittenberger Augustinerklosters gewidmet hat: wissenschaftlich auf hohem Niveau, publikumswirksam. Wer hätte je gedacht, die Würfel zu Gesicht zu bekommen, mit denen der kleine Martin Luther in Mansfeld vielleicht gespielt hat?

Die Tourismusbranche freut sich über die kirchlichen Jubiläen, über das Elisabethjahr, ebenso wie die Wiederentdeckung der Jakobspilger und natürlich auch über die Lutherdekade. Komplettpakete werden angeboten, in denen kirchengeschichtliche Inhalte touristisch erschlossen werden. Man verkauft Lutherbrot und Lutherbier. Es gibt keinen Event, der nicht auch ökonomisch begleitet würde. Menschen der Vergangenheit lassen sich auch gut vermarkten. Der Vorteil ist: wir können diese vergangenen Menschen nicht mehr fragen, ob sie mit der Vermarktung ihrer Person einverstanden gewesen wären. Bei Luther kann man es  immerhin vermuten, dass er nicht damit einverstanden gewesen wäre, hielt er sich doch für einen stinkenden Madensack[1], dem besondere Aufmerksamkeit nicht zuteil werden sollte.

Es ist eine bemerkenswerte geistige Situation, die uns so auf die Vergangenheit verweist. Was sagt das aus über unsere Gegenwart? Ist es in Ordnung, dass wir weitgehend rückwärtsgewandt leben und uns der Vergangenheit mit einem technischen Aufwand zuwenden, den es so noch nie gab, dass es uns fast gelingt, die Vergangenheit digital wieder auferstehen zu lassen?

Jubiläumsbegängnisse müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie nur einer Nostalgie  vermeintlich besserer Zeiten das Wort reden, oder  ob sie auch kritisch danach fragen, welche Bedeutung  der Jubilar und sein Werk für unsere Gegenwart haben, wie seine Gedanken unsere Gedanken befruchten können, wie seine Auslegung der biblischen Texte uns neue Impulse für unsere Schriftauslegung geben können. Die Glaubensgemeinschaft und die Zeugnisgemeinschaft reicht nach christlichem Verständnis über die Lebenden hinaus, aber sie richtet sich nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Gegenwart und auf die Zukunft. Die Väter und Mütter im Glauben können uns die Aufgabe, heute Kirche zu gestalten und heute das Evangelium weiterzusagen, nicht abnehmen. Das wird man bei der Feier der Jubiläen im Blick behalten. Das wird auch den Blick bestimmen, mit dem wir uns den Jubilaren nähern. Wir sind ihnen gegenüber dankbar, aber nicht unkritisch. Wir sehen ihre Verdienste, aber wir sehen auch unsere Grenzen. Wir erkennen, wie sie formuliert haben und wie wir heute neu und anders formulieren müssen, damit wir unserer Zeugnispflicht für das Evangelium heute gerecht werden können.

„Gedenkt der Lehrer – und Lehrerinnen – die euch das Wort Gottes weitergesagt haben „ – heißt es im Hebräerbrief (Hebr. 13,7). Glaube und Theologie beginnen nicht bei null. Wir stehen auf den Schultern anderer, die vor uns geglaubt, gebetet, nachgedacht und bekannt haben. Jubiläen sind verlässliche Erinnerungspunkte – aber sie sind kein Ersatz für das eigene glauben, bekennen, beten, und nachdenken. Jubiläen sind auch nicht dazu angetan, eine Heiligenverehrung zu beginnen, die vergangene Menschen und Zeiten verklärt. Es ist nicht einfach, die Balance zu halten. Und da war es nur gut, dass das Calvinjahr nur ein Jahr gedauert hat und keine Dekade, dass wir uns nach einer intensiven Erinnerungszeit nun wieder dem zuwenden können, was uns aufgetragen ist und was uns vor den Füßen liegt, bis ein neues Jubiläum unsere Aufmerksamkeit  beansprucht und uns aus anderer Perspektive zu erneuerten Einsichten und Aussichten verhilft.

2. Johannes Calvin – vor 500 Jahren geboren

"Calvin ist ein Wasserfall, ein Urwald, ein Dämonisches, irgendetwas direkt vom Himalaja herunter, absolut chinesisch, wunderbar, mythologisch; es fehlen mir gänzlich die Organe, die Saugnäpfe, dieses Phänomen auch nur in mich aufzunehmen, geschweige denn richtig darzustellen…Ich könnte mich gut und gern hinsetzen und nun mein ganzes fernes Leben nur mit Calvin zuzubringen".
Karl Barth in einem Brief an Eduard Thurneysen am 8. Juni 1922[2]

Bevor ich zu den Ereignissen des Calvin Jahres komme, möchte ich noch einmal an einige Punkte aus der Biographie Calvins erinnern, die bei der Erinnerung seiner Wirksamkeit und bei  der Darstellung seines Lebens besondere Beachtung gefunden haben.

Als Johannes Calvin am 10. Juli 1509 in Noyon geboren wird, hat sich die Zeitenwende angekündigt. Der Ruf der Humanisten „ad fontes“ zu den Quellen ist unüberhörbar laut geworden. Man bezieht sich auf die Antike Geisteshaltung als Maß des Menschlichen. Die Welt hat ihre engen Grenzen verloren. Der neue Kontinent jenseits des Ozeans ist entdeckt, der Seeweg nach Indien öffnet dem Handel neue Möglichkeiten. Europa wird in nie gekanntem Ausmaß mit dem Fremden konfrontiert.  Die Veränderungen wirken sich aus. Martin Luther in Wittenberg ist von diesem neuen Geist ebenso angestoßen wie Huldrych Zwingli in Zürich und Martin Bucer in Straßburg. Für sie bedeutet das „ad fontes“ der Humanisten ein „zurück zur Bibel“ als dem alleinigen Maßstab für Glauben und Lehre der Kirche, für das Handeln des einzelnen Christen in der Welt ebenso wie für die Gestaltung des Gemeinwesens.

Johannes Calvin gehört zur zweiten Generation der Reformatoren. Martin Luther und Huldrych Zwingli  sind 26 Jahre älter als Johannes Calvin. Als es bei Johannes Calvin zu dem kam, was man in der Literatur „Durchbruch der Reformatorischen Erkenntnis „ heißt, hat er Schriften Luthers gelesen. Dennoch ist sein Bildungsumfeld anders als das Luthers und Zwinglis. Calvin ist Universitätsgelehrter. Seine Ausbildung hat er in Paris, in Orleans, in Bourges und wie der in Paris genossen. Calvin ist von Hause aus Jurist. Zur Theologie ist er vor allem im Selbststudium gekommen. So hat er sich eine gründliche Kenntnis der Bibel und der Kirchenväter angeeignet. Das prägt seinen Blick auf die Dinge, auch seinen theologischen Blick auf die rechtliche Gestalt der christlichen Gemeinde. In weit größerem Maße als noch Martin Luther und Huldrych Zwingli ist  Johannes Calvin auch in die europäische Reformationsgeschichte verwickelt. Genf wird der Ort, an dem die Theologen der verfolgten reformierten Kirchen ausgebildet werden. Calvin unterhält einen regen Briefwechsel mit Menschen in Italien und in Ungarn, in Böhmen und in Schottland, und natürlich auch nach Deutschland, besonders zu Philipp Melanchthon, mit dem er sich befreundet weiß. Die lutherische Reformation hingegen bleibt zunächst auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt, bis sie endlich auch in Nordeuropa Fuß fasst.

Johannes Calvin ist vor allem wirksam in seinen Schriften. Seine Institutio Christianae Religionis – Unterricht in der christlichen Religion erscheint zuerst 1536 in Basel, letztmalig  1559 in Genf. Sie ist die ausführlichste Dogmatik der Reformationszeit, systematisch gegliedert von der Schöpfung bis zur Weltvollendung mit eindeutigem Schwerpunkt auf der Entfaltung der Christologie und den Gnadengaben Christi in Rechtfertigung und Heiligung. Calvin wirkt über seine Dogmatik und über seine Briefe.

Die Person Calvins ist sperrig. Es fehlen die „Tischreden“, die die Gestalt Luthers so farbig erscheinen lassen. Es fehlen die Anekdoten wie die vom Auftritt Luthers in Worms oder vom Wurf mit dem Tintenfass nach dem Teufel. Calvin ist arm an Anekdoten. Auf den Bildern wirkt er streng – wie übrigens alle Gelehrte des 15. Jahrhunderts auf den Bildern und Kupferstichen streng wirken!  Aus seiner kurzen Ehe mit Idelette de Bure ist uns so gut wie nichts bekannt. Lediglich die Erzählung, dass nach Calvins Tod die Möbel sofort aus der Wohnung geräumt wurden, weil sie der Stadt Genf gehörten, wirft ein Licht auf die Lebensverhältnisse dieses Mannes.

Also ranken sich die Legenden um seine Strenge. Schon zu Lebzeiten wirft man ihm vor, die Stadt Genf als ein Tyrann zu regieren. – Ungeachtet der Tatsache, dass Calvin niemals ein politisches Amt in Genf innehatte, das ihm die Macht gegeben hätte, sie als Genfer Tyrann zu gebärden. Man wirft ihm vor, strenge Gesetze gegen Glückspiel und Luxus erlassen zu haben und vergisst dabei, dass  diese staatlichen Sparmaßnahmen dazu dienen sollten, den Flüchtlingen aus Frankreich in Genf Unterkommen und Auskommen zu schaffen. Auch für die Ordnung der Genfer Gemeinde und die Maßnahmen der Kirchenzucht zeigt man im Allgemeinen wenig Verständnis, obwohl gerade die Kirchenzucht kein reformiertes oder gar calvinisches Proprium ist. Hätte man Johannes Calvins Briefe zur Kenntnis genommen, man hätte sich selber ein Urteil darüber bilden können, wie seelsorglich er mit den Menschen umgeht, wie er Verständnis zeigt, wie er tröstet und selbst einen Selbstmörder nicht verdammt.

Und man wirft ihm natürlich die Hinrichtung des Michel Servet vor  - wie das mit aller Verve Stephan Zweig in seiner Novelle Castello gegen Calvin getan hat. Zweig wollte ein Buch gegen den Tyrannen Hitler schreiben, und  er sucht sich Calvin, um an seinem Beispiel zu zeigen, wie Tyrannei funktioniert. Zweig verwendet keine Mühe darauf, die wirklichen Rechtsverhältnisse zu klären. Er erwähnt nicht, dass die Leugnung des dreieinigen Gottes überall in Europa mit dem Tode betraft wurde. Richtig ist, dass Calvin in seinem Gutachten nicht zugunsten Servets ausgesagt hat. Er war mit der Todesstrafe einverstanden. Übrigens hat ihm Melanchthon zu dieser Entscheidung gratuliert. In Wittenberg hätte den spanischen Arzt ein ähnliches Schicksal getroffen. Dafür interessiert sich Zweig aber nicht. Und so setzen sich die tendenziellen Fehlurteile von Generation zu Generation fort, erscheinen in Schulbüchern und Schulfunksendungen.[3]

Vor allem mit diesen Fakten, Vorurteilen und Zusammenhängen hat sich ein sachgerechtes Erinnern an Johannes Calvin – 500 Jahre nach seinem Geburtstag – auseinanderzusetzen gehabt. Aus der Fülle der Veranstaltungen und Veröffentlichungen werde ich einige wenige herausgreifen, die deutlich machen, wie dieser bedeutende europäische Theologe wieder in die Erinnerung einer Öffentlichkeit gebracht wurde, die ihn schon ganz vergessen hatte.

Calvins 500. Geburtstag wurde gefeiert – überall dort, wo reformierte Christenmenschen leben: In der Schweiz und in Deutschland, in den Niederlanden und in Ungarn, in Schottland und in Tschechien, natürlich in den USA und in Canada, in Kuba, in Schwarzafrika, in Korea und in Japan und selbstverständlich auch in Südafrika, das eine nicht unproblematische Geschichte mit dem Genfer Kirchenvater hat.

Besonders in Genf wurde Calvins Geburtstag mit einigem Aufwand gefeiert. Es gab eine Großveranstaltung an der Mauer der Reformatoren am Reformationssonntag in Genf, es gab eine Ausstellung im Calvin-Museum und es gab einen viel beachteten und weltweit ausgestrahlten Pfingstgottesdienst aus der Kathedrale St. Pierre in Genf am 14. Juli 2009. In diesem Gottesdienst sang der Chor die Motette „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ von Johann Sebastian Bach – ein durchaus ökumenisches Zeichen zum Calvin-Jubiläum. Der Gottesdienst kann bis heute im Internet besichtigt werden. Man erreicht ihn über die Schweizer Calvin-Seite.

Was sich in all diesen verschiedenen Ländern im Calvinjahr sonst noch getan hat, das entzieht sich weitgehend meiner Kenntnis. Ich werde mich daher ganz auf die Gestaltung dieses Jahres in Deutschland beschränken.

3. Der historische Blick auf Johannes Calvin

Das Deutsche Historische Museum in Berlin hatte im Jahr 2005 eine große Ausstellung zur Geschichte und Ansiedlung der Hugenotten in Brandenburg Preußen gezeigt. Im Zeughaus Unter den Linden in Berlin wurde damals eine eindrucksvolle Zusammenschau über die französischen Glaubensflüchtlinge geboten, die sich auch kritisch mit der hugenottischen Legendenbildung auseinandersetzte. Ein sorgfältig edierter Katalogband dokumentiert diese Ausstellung.

In der Folge und im Zusammenhang mit dieser Hugenottenausstellung wandte sich das Deutsche Historische Museum im Calvinjahr 2009 dem Calvinismus zu. Schwerpunkt waren dabei nicht so sehr die Person Johannes Calvins als vielmehr sein Wirken in der Schweiz, in Westeuropa und natürlich auch in den deutschsprachigen Gebieten. Die Geschichte der Hugenotten und des französischen Protestantismus wurde dabei verständlicherweise weitgehend ausgeklammert. Es zeigte sich ein buntes Bild einer von Calvin geprägten Kultur, die alle Lebensbereiche durchdrungen hat. Es ging um Malerei ebenso – hier sind vor allem die alten Niederländer zu nennen, einschließlich Rembrandt van Rijn, die das bürgerliche Haus und die öffentlichen Räume für ihre nicht selten biblisch motivierten Gemälde zu nennen, ferner der Aufschwung der Geo- und Naturwissenschaften, die Blüte des Handels durch die Erschließung der überseeischen Gebiete, Buchdruck und Kunsthandwerk bis hin zu den Zeugnissen der Alltagskultur, die das Leben in den reformierten Gemeinden und Familien geprägt hat. Wichtig war auch ein Raum, der der Ausbildung des Psalmengesanges und der altniederländischen Musik gewidmet war – ein deutlicher Widerspruch zu der viel verbreiteten These, dass man in den Reformierten Kirchen keine Kirchenmusik kenne. Die Zusammenhänge sind wesentlich vielschichtiger und farbiger, als gängige Vorurteile und gängige Schulweisheit das bislang haben wahrhaben wollen. Eröffnet wurde die Ausstellung zum Calvinismus unter anderem mit einer launigen Rede des niederländischen Ministerpräsidenten Jan Pieter Balkenende, in der er die Bedeutung Calvins für ethisches Handeln gerade auch in der globalen Finanzkrise hervorhob. Über 30.000 Besucher haben diese Ausstellung im Alten Zeughaus in Berlin gesehen – ein bemerkenswerter Erfolg für ein eher als randständig vermutetes Thema.

4. Calvin und die Evangelische Kirche in Deutschland

Für alle Beteiligten war es  ebenso erstaunlich, wie es auch eine große Freude war, dass sich die EKD – du dort vor allem das Kirchenamt in Hannover – sich des Calvinjubiläums 2009 angenommen hat. Die Person und das Werk Johannes Calvins wurden nicht als Sonderfündlein der reformierten Minderheit in Deutschland angesehen, sondern als ein die ganze evangelische Kirche in Deutschland betreffendes Erbe. Um dieses zu unterstreichen wurde schon im Jahr zuvor von der EKD und dem Reformierten Bund in Deutschland die Stelle eines Calvin-Beauftragten eingerichtet, dem die Koordination und Planung von Veranstaltungen und Aktionen aufgetragen wurde und der ebenso zu erstellende Publikationen und Ausstellungen begleiten sollte. Diese Aufgabe hat Pfarrer Dr. Achim Detmers aus der Evangelischen Landeskirche Anhalts übernommen und mit großem Eifer und tiefer Sachkenntnis ausgeführt.

Die erste Publikation, die für die breite kirchliche Öffentlichkeit gedacht war, ist das Calvin-Magazin, das in einer Gesamtauflage von 26.000 Exemplaren erschienen ist. Auch dieses Heft ist eine Gemeinschaftsarbeit der Kirchenkanzlei der EKD und des Reformierten Bundes. In leicht lesbarer Form werden Hinweise auf Leben, Werk und Bedeutung Calvins gegeben, auch ein Calvin-Spiel regt zum Mitmachen an. Es ist eine Material- und Arbeitshilfe für Gemeindegruppen und Schulklassen, und es ist auch entsprechend genutzt worden. Mittlerweile ist in ähnlichem Umfang und in ähnlicher Aufmachung ein Melanchthon-Magazin erschienen, das momentan in den Gemeinden verbreitet wird. Es hat sich gezeigt, dass es publizistisch sinnvoll ist, die Kräfte in der EKD zu bündeln und so zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen, die sich dann auch sehen lassen können.

Höhepunkt des Calvinjahres war natürlich die Geburtstagsfeier am 9.Juli 2009 in der Französischen Friedrichstadtkirche zu Berlin. Viele Gäste waren geladen, und viele waren auch gekommen. Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Vocal-Consort Berlin, das in nahezu künstlerischer Vollendung Chorsätze zu den Genfer Psalmen zu Gehör brachte. Auch dies ein Hinweis darauf, wie reich und ausdifferenziert die musikalische Tradition reformierter Kirchenmusik ist – das ist vor allem für die Reformierten selbst wichtig, zu hören und sich selbst einzugestehen. Nicht alles, was spartanisch daherkommt, ist reformiert. Auch im Calvinjahr haben wir noch zu wenig über eine reformierte theologisch-gottesdienstliche Ästhetik nachgedacht, eine Ästhetik, die das biblische Bilderverbot aufnimmt, ohne sich der ästhetischen Gestaltung von Räumen, Gottesdiensten, Musik und Texten zu verweigern  - aber dies nur eine Anmerkung am Rande.

Hauptredner bei der Geburtstagsfeier für Johannes Calvin waren der damalige Ratsvorsitzende der EKD Bischof Prof. Wolfgang Huber und der damalige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, das reformierte Gemeindeglied Dr. Frank Walter Steinmeier. Wie Balkenende, so hob auch Steinmeier  die Bedeutung Calvins für die politische Gestaltungsaufgabe hervor. Ich zitiere Frank Walter Steinmeier:

„Calvin war ein Türöffner, in manchem auch ein Mann des Übergangs. Er hat Wege gewiesen, die er selbst nicht mehr gegangen ist. Spätere Generationen haben seine Impulse aufgenommen. Sie haben sie weiterentwickelt und so unsere Gesellschaft entscheidend geprägt. Das gilt ganz besonders auch für das Verhältnis von Religion, Politik und Wirtschaft und die Bedeutung des Calvinismus für die Herausbildung der modernen Demokratie.“ „... Ich glaube, wenn Calvin heute käme, würde er sagen: Schluss mit der Selbstzufriedenheit und dem falschen Stolz! Schaut über eure Grenzen hinaus! Kümmert euch um die Flüchtlinge aus aller Welt! Sorgt dafür, dass euer Haus in Ordnung kommt! Geht gegen Ungerechtigkeit vor! Seid ein Vorbild! Und vor allem: Macht euch verständlich in der Welt! Übersetzt, baut Brücken! Denkt daran, dass die Freiheitsgeschichte Gottes nicht zu Ende ist!“[4]

Am selben Tag lud das Bundesfinanzministerium ein in den Sitz des Beauftragten bei Bundesregierung und Bundesrat, um dort die anlässlich des 500. Geburtstages von Johannes Calvin herausgegebene Briefmarke vorzustellen. Es ist eine 70 Cent-Briefmarke, die das Portrait Calvins nach einem der bekannten Holzschnitte zeigt. Leider wird sich diese Briefmarke nicht sehr verbreiten – wer braucht schon eine 70 Cent  Briefmarke?

Der Gottesdienst aus der Französischen Friedrichstadtkirche – dem „französischen Dom“ wie die Kirche am Gendarmenmarkt auch genannt wird am 11. Juli 2009 mit der Predigt des Moderators des Reformierten Bundes Pfr. D. Bukowski aus Wuppertal wurde von der ARD direkt übertragen.

5. Publikationen über Johannes Calvin im Calvinjahr

Diejenigen, die wohl am meisten von Jubiläen und Jahrestagen profitieren, sind die Verlage und die Buchhändler. Naht sich ein kirchliches Jubiläum, dann wird der sonst eher karge theologische Büchermarkt von neuen Titeln geradezu überschwemmt. Man muss sichten und auswählen. Viel Seichtes, schnell geschriebenes findet sich ebenso wie gewichtige wissenschaftliche Veröffentlichungen.  Meist sind die Veröffentlichungen, ist das Jubiläum einmal vorbei, auch ganz schnell wieder aus den Auslagen der Buchläden und aus den Katalogen der Verlage verschwunden.

Es würde viel zu weit führen, hier auch nur einen ungefähren Überblick über die Neuerscheinungen zu Calvins 500. Geburtstag zu geben. Einige Hinweise mögen Sie mir dennoch gestatten:

Es ist erfreulich, dass seit dem vergangenen Jahr die Institutio Christianae Religionis, das dogmatische Hauptwerk Calvins wieder in deutscher Sprache greifbar ist. Es handelt sich dabei um eine bearbeitete Neuauflage der Übersetzung von Otto Weber aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Otto Webers Übersetzung ist jetzt auch im Internet abrufbar und steht so jedem Interessierten zum Studium offen.

Seit 1993 gibt der Neukirchener Verlag eine Reihe „Calvin Studien“ heraus, die mittlerweile bis zu Band 7 gediehen ist. In dieser Reihe werden kleinere, schwer zugängliche Schriften und Bibelauslegungen zweisprachig wiedergegeben. Es ist dies ein verdienstvolles Unternehmen, was sich noch weit über das Jubiläum hinziehen wird.

Unter der Fülle der neu erschienenen Calvin-Biographien möchte ich besonders zwei nennen: Es ist zum einen die flott geschriebene, historisch und theologisch aber gut begründete Biographie von Klaas Huizing „Johannes Calvin – und was von dem Reformator übrig bleibt“ (Frankfurt 2008). Huizing bringt die Biographie Calvins immer wieder mit seinen eigenen reformierten Erfahrungen ins Gespräch. Es ist ein überaus anregendes Buch.

Der niederländische Calvin-Forscher Herman Selderhuis hat eine ebenso lesbare wie fundierte Calvin-Biographie vorgelegt, die in leicht verständlicher Form den letzten Forschungsstand wiedergibt „Johannes Calvin – Mensch zwischen Zuversicht und Zweifel“ (Gütersloh 2009) Auch dieses Buch kann man uneingeschränkt der Lektüre empfehlen.

Von Selderhuis stammt auch das „Calvin Handbuch“  (Tübingen 2008). Hier werden in kurzen, wissenschaftlichen Artikeln die unterschiedlichen Aspekte der Biographie und Theologie Calvins beleuchtet – ein unentbehrliches Hilfsmittel für jeden, der sich wissenschaftlich mit Person und Werk Johannes Calvins auseinandersetzen will.

Für Kinder ist ein kleines Calvin-Büchlein erschienen, zu dem meine Kollegin Anne Bremer aus Aschersleben den Text geschrieben hat. Dieses Büchlein wurde schon in mehrere Sprachen übersetzt  und findet bei Kindergruppen eine gute Resonanz.

Hinzuweisen ist auch auf zwei Film-Projekte, die sich auf Leben und Werk Johannes Calvins beziehen. Es ist zum einen eine Produktion von Konrad Schmid: „Johannes Calvin – Gott allein die Ehre“ aus dem Hänssler Verlag. In diesem auch auf DVD erhältlichen Film geht es um die Darstellung er Biographie Johannes Calvins. Interviews mit verschiedenen Historikern und Theologen geben ein differenziertes Bild. Dieser Film eignet sich gut für Gemeindeveranstaltungen und für den Unterricht.

Auch die 2. Filmproduktion liegt als DVD vor und kann im Internet bestellt werden: Werner Köhne – „Johannes Calvin –Reformator oder Reizfigur“. Hier wird versucht mittels Spielszenen und Interviews ein Bild der Zeit Calvins zu zeichnen und den Reformator in diese Zeit einzuordnen. Mir sind vor allem die Spielszenen zu düster geraten, was sich auf den gesamten Film niederschlägt.

Über diese veröffentlichten Texte und Filme sind natürlich auch die verschiedenen Aktivitäten im Internet zu erwähnen. Die Web-Site www.reformiert-info.de hält ständig Texte und Material für die Arbeit in Schule und Gemeinde bereit. Was sich sonst im weltweiten Netz tut, das ist nicht zu überschauen. Viele Gemeinden und Kirchenkreise haben ihre Calvin-Site ins Netz gestellt. Sicher sind diese elektronischen Veröffentlichungen nicht immer von der Qualität wie man sie sich wünschen würde, aber das Bemühen, den Genfer Reformator über den Kreis der Kirchen und Gemeinden, die er geprägt hat, hinaus bekannt zu machen, ist aller Ehren wert.

Daneben hielt das Calvin-Marketing auch allerlei Skurriles zum Verkauf bereit. Besonders beliebt waren der Calvin-Regenschirm und der Calvin Wein mit der Aufschrift: In Calvino Veritas

6. Johannes Calvin in der Gemeinde

Wie ist das Calvinjahr in den Gemeinden aufgenommen worden? War es mehr als eine Kopfgeburt, die die ohnehin schon Interessierten erreicht hat, aber darüber hinaus niemanden? Ich glaube nicht. In vielen Gemeinden – nicht nur reformierter Konfession wurde Johannes Calvin zum Thema gemacht. Pfarrerinnen und Pfarrer griffen bei ihren Predigtvorbereitungen auf Calvins Schriftauslegung zurück. Gemeindefeste wurden als Geburtstagsfeste für Johannes Calvin gestaltet. Aus dem Büro des Calvin Beauftragten in Hannover gab es eine Calvin-Kiste für die Gemeinde mit Materialien für die Konfirmandenarbeit, mit Plakaten für den Schaukasten der Gemeinde und mit einer in Hannover erarbeiteten Ausstellung über Leben und Werk Johannes Calvin im handlichen Kleinformat. Die große Calvin-Ausstellung mit ihren 14 Tafeln tourt nach wie vor in mehreren Exemplaren durch Deutschland. Sie ist – nach meinem Kenntnisstand immer noch ausgebucht. Ich hatte das Vergnügen und die große Ehre , die Calvin-Ausstellung in der Wittenberger Stadtkirche mit einigen Hinweisen zu Gestalt und Bedeutung Johannes Calvins eröffnen zu dürfen.

In Ergänzung zu dieser Calvin-Ausstellung  und in derselben Aufmachung haben das Archiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands , die Evangelische Landeskirche Anhalt, der Verein für Kirchengeschichte der Kirchenprovinz Sachsen und der Reformierte Kirchenkreis der EKM eine Ausstellung über die Geschichte der Reformierten Gemeinden in Mitteldeutschland zusammengestellt. Auch diese Ausstellung, die mit einem Kirchenkreisfest des Reformierten Kirchenkreises im vergangenen August in Magdeburg in der Walloner Kirche eröffnet wurde, zieht mittlerweile durch die Gemeinden im Land und ist bis 2011 ausgebucht.

Ich selbst durfte mit einem Calvin-Vortrag etwa in 20 Gemeinden, Pfarrkonventen, Gesprächkreisen etc. in unserer größer gewordenen Kirche herumreisen. Das Interesse an Information und an Auseinandersetzung war groß, und man kann nur hoffen, dass ein grundständiges Interesse über das Jubiläum hinaus bleibt.

7. Der Versuch eines Fazits

Das Calvinjahr ist vorübergegangen. Es hat die Welt nicht aus den Angeln gehoben. Es hat auch keine bahnbrechenden Neuerkenntnisse oder Aufbrüche gegeben. Es war ein Geburtstagjahr, ein Jubiläumsjahr, das vor allem das Ziel hatte, Johannes Calvin einer breiteren auch kirchlichen Öffentlichkeit ins Gedächtnis zu rufen und vielleicht mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, die den Blick auf ihn und seine Bedeutung lange verstellt haben. Ob dieses  Ziel letztlich erreicht worden ist?

Alle mir bekannten Auswertungen des Calvinjahres sprechen von einem Erfolg. Viele Menschen wurden erreicht. Viele haben sich interessieren lassen. Viele waren auch bereit, über ihre fest gefügten Vorurteile erneut nachzudenken. Calvin wurde unter die Leute gebracht. Und manch einer wird auch gespürt haben, dass der deutsche Blick auf die Reformation und dabei vor allem auf die Person Martin Luthers  ein zu enger Blick ist. Die europäische Perspektive ist weiter und bezieht auch die Schweizer Reformatoren mit ein.

Es bleibt zu hoffen, dass es aus dem Calvinjahr auch theologische Impulse gegeben hat: Dass Theologie ihren Grund in der Schriftauslegung hat – das hat man bei Calvin lernen können. Sein ökologisch-theologischer Ansatz in der Schöpfungslehre, die die Schöpfung als Theatrum Dei Gloriae beschreibt, könnte für unseren theologischen Umgang mit der  Schöpfung fruchtbar werden. Weiterhin verdient der differenzierte Zusammenhang von Rechtfertigung und Heiligung neue Aufmerksamkeit wie auch ein erneutes und Calvin sicher nicht in allem  folgendes Verständnis der Erwählungslehre. Seine Lehre von der Gestalt der Gemeinde hat längst über den engen Kreis reformierter Kirchen hinaus gewirkt.

Von Johannes Calvin und seiner Theologie ist noch einiges zu erwarten. Wenn das Calvinjahr diese Erwartung wach gehalten und hier und da auch neu formuliert hat, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Das Calvinjahr 2009 fiel in die Reformationsdekade, die ihr Ende und ihren Höhepunkt in den Gedenkfeierlichkeiten zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags Luthers in Wittenberg finden soll. Das Melanchthonjahr 2010 ist eine weitere Etappe auf diesem Weg. Die Reformierten werden 2013 das 450jährige Jubiläum des Heidelberger Katechismus begehen – auch das eine Gelegenheit, über reformierte  Theologie und ihre Bedeutung für den gesamten Protestantismus ins Gespräch zu kommen.

Der Präsident des Reformierten Weltbundes, Kirkpatrick erklärte anlässlich der Jubiläumsfeiern in Genf:

„Dieses Jahr hat die reformierten Christen zueinander und zu ihren Wurzeln geführt“, erklärt Kirkpatrick. „Der Fokus auf Calvin hat viele Reformierte ihr Erbe und ihre Verbindungen zueinander wieder neu schätzen lernen lassen. Wir entschuldigen uns nicht mehr für Calvin, wir haben viele Aspekte in seinen Gedanken und Taten gefunden, die wahrhaft lebensspendend für unsere Zeit sind.“

So hangeln wir uns von Jubiläum zu Jubiläum. Wir sollten dabei aufpassen, dass wir in allem bei der Sache bleiben, dass wir die Inhalte, um die es geht, in den Vordergrund rücken und so immer auch auf die Herausforderungen unserer Gegenwart bezogen bleiben. Wir gedenken der Lehrerinnen und Lehrer, die uns das Wort Gottes gesagt haben voller Dankbarkeit, aber wir bleiben nicht bei ihnen stehen. Wir lassen uns von ihnen anregen und hören, wie sie die Schrift ausgelegt haben, aber im dauernden Gespräch mit ihnen müssen wir unsere eigenen Antworten finden, damit wir unseren Zeitgenossen gerecht werden können. Wenn das Jubiläum hierzu eine Hilfe ist, dann ist es gut gewesen, und dann mag ein anderes Jubiläum kommen, das uns auf unserem Weg wieder ein Stück weiter bringt.

Halle, den 11. April 2010


1.            "Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?" - Weimarer Ausgabe sämtlicher Schriften Luthers, Band 8, 637; auf die Frage ob man seine Anhänger "lutherisch" nennen solle

[2]           (Barth, Gesamtausgabe, V. Briefe 2. Band, 1974, S. 80)

3.            „Die Assoziation ist deutlich; und schnell ist aus dem reformatorischen Genf Calvins das Nazideutschland Adolf Hitlers geworden. Dabei ist dies historisch völlig unzutreffend: Die diktatorische Position, die Zweig Calvin zuschreibt, hatte dieser nie inne. Calvin war nicht der von Zweig dargestellte Diktator und das Genf seiner Zeit nicht eine frühere Version der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Hier haben Zweig und die, die seiner Interpretation gefolgt sind, Calvin Unrecht getan.“ Wolfgang Huber auf www.calvin.de/wirken/zweig.html

[4]              Quelle: Auswärtiges Amt, /www.firmenpresse.de/pressinfo102060.html am 11-April 2010

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