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Karl Barth im europäischen Zeitgeschehen (1935-1950)

Ein Buchtipp

„Bibel und Zeitung“, „Beten und Kanonen“ sind Schlagworte, die Theologie und Wirken Karl Barths auf den Punkt bringen wollen. Was dahinter steckt, entfalten in dem Band „Karl Barth im europäischen Zeitgeschehen (1935-1950). Widerstand – Bewährung – Orientierung“ 25 Vorträge und zwei Podiumsdiskussionen von Wissenschaftlern aus sieben Ländern: Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Tschechien, Ungarn, den USA.

Das Wissen um einen Theologen, der den Mächtigen in Nazi-Deutschland und in der Schweiz ein Dorn im Auge war mit seinen klaren Worten, dessen Schriften auch in der neutralen Schweiz zensiert und dessen Telefongespräche abgehört wurden und der die schweizerische Flüchtlingshilfe tatkräftig unterstützte, geht einher mit dem Nachdenken über eine Theologie, die den „scharfen Herausforderungen der Philosophie“ (Trowitzsch) mit Trost und Trotz entgegentritt.

In dem von Michael Beintker, Christian Link und Michael Trowitzsch herausgegebenen Band stehen Systematisch-theologische Reflexion und Betrachtung der historischen Kontexte beieinander: auf der einen Seite Texte zu „Trinitarischer Hermeneutik“, „Erwählungslehre“, „Gottes Vollkommenheiten“, „Schöpfungslehre“, „Anthropologie“, dem „fremden Geheimnis des wirklich Nichtigen“, der „Religion als Unglaube“, „Rechtfertigung und Recht“, „Evangelium und Gesetz“, der „Einheit der Kirchen“, philosophischen Fragen (Barth und Heidegger) und Ethik („Toward an Evangelical Social Ethik), auf der anderen Seite Vorträge zur Schweizer Flüchtlingshilfe, zur „kirchliche Reorganisation in Deutschland“ und dem „Ost-West-Konflikt“ sowie über Barths Beziehung zu seinen Zeitgenossen Dietrich Bonhoeffer, Emil Brunner, Arthur Frey, Hans Joachim Iwand und Heiko Miskotte.

Beim Lesen der Texte stellt sich unwillkürlich die Frage, die auch am Ende der Tagung im Raum stand: Was lernen wir aus Barths Erkenntnissen angesichts der globalen Krisen im 21. Jahrhundert? McCormack gibt im Podiumsgespräch eine erste Antwort, indem er die „Indirektheit der Offenbarung“ (Weinrich) bei Barth nennt: „Weil Gottes Selbstoffenbarung immer nur indirekt identisch ist mit ihrem jeweiligen Medium, ist sie nie etwas, das wir unter unsere Kontrolle bringen können, das wir benutzen können, um ein besonderes Programm erschöpfend zu legitimieren. Auch die beste Politik ist höchstens ein Zeugnis der Wahrheit, sie ist nicht selbst die Wahrheit. Das ist eine Lektion, die wir Amerikaner immer noch lernen müssen.“ (S. 391)

Prophetische Wachheit
Die „einzigartige prophetische Wachheit Barths“ (Link, S. 507), der 1940 in KD II/1 schrieb „An der Wahrheit des Satzes, dass Gott einer ist, wird das Dritte Reich Adolf Hitlers zu Schanden werden“ leuchtet weit über die Jahre 1935-1950 hinaus in unsere Fragen angesichts des „Krieges“ in Afghanistan und der globalen wirtschaftlichen Ungerechtigkeit. Auch heute ist Barths Verweisen auf den Gegensatz zur Demut, die Resignation, aktuell: „Die Resignation verschließet sich der Möglichkeit, etwas gesagt zu bekommen. In der Resignation verbirgt sich insofern der Hochmut des Menschen, als sie ihn in der Meinung bestätigt, in sich selbst alle Hoffnung und allen Trost finden zu müssen und dann eben auch zu können.“ (Weinrich, S. 44).
Was bleibt? Den „Weg von der Dogmatik zur Ethik“ (Link, S. 510) zu gehen.

Karl Barth im europäischen Zeitgeschehen (1935–1950)
Widerstand – Bewährung – Orientierung
hg. von Michael Beintker, Christian Link, Michael Trowitzsch

TVZ Zürich 2010, 528 Seiten
ISBN 978-3-290-17531-3
CHF 82.00 - EUR 54.00 - EUA 55.60

 


Barbara Schenck
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